
Plötzlich sah Vasek die beiden Männer, die über eine tief verschneite Waldwiese liefen. Sie trugen Zivil.
„Partisanen“, keuchte Kottenhahn erregt. „Es ist besser, wenn wir nachts laufen Und am Tage schlafen.“
Vasek hoffte, dass es Partisanen waren. Wenn sie uns gesehen haben, dachte er, werden sie eine Abteilung alarmieren, die uns an irgendeiner Stelle des Weges stellen wird.
So plötzlich, wie die Männer aufgetaucht waren, die man nur als kleine dunkle Punkte wahrnehmen konnte, waren sie wieder verschwunden. Es sah aus, als hätte sie das Krummholz des anderen Bergkamms verschluckt.
Vasek spürte einen Stoß im Rücken und blickte in die kalten blauen Augen Kottenhahns. „Wir werden nur noch nachts marschieren und am Tag in den Bunkern schlafen. Teile den Weg so ein.“
„Das wird nicht gehen“, antwortete Vasek erschrocken,
„Es wird“, knurrte Kottenhahn, und Vasek blickte in den Lauf einer Maschinenpistole. Wenn er mich erschießt, dachte Vasek, kann ich die Partisanen nicht warnen, die in dem Erdbunker sind, in dem die Ärztin arbeitet. Ich muss diese Männer töten, ehe sie mich töten.
„Denke nicht, dass du uns entkommst, oder dass du sie warnen kannst“, hörte er Kottenhahn sagen, der die Worte zwischen den Zähnen hervorstieß wie Geschosse.
„Und vergiss nicht: Wenn wir nicht zurückkommen, trifft es dein Kind und deine Frau. Ein KZ überleben sie nicht in ihrem Zustand.“
„Ja“, sagte Vasek leise. Er blickte in die kalten Augen Kottenhahns, wusste, dass er diese Männer nie zu der Ärztin führen würde. Und die letzte Möglichkeit, die ihm bleiben würde, wenn er sie nicht selbst töten konnte, musste sein Schrei sein, der, wenn ihn kein Sturm verschluckte, weit, unendlich weit zu hören sein würde.
Und wieder dachte Vasek an die zwei Männer, deren Spuren die Flocken, die langsam dichter und dichter fielen, bedecken und auslöschen würden.
Vasek lief wie in Trance weiter. Als die Gruppe den schützenden Bunker erreicht hatte, er war sehr klein, und sie mussten eng aneinandergepresst liegen, er neben Kottenhahn, glitt sein Leben an ihm vorbei auf eine Weise, wie es Ertrinkenden geschehen sollte. Aber wer wusste das? Keiner war je zurückgekehrt.
Die Nacht der Schnee-Eule
November 1944 in der Slowakei. Zwei sowjetische Kriegsgefangene, denen die Flucht aus dem Werk gelungen ist, wollen zu den Partisanen, die gegen die Faschisten kämpfen. Schwer ist der Weg für Tschangow und Tischin. Aber sie müssen zu den Partisanen. Und vielleicht treffen sie dort auch auf die sowjetische Ärztin Vera, Tschangows Frau …Und dann stoßen Tschangow und Tischin auf Männer in sowjetischen Uniformen, insgesamt zwölf Leute. Endlich Partisanen! Aber sind es auch wirklich sowjetische Soldaten? Das spannende Buch erschien erstmals 1986 als Heft 298 der Erzählerreihe des Militärverlages der DDR.
Beschreibung
November 1944 in der Slowakei. Zwei sowjetische Kriegsgefangene, denen die Flucht aus dem Werk gelungen ist, wollen zu den Partisanen, die gegen die Faschisten kämpfen. Schwer ist der Weg für Tschangow und Tischin. Aber sie müssen zu den Partisanen. Und vielleicht treffen sie dort auch auf die sowjetische Ärztin Vera, Tschangows Frau …
Und dann stoßen Tschangow und Tischin auf Männer in sowjetischen Uniformen, insgesamt zwölf Leute. Endlich Partisanen! Aber sind es auch wirklich sowjetische Soldaten?
