
Stirb endlich, Gladiator!
Gajus Caesar reiste an den Rhein, um gegen die Germanen Krieg zu führen. Lange ließ er die Römer in Ruhe. Die Konsuln versuchten wieder zu regieren. Der Senat fasste Beschlüsse und erließ Gesetze. Die Gerichte tagten. Die Opferaltäre rauchten. Die Märkte wimmelten. An den Ersten erinnerten nur seine überlebensgroßen Standbilder. Traf eine Siegesmeldung ein, schüttelten Veteranen, von Söhnen und Enkeln ausgefragt, die Köpfe und schwiegen.
Wenn Titus Petronius sich später an die Zeit des Caligula erinnerte, waren ihm die grotesken Saturnalien des Grauens, die der Kaiser in seiner Hauptstadt gefeiert hatte, grell gegenwärtig. Die ruhigen Monate seiner Abwesenheit verschwammen in Nebel. Nur Agrippina, die ihm von Zeit zu Zeit zu spüren gab, dass sie ihn begehrte, ohne sich Erfüllung zu gönnen, behielt er in lichter Erinnerung.
Er war ein eifriger, kundiger und daher geschätzter Teilnehmer ihrer Abendunterhaltungen geworden, die sich um Kunst und Bildung bewegten, aber nicht selten Belange des Reiches streiften. Sie zog ihn ins Vertrauen und machte ihn zum Zeugen ihrer Heimlichkeiten mit Aemilius Lepidus. Das konnte bedeuten: Der ist dir im Weg, weil ich ihn wichtiger finde. Manchmal schien ihm aber auch, sie ersetzte sich die Erfüllung, indem sie sich daran weidete, dass er schmachtete. Als Ahenobarbus starb, hätte sie Lepidus, Drusillas Witwer, heiraten können. Sie dachte nicht daran. Der Schönling ging auch zu anderen Frauen, darunter Livilla.
Dass eine Verschwörung sich anbahnte, blieb Titus lange verborgen. Verdacht schöpfte er, als auch der Redner und Philosoph Annaeus Seneca in Agrippinas Kreis verkehrte. Seneca, ein blutvoller, zur Fülle neigender Mann aus Corduba in Hispanien, dessen Haar sich schon lichtete, obwohl er gerade in seine besten Jahre kam, sonnte sich noch im Gelehrtenruhm seines Vaters, des gesuchten Rhetorikers und Verfassers der „Kontroversen“, hatte aber auch selbst schon einige Prozesse gewonnen. Er kannte sich aus in den Gerichtshallen. Unter Tiberius war er Prätor geworden; unter Caligula verzichtete er darauf, sich um ein Amt zu bewerben. Sogar mit Klagen gegen die Staatskasse war er schon durchgekommen, wo sie Nachlässe beschlagnahmte, weil der Erblasser dem Kaiser nichts vermacht hatte. Zwar standen am Ende Kompromisse – die Erben erhielten ihren Teil, wenn sie die Säumigkeit des Verstorbenen durch eine großzügige Spende an den Fiskus wiedergutmachten –, aber die Raffgier der kaiserlichen Finanzbeamten stieß an Grenzen.
„Ich bin ein aufrechter Römer“, gab Seneca, geschmeichelt durch beifällige Begrüßung bei Agrippina bekannt. „Ich finde es löblich, wenn gewisse Gesetze einen Teil der großen Vermögen in die Staatskasse ableiten, und das, obwohl ich selbst nicht gerade arm zu nennen bin. Was der Staatskasse zufließt, könnte dem Wohl aller dienen, befände sie sich nicht in den Händen von Versagern.“
„Das Grundübel scheint mir“, bestätigte der Getreidepräfekt Valerius Asiaticus, „dass die Kasse des Kaisers noch immer nicht von der Staatskasse getrennt worden ist. Caligula kann mit unseren Geldern machen, was er will. Er ist ein Fass ohne Boden. Sonst hätte er nicht jene Versteigerung palatinischen Besitzes veranstaltet, bei der ein Geschäftsmann, als er einnickte, unversehens einen Trupp abgetakelter Gladiatoren erwarb! Er schickt uns Rechnungen über Schiffe, mit denen er nach Britannien übersetzen will. Wir haben aber Nachricht, dass er im Heerlager nur Besäufnisse feiert. Er schickt uns gefangene Germanen, aber die Germanen der Palastwache verstehen ihr Kauderwelsch nicht, und es stellt sich heraus, es sind Sklaven aus den verschiedensten Provinzen mit künstlich gebleichten Haaren!“
Der Gardepräfekt Aemilius Lepidus nickte. „Ich finde, Rom bewahrt Ruhe und Ordnung auch ohne den Ersten.“
So ging es an mehreren Abenden. Man wurde sich nur nicht einig, ob man Caligula, während er am Rhein lag, einfach absetzen oder auf seine Rückkehr warten sollte, um ihn zu ermorden.
