
Die Sonne brennt immer noch herunter. Da hört sie ein Geräusch, das zu einem Dröhnen wird. Sie arbeitet sich dem Rand zu, verharrt, schließt die Augen. Das Dröhnen schwillt an, droht sie zu verschlingen. Ein Beben setzt ein. Sie öffnet die Augen. Über sich sieht sie ein großes Maul. Es schwebt zu ihr herunter, greift Schotter, hebt sich wieder, schwenkt ab. Verzweifelt versucht sie sich herauszuarbeiten, aber da kommt es schon zurück. Senken, greifen, schweben, drehen. Kein Entkommen. Sie wird von herunterrieselndem Kies getroffen. Noch einmal versucht sie, zu entkommen, erreicht den Rand, schreit, reißt die Arme hoch, bevor sie wieder heruntergerissen wird. Diese Sonnenfarben, Wietha, fürchte dich nicht. Sie lächelt dem Regenfisch entgegen. Sie spürt keinen Schlag, keinen Schmerz. Männergesichter, Hände, Arme. Sie kann sehen und hören und fühlen und schmecken. Ein Mann hält einen anderen zurück, der wütend auf sie loswill, das sieht sie. "Wenn sie lebensmüde ist, soll sie sich einen Strick nehmen", das hört sie. Sie wird in eine Fahrerkabine geschoben, und sie weiß, was folgt. Mutter wird sie wieder einmal vom Revier abholen müssen. Sie wird sich für die Tochter entschuldigen. Aber diesmal irrt sich Wietha. Es ist Axel, der sie abholt, und zwar vom Betriebsarzt. Er spricht auf dem langen Weg nach Hause nicht mit ihr. Er wird sie bestrafen. Sie soll selbst sagen, wie. Sie reicht ihm den Lederriemen. Ja, sie ist undankbar. Er verlangt, sie soll das zugeben, und schlägt sie. Nach wenigen Schlägen wirft er sie auf die Liege und reißt ihr die Sachen vom Leib. Es geht bei ihm schnell vorbei, wie immer, wenn er sie vorher schlägt.
Neuzugang.
Jutta Timmendorf kommt nach dem Examen als Erzieherin in einen Jugendwerkhof. Sie freut sich auf ihre Aufgabe, endlich mit Jugendlichen zu arbeiten, die in ihrem bisherigen Leben im Abseits standen. Sie will ihnen helfen, wieder Fuß zu fassen. Das bedeutet, ihr Vertrauen zu gewinnen. Von den Kollegen möchte sie anerkannt werden und von der Heimleitung geachtet. Das funktioniert nicht.Wie alle Absolventen muss sie erst lernen, eigene Akzente zu setzen. Sie begegnet der Jugendlichen Wietha, die gegen ihren Willen in den Jugendwerkhof eingewiesen wird. In ihrer Akte steht, das Mädchen hat sich wochenlang herumgetrieben, die Schule gebummelt und ist sexuell verwahrlost. Wietha wünscht sich nur eins. Raus aus den Zwängen der Heimerziehung. Auch Jutta Timmendorf wird reglementiert. Sie beginnt, um sich und um Wietha zu kämpfen. Das Buch erschien erstmals 1985 beim Verlag Neues Leben, Berlin.
Beschreibung
Jutta Timmendorf kommt nach dem Examen als Erzieherin in einen Jugendwerkhof. Sie freut sich auf ihre Aufgabe, endlich mit Jugendlichen zu arbeiten, die in ihrem bisherigen Leben im Abseits standen. Sie will ihnen helfen, wieder Fuß zu fassen. Das bedeutet, ihr Vertrauen zu gewinnen.
Von den Kollegen möchte sie anerkannt werden und von der Heimleitung geachtet. Das funktioniert nicht.
Wie alle Absolventen muss sie erst lernen, eigene Akzente zu setzen. Sie begegnet der Jugendlichen Wietha, die gegen ihren Willen in den Jugendwerkhof eingewiesen wird. In ihrer Akte steht, das Mädchen hat sich wochenlang herumgetrieben, die Schule gebummelt und ist sexuell verwahrlost. Wietha wünscht sich nur eins. Raus aus den Zwängen der Heimerziehung. Auch Jutta Timmendorf wird reglementiert. Sie beginnt, um sich und um Wietha zu kämpfen.
Das Buch erschien erstmals 1985 beim Verlag Neues Leben, Berlin.
Bibliografische Angaben
| Erstveröffentlichung | 01.01.1985 |
|---|---|
| E-Book-Ausgabe | 04.03.2012 |
| Seiten | 228 |
| ISBN (EPUB) | 978-3-86394-379-0 |
| ISBN (PDF) | 978-3-86394-423-0 |
| ASIN (Kindle) | B00WYDOOFI |
| Verlag | EDITION digital |
| Sprache | deutsch |
Schlagwörter
JugendkriminalitätJugendwerkhofDDRKindesvernachlässigungKinderheimErzieherinHeimerziehungWiethasexuelle VerwahrlosungMisshandlungNeues Leben 1985soziale ArbeitKonflikt mit HeimleitungJutta TimmendorfInstitutionelle GewaltFrauen im BerufLeseprobe
Die Sonne brennt immer noch herunter. Da hört sie ein Geräusch, das zu einem Dröhnen wird. Sie arbeitet sich dem Rand zu, verharrt, schließt die Augen. Das Dröhnen schwillt an, droht sie zu verschlingen. Ein Beben setzt ein. Sie öffnet die Augen. Über sich sieht sie ein großes Maul. Es schwebt zu ihr herunter, greift Schotter, hebt sich wieder, schwenkt ab. Verzweifelt versucht sie sich herauszuarbeiten, aber da kommt es schon zurück. Senken, greifen, schweben, drehen. Kein Entkommen. Sie wird von herunterrieselndem Kies getroffen. Noch einmal versucht sie, zu entkommen, erreicht den Rand, schreit, reißt die Arme hoch, bevor sie wieder heruntergerissen wird. Diese Sonnenfarben, Wietha, fürchte dich nicht. Sie lächelt dem Regenfisch entgegen. Sie spürt keinen Schlag, keinen Schmerz. Männergesichter, Hände, Arme. Sie kann sehen und hören und fühlen und schmecken. Ein Mann hält einen anderen zurück, der wütend auf sie loswill, das sieht sie. "Wenn sie lebensmüde ist, soll sie sich einen Strick nehmen", das hört sie. Sie wird in eine Fahrerkabine geschoben, und sie weiß, was folgt. Mutter wird sie wieder einmal vom Revier abholen müssen. Sie wird sich für die Tochter entschuldigen. Aber diesmal irrt sich Wietha. Es ist Axel, der sie abholt, und zwar vom Betriebsarzt. Er spricht auf dem langen Weg nach Hause nicht mit ihr. Er wird sie bestrafen. Sie soll selbst sagen, wie. Sie reicht ihm den Lederriemen. Ja, sie ist undankbar. Er verlangt, sie soll das zugeben, und schlägt sie. Nach wenigen Schlägen wirft er sie auf die Liege und reißt ihr die Sachen vom Leib. Es geht bei ihm schnell vorbei, wie immer, wenn er sie vorher schlägt.









