
Nebenbuhler
Nebenbuhler sind Männer, die nebeneinander um die Gunst einer einzigen Dame buhlen. Für diese wird die Gunst, sofern sie keinen ihrer Günstlinge benachteiligen will, zu einer Kunst. Im sächsischen Raum wurde ein Ereignis bekannt, in dem die Nebenbuhler nicht nebeneinander, sondern hintereinander buhlten, was bei ihnen zum Verhängnis führte.
Sie war beim Kleidbügeln, als es klingelte. Es war der erste Nebenbuhler. „Lass mich erschd emal mei Kleed ze Ende biecheln“, bat sie.
Er setzte sich – schon halbnackt – und wartete ungeduldig. Es klingelte erneut.
„Um Goddswilln, das is mei Mann“, flüsterte sie.
Er sprang erschrocken ins Schlafzimmer und kroch unter die Bettdecke.
Aber es war der zweite Nebenbuhler.
„Lass mich erschd emal mei Kleed ze Ende biecheln“, bat sie.
Auch er wartete ungeduldig. Wiederum klingelte es.
„Um Goddswilln, das is abr mei Mann“, zischelte sie.
Er floh ebenfalls ins Schlafzimmer, und sie raunte ihm vorsorglich nach: „In de Kommode.“
Es war ihr Mann. Er setzte sich und sah ihr beim Kleidbügeln zu. Da gewahrte er durch die geöffnete Schlafzimmertür den unter der Bettdecke herausragenden nackten Hintern des ersten Nebenbuhlers. Zornschnaubend riss er seiner Frau das heiße Bügeleisen aus der Hand, rannte hinüber und drückte es auf dessen Allerwertesten.
„Hilfe, Feuer!“, schrie der Gebrandmarkte.
Da ertönte es im hysterischsten Sächsisch dumpf: „Die Kommode zeerschd nausschaffn!“
Neuheiten
Dafür sind alle Sachsen zu haben. Es besteht sogar der Verdacht, dass sie die 1989er Novemberrevolution in der DDR nur deshalb durchführten, weil sie das Alte über hatten und nur einmal etwas Neues ausprobieren wollten. Nun sammeln sie die Erfahrung, dass jenes Neue gar nicht so neu ist. Was aber unverdrossen bei ihnen bleibt, ist der Drang, immer wieder Neues zu wagen.
Die Tochter hat geheiratet und befindet sich auf der Hochzeitsreise. Jeden Tag telefoniert die besorgte Mutter ins ferne Strandhotel und will wissen, wie denn der junge Schwiegersohn ist.
„Einzischardisch!“, ruft die Tochter am anderen Ende begeistert. „Scheden Daach bringdr mir Eisschoggolade ans Bedde.“
„Nu. un so?“, bohrt die Mutter.
„Wasdn un so?“
„Nu, du weeßd schonn – ich meene bein Säggs.“
„Ach so. Sähr leidenschafdlisch! Gäsdern Ahmd isser ohm vom Schrank runner deregt ze mir ins Bedde geschbrung.“
Einen Tag später telefoniert die Mutter erneut und schreit entsetzt: „Kommd soford heem. Dr Babba had sich alle beede Beene gebrochn!“
DADRIEBER LACHN MIR SAGGSN. Ein humorvolles „Widse“-Alphabet für alle, die eine Weltsprache nicht erlernen, sondern erlachen wollen
Wie spricht ein Sachse? Sächsische natürlich. Und das aus einem einzigen Grund - weil er es gar nicht anders kann. So jedenfalls steht es in dem Vorwort zu diesem ungewöhnlichen Lehrbuch für eine Weltsprache, die offenbar im Kommen ist. Apropos Weltsprache:Alle Weltsprachen sind nicht zu unterdrücken, und so rückt die Zeit immer näher, da einer, wenn er es in Deutschland zu etwas bringen will, ein „Sächsisch-Deutsches Wörterbuch“ in der Tasche tragen muss. Die Sachsen sind auf dem Vormarsch!Schon zu DDR-Zeiten gelangten sie erfolgreich während ihres Feldzuges gen Norden bis zum Politbüro-Berlin. Ein Interview im Berliner Rundfunk mit dem Vorsitzenden irgendeines Berliner Wohnbezirkes unter dem Thema „Schöner unsere Wohnbezirke – mach mit!“ hätte sich möglicherweise so angehört: „Herr Jungmichel, Sie sind Hauptinitiator der Mach-mit-Bewegung ,Grüner geht’s nicht‘. Vielleicht können Sie als Berlina unseren Hörern erklären, wie det jekommen ist.“„Also, mir im Bezirg Bango ham uns gesachd, …
Beschreibung
Wie spricht ein Sachse? Sächsische natürlich. Und das aus einem einzigen Grund - weil er es gar nicht anders kann. So jedenfalls steht es in dem Vorwort zu diesem ungewöhnlichen Lehrbuch für eine Weltsprache, die offenbar im Kommen ist. Apropos Weltsprache:
Alle Weltsprachen sind nicht zu unterdrücken, und so rückt die Zeit immer näher, da einer, wenn er es in Deutschland zu etwas bringen will, ein „Sächsisch-Deutsches Wörterbuch“ in der Tasche tragen muss. Die Sachsen sind auf dem Vormarsch!