Titus, anfangs geduldet, weil sich jeder seine Wut auf den Vormund ausmalte, erhielt bald Aufgaben als Meldegänger. Auch die Listen seines Sklaven Harpocrates wusste der Kreis zu schätzen. Agrippina versprach ihm: „Für deine Dienste sollst du, sobald das Ungeheuer gestürzt ist, dein ganzes Vermögen wiederbekommen.“ Sie vertraute ihm aber an, dass sie die Verschwörer noch hinhielt wie andere zuvor, weil sie ihnen nichts zutraute. „Auch sie sind Fässer ohne Boden! Sie sind verschuldet, das ist ihr ganzer Unmut. Bei der nächsten Gelegenheit lassen sie sich kaufen. Seneca ist die Ausnahme. Aber gerade er will lieber vermitteln als zuschlagen.“ Ein andermal verriet sie ihm, dass niemand anders als sie am Abend seines Bartfestes die Schergen nach der Durchsuchung seines Zimmers zu sich gerufen und ihnen, eigentlich auf Schlüpfriges aus, das „Lied von der entschwundenen Lockenpracht“ abgekauft hatte, um es unter die Leute zu bringen. „Leider“, beklagte sie sich, „ist das Volk feige und vergesslich und auch ein Fass ohne Boden.“
Livilla war gegen die Ermordung ihres Bruders. Sie warb dafür, ihn nur abzusetzen, und erklärte sich bereit, mit ihm in die Verbannung zu gehen. Tigellinus verzog spöttisch das Gesicht. „Ich komme mit.“
„Absetzung in Abwesenheit bedeutet Bürgerkrieg!“, entschied Lepidus, den Agrippina als Haupt der Verschwörung behandelte. „Ich wette, mit unserem Geld wirft er seine Truppen gegen Rom. Zu gern wäre Gajus Caesar einmal ein Caesarlein! Wenn wir ihn aber herlocken, wird nur sein Blut fließen.“
„Wenn er nicht noch so jung wäre!“, stöhnte Valerius Asiaticus. „Man sollte nur alte Männer als Herrscher zulassen. Die hat man nicht so lange am Hals.“
„Tiberius, so alt er war, hatten wir lange genug am Hals“, bemerkte Seneca.
„So oder so: Wir müssten dem Volk einen neuen Kaiser empfehlen“, gab Agrippina zu bedenken. „Und das schleunigst.“
„Ich würde meine Prätorianer schon überzeugen“, sagte Lepidus. Er rieb den Zeigefinger am Daumen. „Wen sie ausrufen, der ist es.“
„Du verteilst schon die Rollen“, sagte Livilla. „Du siehst am liebsten dich selbst als Imperator. Aber das gibt es nicht.“
Tigellinus pflichtete ihr bei.
„Der Erste“, entschied Agrippina, „hat ein Verwandter des Göttlichen Augustus zu sein. Einen Verwandten seines Feindes würde das Volk niemals anerkennen.“ Sie spielte auf jenen Lepidus an, der mit Octavianus Augustus und Marcus Antonius zeitweilig ein Triumvirat gebildet hatte.
