
Der kurze Bericht des Dispatchers an Gela lautete so: »Die Lichtung unter Obencamp hat sich schlagartig verändert. Ein Teil der grünen Fläche ist von einer weißlichen, langgestreckten Masse bedeckt!« Und zögernd setzte er hinzu: »Die Erscheinung könnte etwas mit Makros zu tun haben.«
Wenig später hastete Gela die Stufen des südlichen Beobachtungsturmes empor, der, am Rand der Plattform, einen Blick in die Lichtung gestattete. Noch bevor sie an die Fensterwand trat, bat sie den Dispatcher, sofort Karl Nilpach herbeizurufen.
In der Tat: Dort lagen zwei weißliche, mit spärlichen Konturen gezeichnete Körper, bestehend aus weitgeschwungenen Hügeln und Einschnitten. Aber jetzt deutlich: Eine Bewegung, ein ganzer »Gebirgszug« sackte um das Mehrfache seiner Höhe nach unten, kein Staub, kein Geröll, >ein biologischer Bewegungsablauf, vielleicht der eines Armes? Aber warum ist alles so einheitlich weiß?<, fragte sich Gela. >Die Makros, die wir bisher gesehen hatten, waren so nicht. Sie trugen stets ein Geflecht auf sich, ein Gewebe, Kleidung ...< Gela überlegte, sah auf ihre Hände, die sich hell vom grauen Untergrund des Schaltpultes abhoben. Da kam die Erkenntnis: >Die Makros dort sind unbekleidet! Sie liegen wahrscheinlich faul in der Frühlingssonne, haben Zeit. Das ist die Gelegenheit! Wir müssen versuchen, sie zu nutzen.< Sie wandte sich hastig an den Dispatcher: »Rufe bitte Chris und alle Maschinen zurück. Sag ihm, dass ich versuche, die Aufmerksamkeit zweier Makros auf den Stützpunkt zu lenken.«
In diesem Augenblick trat Karl Nilpach ein.
»Karl«, sagte Gela, »bitte mach den Hubschrauber klar. Wir riskieren es. Schau!« Sie wies aus dem Fenster. »Es könnte die Gelegenheit sein«, setzte sie, ihre Gedanken wiederholend, hinzu.
Karl nickte. Seine Augen leuchteten. »Wie gehen wir vor?«, fragte er.
Gela zuckte mit den Schultern: »Wir fliegen hin, landen nach Möglichkeit in ihrem Gesichtsfeld. Ich weiß es nicht.«
Karl bewunderte Gela. Er kannte sie schon, als sie ihre Laufbahn begann. Er wusste auch um ihre Liaison mit Harold. >Welche Erfahrungen aber hat sie für eine derartige Aktion? Wer hat schon welche? Schön, sie ist gut ausgebildet. Aber hier, jetzt? Nach all den nicht gerade erfreulichen Erlebnissen bei den Kontaktversuchen mit den Makros? Der Absturz im Sturm damals vielleicht ein Kinderspiel dagegen. Hier geht es immer auf Leben und Tod. Wie gelassen sie das gesagt hatte: »Da fliegen wir hin ...« So passt sie eigentlich gut zu Chris. Er würde auch nicht lange überlegt haben. - Ansonsten machen sie es sich ziemlich schwer, die beiden ...<
Karl warf noch einen Blick aus dem Fenster. Die zwei weißen Berge hatten sich scheinbar nicht verändert. »Na dann«, sagte er. »Ich hol’ die Heuschrecke her, beobachte du noch so lange!«
Wenig später starteten sie. Zunächst wollten sie sich im Tiefflug heranpirschen.
Aber schon als sie den Fuß des Stützpunktbaumes erreicht hatten, schienen die Makros, die von oben eben noch als solche einigermaßen zu überschauen gewesen waren, in eine nicht zu überblickende, an den Rändern nebelhafte, helle Wand übergegangen zu sein, die aus dem Grün der Waldwiese aufragte. Je näher sie kamen, desto mehr verschwammen die Konturen, und das Weiß floss scheinbar bis zum Horizont.
Expedition Mikro. Wissenschaftlich-fantastischer Roman
Wie ein gewaltiger Trichter öffnet sich vor ihnen der Schnabel des Riesenvogels, und ihr Hubschrauber verschwindet in dem unermesslichen Schlund. Entsetzt blickt Gela Nylf auf die Gefährten, die sich im bleichen Licht der Kabinenbeleuchtung zu orientieren versuchen. Wird auch diese Expedition misslingen, nachdem schon ihre Vorgänger in jener seltsamen Welt verschollen sind, die sie so schwer begreifen können? Gela denkt an Harold, der die vorige Expedition leitete und nie zurückkehrte. Hat er die sagenhaften Wesen getroffen, die mitunter wie wolkige Schemen am Horizont aufgetaucht sind? Ist der Kontakt mit ihnen tödlich, oder wird er die ersehnte Hilfe bringen?Die Hubschrauberbesatzung tut alles, um aus dem fliegenden Gefängnis freizukommen. Die Expedition darf nicht scheitern, denn zu viel hängt von ihrem Erfolg ab: die Existenz auf der kleinen Insel inmitten des Ozeans, die Heilung der Krankheit, die dort grassiert, die Rettung vor den bedrohlichen Naturgewalten ... Und so …
Beschreibung
Wie ein gewaltiger Trichter öffnet sich vor ihnen der Schnabel des Riesenvogels, und ihr Hubschrauber verschwindet in dem unermesslichen Schlund. Entsetzt blickt Gela Nylf auf die Gefährten, die sich im bleichen Licht der Kabinenbeleuchtung zu orientieren versuchen. Wird auch diese Expedition misslingen, nachdem schon ihre Vorgänger in jener seltsamen Welt verschollen sind, die sie so schwer begreifen können? Gela denkt an Harold, der die vorige Expedition leitete und nie zurückkehrte. Hat er die sagenhaften Wesen getroffen, die mitunter wie wolkige Schemen am Horizont aufgetaucht sind? Ist der Kontakt mit ihnen tödlich, oder wird er die ersehnte Hilfe bringen?