Das spannende Buch erschien erstmals 1986 als Heft 298 der Erzählerreihe des Militärverlages der DDR.
Bibliografische Angaben
| Erstveröffentlichung | 01.01.1986 |
|---|---|
| E-Book-Ausgabe | 10.05.2014 |
| Seiten | 70 |
| ISBN (EPUB) | 978-3-86394-482-7 |
| ISBN (PDF) | 978-3-86394-659-3 |
| ASIN (Kindle) | B00WWUC36A |
| Verlag | EDITION digital |
| Sprache | deutsch |
Schlagwörter
2. WeltkriegPartisanenSlowakeiSSKZFluchtVerräterZweiter WeltkriegNiedere TatraSowjetische SoldatenKriegsgefangeneWinterTschangowTischinVeraVasekKottenhahnFaschismusGefechteLeseprobe
Plötzlich sah Vasek die beiden Männer, die über eine tief verschneite Waldwiese liefen. Sie trugen Zivil.
„Partisanen“, keuchte Kottenhahn erregt. „Es ist besser, wenn wir nachts laufen Und am Tage schlafen.“
Vasek hoffte, dass es Partisanen waren. Wenn sie uns gesehen haben, dachte er, werden sie eine Abteilung alarmieren, die uns an irgendeiner Stelle des Weges stellen wird.
So plötzlich, wie die Männer aufgetaucht waren, die man nur als kleine dunkle Punkte wahrnehmen konnte, waren sie wieder verschwunden. Es sah aus, als hätte sie das Krummholz des anderen Bergkamms verschluckt.
Vasek spürte einen Stoß im Rücken und blickte in die kalten blauen Augen Kottenhahns. „Wir werden nur noch nachts marschieren und am Tag in den Bunkern schlafen. Teile den Weg so ein.“
„Das wird nicht gehen“, antwortete Vasek erschrocken,
„Es wird“, knurrte Kottenhahn, und Vasek blickte in den Lauf einer Maschinenpistole. Wenn er mich erschießt, dachte Vasek, kann ich die Partisanen nicht warnen, die in dem Erdbunker sind, in dem die Ärztin arbeitet. Ich muss diese Männer töten, ehe sie mich töten.
„Denke nicht, dass du uns entkommst, oder dass du sie warnen kannst“, hörte er Kottenhahn sagen, der die Worte zwischen den Zähnen hervorstieß wie Geschosse.
„Und vergiss nicht: Wenn wir nicht zurückkommen, trifft es dein Kind und deine Frau. Ein KZ überleben sie nicht in ihrem Zustand.“
„Ja“, sagte Vasek leise. Er blickte in die kalten Augen Kottenhahns, wusste, dass er diese Männer nie zu der Ärztin führen würde. Und die letzte Möglichkeit, die ihm bleiben würde, wenn er sie nicht selbst töten konnte, musste sein Schrei sein, der, wenn ihn kein Sturm verschluckte, weit, unendlich weit zu hören sein würde.
Und wieder dachte Vasek an die zwei Männer, deren Spuren die Flocken, die langsam dichter und dichter fielen, bedecken und auslöschen würden.
Vasek lief wie in Trance weiter. Als die Gruppe den schützenden Bunker erreicht hatte, er war sehr klein, und sie mussten eng aneinandergepresst liegen, er neben Kottenhahn, glitt sein Leben an ihm vorbei auf eine Weise, wie es Ertrinkenden geschehen sollte. Aber wer wusste das? Keiner war je zurückgekehrt.
Jan Flieger
Weitere Bücher von Jan Flieger
Der Tod kam in der Mittsommernacht
Der vertauschte Mittelstürmer - Elf Kicker im Fußballfieber
Mutgeschichten
Der Kommissar in der Regentonne. Ein Fall für die Superspürnasen und andere Detektivgeschichten
Die Ruine der Raben
Flucht über die Anden