Die Schatten eines Satyrs. Historischer Roman um Titus Petronius
Was weiß man denn wirklich von dem Dichter Titus Petronius Arbiter, der sich im Jahre 66 selbst die Adern öffnet, um damit einem Todesurteil durch Nero zuvorzukommen, dessen Erzieher und Berater in Fragen feinen Geschmacks er ist und damit zum Kreis der engsten Vertrauten Neros gehört - solange dieser nichts anderes für schön und genussreich ansah als das, was Petronius ihm empfohlen hatte.Viel ist es also nicht, was an Zeugnissen über sein Leben und Schreiben überliefert ist – geblieben sind lediglich eine Stelle bei Tacitus und ein paar Fragmente seiner „Satyrgeschichten. Reicht das aus für einen Roman über diesen antiken Schriftsteller?In einer Nachbemerkung, „Argumentum an den Leser“ genannt, deutet Volker Ebersbach, mit Bezug auf Tacitus sein künstlerisches Verfahren an: Wir wissen nicht, wie zuverlässig er selbst unterrichtet war, spüren aber, dass die moralisierenden Tugendlehren der Stoa seine Sicht einengen. Wer solche Berichte verwendet, darf sich …
Beschreibung
Was weiß man denn wirklich von dem Dichter Titus Petronius Arbiter, der sich im Jahre 66 selbst die Adern öffnet, um damit einem Todesurteil durch Nero zuvorzukommen, dessen Erzieher und Berater in Fragen feinen Geschmacks er ist und damit zum Kreis der engsten Vertrauten Neros gehört - solange dieser nichts anderes für schön und genussreich ansah als das, was Petronius ihm empfohlen hatte.
Viel ist es also nicht, was an Zeugnissen über sein Leben und Schreiben überliefert ist – geblieben sind lediglich eine Stelle bei Tacitus und ein paar Fragmente seiner „Satyrgeschichten. Reicht das aus für einen Roman über diesen antiken Schriftsteller?
In einer Nachbemerkung, „Argumentum an den Leser“ genannt, deutet Volker Ebersbach, mit Bezug auf Tacitus sein künstlerisches Verfahren an: Wir wissen nicht, wie zuverlässig er selbst unterrichtet war, spüren aber, dass die moralisierenden Tugendlehren der Stoa seine Sicht einengen. Wer solche Berichte verwendet, darf sich von ihrem eigentümlichen Reiz nicht beirren lassen. Wo der Gelehrte immer vorsichtiger wird und seinen Ertrag schwinden sieht, fühlt sich der Literat zum Erfinden aufgerufen. Der Verfasser dieses Romans gesteht, dass er die Biografie des Petronius, die das Gerüst bildet, erfunden hat. Dass sich sehr vieles, wenn nicht das meiste, ganz anders zutrug, ist nicht nur möglich, sondern sogar wahrscheinlich. Aber niemand wird es je erfahren. Das gab dem Erfinder freie Hand. Dem Leser, der sich jetzt betrogen fühlt, sei versichert: So frei, wie er denkt, ist die Erfindung nicht. Über die Personen, mit denen es Petronius zu tun gehabt haben muss, besonders über das julisch-claudische Kaiserhaus, ist weit mehr bekannt als über ihn selbst. Über die Welt, in der er sich bewegt hat, wissen wir nicht nur durch Tacitus, sondern auch durch Sueton und Cassius. Dio, durch Ausgrabungen und Inschriften, zeitgenössische literarische Werke und nicht zuletzt durch die „Satyrgeschichten“ selbst genug, um auch zwischen den Zeilen lesen zu können. So lassen sich die Herkunft des Petronius, die Schauplätze seines Lebens, sein Lebenswandel, seine Sinnesart und das Bild, das er von seiner eigenen Zeit hatte, mit einiger Wahrscheinlichkeit erschließen. Soweit Verbürgtes vorhanden ist, ließ sich die Erfindung immer davon leiten.