Schon zu DDR-Zeiten gelangten sie erfolgreich während ihres Feldzuges gen Norden bis zum Politbüro-Berlin. Ein Interview im Berliner Rundfunk mit dem Vorsitzenden irgendeines Berliner Wohnbezirkes unter dem Thema „Schöner unsere Wohnbezirke – mach mit!“ hätte sich möglicherweise so angehört: „Herr Jungmichel, Sie sind Hauptinitiator der Mach-mit-Bewegung ,Grüner geht’s nicht‘. Vielleicht können Sie als Berlina unseren Hörern erklären, wie det jekommen ist.“
„Also, mir im Bezirg Bango ham uns gesachd, swärd nich so lange rumgemährd – e Boom, noch e Boom un immer noch e Boom, un schon hammer en kleen Wald un brauchen nich mehr so weid in de Bilze ze latschen.“
Alles verstanden?
Wenn nicht, dann können Sie ja noch etwas üben:
Leipzig heißt in der sächsischen Weltsprache Leibzsch. Sprechen Sie es bitte langsam und laut nach: „LEIBZSCH“ Wiederholen Sie es unentwegt. Genieren Sie sich nicht, es in der U-Bahn, im Wartezimmer des Zahnarztes, mit oder ohne Zahnprothese oder während einer atemlosen Stille im Theater auszusprechen. Wenn es Ihnen endlich vollendet gelungen ist, dann können Sie ohne Gefahr in diesem Büchlein zu lesen beginnen.
Die folgenden Belege sind von A wie Ausgleichende Gerechtigkeit bis Z wie Zoo sortiert. Hier ein Beispiel:
Verkaufsfreude
Zur verkaufsarmen DDR-Zeit waren die Verkäuferinnen, wenn sie überhaupt erfreut waren, besonders erfreut, wenn sich Kunden in ihre einsamen Abteilungen wagten und zaghaft ihre Wünsche äußerten.
In ein HO-Warenhaus kam einst von weither eine mit einem Trabi rundsuchende Familie und traf auf eine herumstehende gefällige Verkäuferin, welche schnell und präzise die Wünsche der Käufer beantwortete.
„Een Hammr? Hammr nich!“
„Globabier? Is nich!“
Die Familie wandert ab. Dreihundert Meter entfernt vom Kaufhaus, kurz vor dem Einstieg in den Trabi, kommt die Verkäuferin mit hochrotem Kopf angekeucht. „Wollnse vielleichd Dembodaschendiescher?“
Erfreuter Aufschrei der Familie.
„Dembodaschendiescher, die gibds bei uns in dr driddn Edasche nich.“
Bibliografische Angaben
| Erstveröffentlichung | 01.01.1993 |
|---|---|
| E-Book-Ausgabe | 07.11.2022 |
| Seiten | 67 |
| ISBN (EPUB) | 978-3-96521-784-3 |
| ISBN (PDF) | 978-3-96521-785-0 |
| ASIN (Kindle) | B0BGYS9SVY |
| Verlag | EDITION digital |
| Sprache | deutsch |
Schlagwörter
HumorHeiterkeitlachenKurzgeschichtenSatireSachsenDialektMundartWitzeSächsischDDROstdeutschlandLeipzigTrabiHO-WarenhausAnekdotenAlphabetisches WörterbuchRegionalhumorLeseprobe
Nebenbuhler
Nebenbuhler sind Männer, die nebeneinander um die Gunst einer einzigen Dame buhlen. Für diese wird die Gunst, sofern sie keinen ihrer Günstlinge benachteiligen will, zu einer Kunst. Im sächsischen Raum wurde ein Ereignis bekannt, in dem die Nebenbuhler nicht nebeneinander, sondern hintereinander buhlten, was bei ihnen zum Verhängnis führte.