Die Hubschrauberbesatzung tut alles, um aus dem fliegenden Gefängnis freizukommen. Die Expedition darf nicht scheitern, denn zu viel hängt von ihrem Erfolg ab: die Existenz auf der kleinen Insel inmitten des Ozeans, die Heilung der Krankheit, die dort grassiert, die Rettung vor den bedrohlichen Naturgewalten ... Und so stellen sich Gela Nylf, Chris Noloc und die anderen immer neuen Gefahren und Abenteuern.
Krügersche Zukunftsvisionen in einem utopischen Roman von 1976 in der überarbeiten Fassung von 2010 bilden den Hintergrund der spannenden Handlung.
Bibliografische Angaben
| Erstveröffentlichung | 01.01.1976 |
|---|---|
| E-Book-Ausgabe | 10.04.2016 |
| Seiten | 302 |
| ISBN (EPUB) | 978-3-95655-670-8 |
| ISBN (PDF) | 978-3-95655-671-5 |
| ASIN (Kindle) | B01E2U7R1S |
| Verlag | EDITION digital |
| Sprache | deutsch |
Schlagwörter
Science FictionSpannungErdeGentechnikKleinwuchsZwergeExpeditionHubschrauberInselOzeanMakrosGela NylfChris NolocKarl NilpachHaroldUtopie19762010KrankheitHeilungKontaktAbenteuerGefahrLeseprobe
Der kurze Bericht des Dispatchers an Gela lautete so: »Die Lichtung unter Obencamp hat sich schlagartig verändert. Ein Teil der grünen Fläche ist von einer weißlichen, langgestreckten Masse bedeckt!« Und zögernd setzte er hinzu: »Die Erscheinung könnte etwas mit Makros zu tun haben.«
Wenig später hastete Gela die Stufen des südlichen Beobachtungsturmes empor, der, am Rand der Plattform, einen Blick in die Lichtung gestattete. Noch bevor sie an die Fensterwand trat, bat sie den Dispatcher, sofort Karl Nilpach herbeizurufen.
In der Tat: Dort lagen zwei weißliche, mit spärlichen Konturen gezeichnete Körper, bestehend aus weitgeschwungenen Hügeln und Einschnitten. Aber jetzt deutlich: Eine Bewegung, ein ganzer »Gebirgszug« sackte um das Mehrfache seiner Höhe nach unten, kein Staub, kein Geröll, >ein biologischer Bewegungsablauf, vielleicht der eines Armes? Aber warum ist alles so einheitlich weiß?<, fragte sich Gela. >Die Makros, die wir bisher gesehen hatten, waren so nicht. Sie trugen stets ein Geflecht auf sich, ein Gewebe, Kleidung ...< Gela überlegte, sah auf ihre Hände, die sich hell vom grauen Untergrund des Schaltpultes abhoben. Da kam die Erkenntnis: >Die Makros dort sind unbekleidet! Sie liegen wahrscheinlich faul in der Frühlingssonne, haben Zeit. Das ist die Gelegenheit! Wir müssen versuchen, sie zu nutzen.< Sie wandte sich hastig an den Dispatcher: »Rufe bitte Chris und alle Maschinen zurück. Sag ihm, dass ich versuche, die Aufmerksamkeit zweier Makros auf den Stützpunkt zu lenken.«
In diesem Augenblick trat Karl Nilpach ein.
»Karl«, sagte Gela, »bitte mach den Hubschrauber klar. Wir riskieren es. Schau!« Sie wies aus dem Fenster. »Es könnte die Gelegenheit sein«, setzte sie, ihre Gedanken wiederholend, hinzu.
Karl nickte. Seine Augen leuchteten. »Wie gehen wir vor?«, fragte er.
Gela zuckte mit den Schultern: »Wir fliegen hin, landen nach Möglichkeit in ihrem Gesichtsfeld. Ich weiß es nicht.«
Karl bewunderte Gela. Er kannte sie schon, als sie ihre Laufbahn begann. Er wusste auch um ihre Liaison mit Harold. >Welche Erfahrungen aber hat sie für eine derartige Aktion? Wer hat schon welche? Schön, sie ist gut ausgebildet. Aber hier, jetzt? Nach all den nicht gerade erfreulichen Erlebnissen bei den Kontaktversuchen mit den Makros? Der Absturz im Sturm damals vielleicht ein Kinderspiel dagegen. Hier geht es immer auf Leben und Tod. Wie gelassen sie das gesagt hatte: »Da fliegen wir hin ...« So passt sie eigentlich gut zu Chris. Er würde auch nicht lange überlegt haben. - Ansonsten machen sie es sich ziemlich schwer, die beiden ...<
Karl warf noch einen Blick aus dem Fenster. Die zwei weißen Berge hatten sich scheinbar nicht verändert. »Na dann«, sagte er. »Ich hol’ die Heuschrecke her, beobachte du noch so lange!«
Wenig später starteten sie. Zunächst wollten sie sich im Tiefflug heranpirschen.
Aber schon als sie den Fuß des Stützpunktbaumes erreicht hatten, schienen die Makros, die von oben eben noch als solche einigermaßen zu überschauen gewesen waren, in eine nicht zu überblickende, an den Rändern nebelhafte, helle Wand übergegangen zu sein, die aus dem Grün der Waldwiese aufragte. Je näher sie kamen, desto mehr verschwammen die Konturen, und das Weiß floss scheinbar bis zum Horizont.
Alexander Kröger
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