Bibliografische Angaben
| Erstveröffentlichung | 01.01.1986 |
|---|---|
| E-Book-Ausgabe | 21.12.2021 |
| Seiten | 570 |
| ISBN (EPUB) | 978-3-96521-586-3 |
| ISBN (PDF) | 978-3-96521-587-0 |
| ASIN (Kindle) | B09NV4CRKN |
| Verlag | EDITION digital |
| Sprache | deutsch |
Schlagwörter
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Stirb endlich, Gladiator!
Gajus Caesar reiste an den Rhein, um gegen die Germanen Krieg zu führen. Lange ließ er die Römer in Ruhe. Die Konsuln versuchten wieder zu regieren. Der Senat fasste Beschlüsse und erließ Gesetze. Die Gerichte tagten. Die Opferaltäre rauchten. Die Märkte wimmelten. An den Ersten erinnerten nur seine überlebensgroßen Standbilder. Traf eine Siegesmeldung ein, schüttelten Veteranen, von Söhnen und Enkeln ausgefragt, die Köpfe und schwiegen.
Wenn Titus Petronius sich später an die Zeit des Caligula erinnerte, waren ihm die grotesken Saturnalien des Grauens, die der Kaiser in seiner Hauptstadt gefeiert hatte, grell gegenwärtig. Die ruhigen Monate seiner Abwesenheit verschwammen in Nebel. Nur Agrippina, die ihm von Zeit zu Zeit zu spüren gab, dass sie ihn begehrte, ohne sich Erfüllung zu gönnen, behielt er in lichter Erinnerung.
Er war ein eifriger, kundiger und daher geschätzter Teilnehmer ihrer Abendunterhaltungen geworden, die sich um Kunst und Bildung bewegten, aber nicht selten Belange des Reiches streiften. Sie zog ihn ins Vertrauen und machte ihn zum Zeugen ihrer Heimlichkeiten mit Aemilius Lepidus. Das konnte bedeuten: Der ist dir im Weg, weil ich ihn wichtiger finde. Manchmal schien ihm aber auch, sie ersetzte sich die Erfüllung, indem sie sich daran weidete, dass er schmachtete. Als Ahenobarbus starb, hätte sie Lepidus, Drusillas Witwer, heiraten können. Sie dachte nicht daran. Der Schönling ging auch zu anderen Frauen, darunter Livilla.
Dass eine Verschwörung sich anbahnte, blieb Titus lange verborgen. Verdacht schöpfte er, als auch der Redner und Philosoph Annaeus Seneca in Agrippinas Kreis verkehrte. Seneca, ein blutvoller, zur Fülle neigender Mann aus Corduba in Hispanien, dessen Haar sich schon lichtete, obwohl er gerade in seine besten Jahre kam, sonnte sich noch im Gelehrtenruhm seines Vaters, des gesuchten Rhetorikers und Verfassers der „Kontroversen“, hatte aber auch selbst schon einige Prozesse gewonnen. Er kannte sich aus in den Gerichtshallen. Unter Tiberius war er Prätor geworden; unter Caligula verzichtete er darauf, sich um ein Amt zu bewerben. Sogar mit Klagen gegen die Staatskasse war er schon durchgekommen, wo sie Nachlässe beschlagnahmte, weil der Erblasser dem Kaiser nichts vermacht hatte. Zwar standen am Ende Kompromisse – die Erben erhielten ihren Teil, wenn sie die Säumigkeit des Verstorbenen durch eine großzügige Spende an den Fiskus wiedergutmachten –, aber die Raffgier der kaiserlichen Finanzbeamten stieß an Grenzen.