Sie war beim Kleidbügeln, als es klingelte. Es war der erste Nebenbuhler. „Lass mich erschd emal mei Kleed ze Ende biecheln“, bat sie.
Er setzte sich – schon halbnackt – und wartete ungeduldig. Es klingelte erneut.
„Um Goddswilln, das is mei Mann“, flüsterte sie.
Er sprang erschrocken ins Schlafzimmer und kroch unter die Bettdecke.
Aber es war der zweite Nebenbuhler.
„Lass mich erschd emal mei Kleed ze Ende biecheln“, bat sie.
Auch er wartete ungeduldig. Wiederum klingelte es.
„Um Goddswilln, das is abr mei Mann“, zischelte sie.
Er floh ebenfalls ins Schlafzimmer, und sie raunte ihm vorsorglich nach: „In de Kommode.“
Es war ihr Mann. Er setzte sich und sah ihr beim Kleidbügeln zu. Da gewahrte er durch die geöffnete Schlafzimmertür den unter der Bettdecke herausragenden nackten Hintern des ersten Nebenbuhlers. Zornschnaubend riss er seiner Frau das heiße Bügeleisen aus der Hand, rannte hinüber und drückte es auf dessen Allerwertesten.
„Hilfe, Feuer!“, schrie der Gebrandmarkte.
Da ertönte es im hysterischsten Sächsisch dumpf: „Die Kommode zeerschd nausschaffn!“
Neuheiten
Dafür sind alle Sachsen zu haben. Es besteht sogar der Verdacht, dass sie die 1989er Novemberrevolution in der DDR nur deshalb durchführten, weil sie das Alte über hatten und nur einmal etwas Neues ausprobieren wollten. Nun sammeln sie die Erfahrung, dass jenes Neue gar nicht so neu ist. Was aber unverdrossen bei ihnen bleibt, ist der Drang, immer wieder Neues zu wagen.
Die Tochter hat geheiratet und befindet sich auf der Hochzeitsreise. Jeden Tag telefoniert die besorgte Mutter ins ferne Strandhotel und will wissen, wie denn der junge Schwiegersohn ist.
„Einzischardisch!“, ruft die Tochter am anderen Ende begeistert. „Scheden Daach bringdr mir Eisschoggolade ans Bedde.“
„Nu. un so?“, bohrt die Mutter.
„Wasdn un so?“
„Nu, du weeßd schonn – ich meene bein Säggs.“
„Ach so. Sähr leidenschafdlisch! Gäsdern Ahmd isser ohm vom Schrank runner deregt ze mir ins Bedde geschbrung.“
Einen Tag später telefoniert die Mutter erneut und schreit entsetzt: „Kommd soford heem. Dr Babba had sich alle beede Beene gebrochn!“
Inhaltsverzeichnis
Zum Geleit
Ausgleichende Gerechtigkeit
Aussprache
Beredsamkeit
Betulichkeit
Courage
dagegen und dafür
Distanz
Entdecker
Euphorie
Fleiß
Friedfertigkeit
Geede
Heimatdichtung
Helle
imposant
Intelligenz
Jagdleidenschaft
jammern
Kamele
Kneipen
kümmern
Liebe
Logik
Mittellosigkeit
Moral
Nebenbuhler
Neuheiten
Ordnungssinn
Orthographie
Papa
Persönlichkeiten
Qualitäten
Quiz
Rechenkünstler
Reiselust
Schicksalsschläge
Schilder
Selbstsicherheit
Sensationen
Standhaftigkeit
Temperament
Treue
Ulbricht, Walter
Unfrieden
Untreue
Verkaufsfreude
weiterleben
Zoo
Wolfgang Eckert
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Heimat, deine Sterne. Leben und Sterben des Erich Knauf
Sachsen - heiter betrachtet. Der fröhliche Reiseführer für alle, die Nachfahren des starken August an Elbe, Pleiße und Mulde sowie die „säggssche Gemiedlichkeed“ aufspüren wollen
Pardon, sagen wir du? Heitere Erzählungen
Plötzlich lachte Dr. Bunsen. Zehn Geschichten und ein Nachwort
Leute sind andere Menschen. Eingemischtes
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