„Ich bin ein aufrechter Römer“, gab Seneca, geschmeichelt durch beifällige Begrüßung bei Agrippina bekannt. „Ich finde es löblich, wenn gewisse Gesetze einen Teil der großen Vermögen in die Staatskasse ableiten, und das, obwohl ich selbst nicht gerade arm zu nennen bin. Was der Staatskasse zufließt, könnte dem Wohl aller dienen, befände sie sich nicht in den Händen von Versagern.“
„Das Grundübel scheint mir“, bestätigte der Getreidepräfekt Valerius Asiaticus, „dass die Kasse des Kaisers noch immer nicht von der Staatskasse getrennt worden ist. Caligula kann mit unseren Geldern machen, was er will. Er ist ein Fass ohne Boden. Sonst hätte er nicht jene Versteigerung palatinischen Besitzes veranstaltet, bei der ein Geschäftsmann, als er einnickte, unversehens einen Trupp abgetakelter Gladiatoren erwarb! Er schickt uns Rechnungen über Schiffe, mit denen er nach Britannien übersetzen will. Wir haben aber Nachricht, dass er im Heerlager nur Besäufnisse feiert. Er schickt uns gefangene Germanen, aber die Germanen der Palastwache verstehen ihr Kauderwelsch nicht, und es stellt sich heraus, es sind Sklaven aus den verschiedensten Provinzen mit künstlich gebleichten Haaren!“
Der Gardepräfekt Aemilius Lepidus nickte. „Ich finde, Rom bewahrt Ruhe und Ordnung auch ohne den Ersten.“
So ging es an mehreren Abenden. Man wurde sich nur nicht einig, ob man Caligula, während er am Rhein lag, einfach absetzen oder auf seine Rückkehr warten sollte, um ihn zu ermorden.
Titus, anfangs geduldet, weil sich jeder seine Wut auf den Vormund ausmalte, erhielt bald Aufgaben als Meldegänger. Auch die Listen seines Sklaven Harpocrates wusste der Kreis zu schätzen. Agrippina versprach ihm: „Für deine Dienste sollst du, sobald das Ungeheuer gestürzt ist, dein ganzes Vermögen wiederbekommen.“ Sie vertraute ihm aber an, dass sie die Verschwörer noch hinhielt wie andere zuvor, weil sie ihnen nichts zutraute. „Auch sie sind Fässer ohne Boden! Sie sind verschuldet, das ist ihr ganzer Unmut. Bei der nächsten Gelegenheit lassen sie sich kaufen. Seneca ist die Ausnahme. Aber gerade er will lieber vermitteln als zuschlagen.“ Ein andermal verriet sie ihm, dass niemand anders als sie am Abend seines Bartfestes die Schergen nach der Durchsuchung seines Zimmers zu sich gerufen und ihnen, eigentlich auf Schlüpfriges aus, das „Lied von der entschwundenen Lockenpracht“ abgekauft hatte, um es unter die Leute zu bringen. „Leider“, beklagte sie sich, „ist das Volk feige und vergesslich und auch ein Fass ohne Boden.“
Livilla war gegen die Ermordung ihres Bruders. Sie warb dafür, ihn nur abzusetzen, und erklärte sich bereit, mit ihm in die Verbannung zu gehen. Tigellinus verzog spöttisch das Gesicht. „Ich komme mit.“
„Absetzung in Abwesenheit bedeutet Bürgerkrieg!“, entschied Lepidus, den Agrippina als Haupt der Verschwörung behandelte. „Ich wette, mit unserem Geld wirft er seine Truppen gegen Rom. Zu gern wäre Gajus Caesar einmal ein Caesarlein! Wenn wir ihn aber herlocken, wird nur sein Blut fließen.“
„Wenn er nicht noch so jung wäre!“, stöhnte Valerius Asiaticus. „Man sollte nur alte Männer als Herrscher zulassen. Die hat man nicht so lange am Hals.“
„Tiberius, so alt er war, hatten wir lange genug am Hals“, bemerkte Seneca.
„So oder so: Wir müssten dem Volk einen neuen Kaiser empfehlen“, gab Agrippina zu bedenken. „Und das schleunigst.“
„Ich würde meine Prätorianer schon überzeugen“, sagte Lepidus. Er rieb den Zeigefinger am Daumen. „Wen sie ausrufen, der ist es.“
„Du verteilst schon die Rollen“, sagte Livilla. „Du siehst am liebsten dich selbst als Imperator. Aber das gibt es nicht.“
Tigellinus pflichtete ihr bei.
„Der Erste“, entschied Agrippina, „hat ein Verwandter des Göttlichen Augustus zu sein. Einen Verwandten seines Feindes würde das Volk niemals anerkennen.“ Sie spielte auf jenen Lepidus an, der mit Octavianus Augustus und Marcus Antonius zeitweilig ein Triumvirat gebildet hatte.
Inhaltsverzeichnis
I. BUCH: VOR DEN SCHÄCHTEN DES ORKUS
Der Satyr erwacht
Vergil mit Abschweifungen
Tiberius Caesar
Nähe des Vaters
Domus Petroniana
Vergöttlichung eines Schattens
Ahnen
II. BUCH: ARKADIEN, GESCHÄNDET
Man bleibt verschont
Volturnum oder Ein Satyrspiel
Der Satyr wird entführt
Der Satyr wird aufgegriffen
III. BUCH: DIE GEHEIMNISSE VON CAPREAE
Verlust und Gewinn
Bücher und Freunde
Die Insel auf der Insel
Quaestiones potentiae oder Machtfragen
Villa Veneris
Umgang mit Wissen
Vergesslichkeit und ein Merksatz
IV. BUCH: MÜNDEL EINES SCHEUSALS
Der gefälschte Tod
Langeweile macht fett
Antium
Der Schlaf, das scheue Tier
Die Betten der Schwestern
Der Unglücksrabe
Stirb endlich, Gladiator!
V. BUCH: ROMA VON UNTEN
Dem Satyr steht die Welt offen
Grammatik der Armut
Rollentausch
Wer flieht, den jagt man
VI. BUCH: ULIXES IN LUMPEN
Das schwimmende Reich der Phaiaken
Die heilige Tunika
Das Gespenst des Untergangs
VII. BUCH: WIEDERGEBURT
Apollo ohne Waffen
Agrippina am Spinnrocken
Der Finger auf dem Mund
VIII. BUCH: IM STAUB DER AMTSSTUBEN
Cursus honorum oder Die Ämterleiter
An der Wiege des Erzählens
Narr eines Narren?
Lex Petronia
IX. BUCH: ELEGANTIAE ARBITER: SACHKUNDIGER FEINEN GESCHMACKS
Die ehrgeizige Muse
Zuständigkeiten
Kein unbeschriebenes Blatt
Jo Hymen, Hymenaeus!
Zu früh!
Puer Aureus: Der Goldjunge
X. BUCH: MASKEN
Locusta, die Heuschrecke
Maske des Freundes
Claudia Acte
Maske des Sängers
Unternehmen „Maske“
Juno wendet sich ab
Floralia: Venus geht
Masken des Tragöden: Oidipus, Orest
XI. BUCH: DIE ENGE DER EINSAMKEIT
Die verschlungenen Pfade der Musen
Besuch
Der Gehilfe des Apostels
Silia und die Langmut der Gestirne
XII. BUCH: DAS SCHICKSAL TRÄGT FRAUENKLEIDER
Anfragen und Botschaften
Ahnungslose Gäste
Leere Stätte
Epilog: Ein Nachlass im Exil
ANHANG
Argumentum an den Leser
Geschichtlicher Überblick
Bemerkungen zu den Zitaten
Personenverzeichnis
Volker Ebersbach
Weitere Bücher von Volker Ebersbach
Caroline. Historischer Roman
Die letzte Fahrt der Württemberg. Erzählungen, Erinnerungen
Und als ein Fremdling geblieben. Erzählungen. Nachrichten
Köstliche Perlen finden sich reichlich. Ein Kügelgen-Brevier
Nietzsche in Turin. Erzählung
Heinrich Mann – Leben, Werk, WirkenÄhnliche Bücher
Schau auf die Erde – Der Flug des Falken. Zweites Buch: Abschied von den Träumen
Das Verhängnis oder Die Liebe des Paul Fleming.
Schwerwiegendes, Gewichtiges, Unwichtiges, Ernst und Spaß, für jeden was
Flammen oder Das Wort der Frau. Erzählung
Rebellisches Wissen. Diderots Kampf um die Große Französische Enzyklopädie
Heiße Ware unterm Lilienbanner