
”Sie hätten nicht zu Landowski gehen sollen, Teuerste. Dieser polnische Galan hat bei mir danach angerufen, um sich für seine Belästigung auf dem Rastplatz zu entschuldigen und von der Police erzählt. Sie sind eine akute Gefahr für uns, Allerwerteste. Und ich werde jetzt ...”
Bienen-Karli schimpfte in diesem Augenblick wie ein Rohrspatz über die schlechten Sitten im Funkverkehr und forderte ultimativ jenen Schweiger auf, sich an die Regeln zu halten oder das CB zu verlassen.
”Schalten Sie sofort dieses Gerät ab!” Liane Loreni unterstrich ihren Befehl mit einer MAKAROW in der Hand. Sie sagte, diese sei ein Zwilling zu der Waffe, die Campnagels Fingerabdrücke trug. Sogenannte Duellpistolen - preiswert auf einem Russenmarkt in Polen gekauft. Von einem russischen Ex-Offizier. ”Tut mir leid, meine Liebe. Wie der Philosoph einst sinngemäß gesagt hat: Sie stören meine Kreise. Und wie es wohl diesem Weisen auch geschah ...”
Mildred Sox sah in die Mündung der Armeepistole. Ihre Knie wurden weich. Irgendetwas musste sie tun. Aber was? Taktik tat not. Und die hieß: Reden, reden und nochmals reden: ”Wie haben Sie es nur angestellt, Frau Loreni, dass ihr Mann alles stehen und liegen ließ, um eiligst nach Hause zu fahren?”
Das Folgende brachte Zeitgewinn, war aber beim Mitansehen und Mitanhören mehr als peinlich. Die Loreni führte vor, wie sie nach dem ersten Klingelzeichen per Raumüberwachung dem Professor eine Liebesszene zwischen Schnittomeit und ihr bühnenreif zu Gehör brachte. Schnittomeits Stimme wurde von der Schauspielerin täuschend echt imitiert. Die Loreni schloss:
”Als der Alte dann angehetzt kam, hat Schnittomeit ihn erschossen. Schließlich ging es um Alles oder Nichts! Der Alte wollte alle Verträge für die TV-Serie rückgängig machen! Mein Leben als Protagonistin wäre zerstört gewesen! Niemals und niemandem lasse ich das durchgehen!”
Mildred Sox begriff, dass die Frau zumindest in diesem Moment etwas daneben war: ”Aber wenn Sie jetzt schießen, Frau Loreni, dann fällt der Verdacht auf Ihren Geliebten. Schnittomeit hat mich hierher bestellt. Das ist noch auf meinem Anrufbeantworter drauf!”
Detektei Rote Socke. Stories aus der Klemm & Klau GmbH Ost
"Mein Name ist Mildred Sox, Diplom-Kriminalistin. Ich bin diejenige, die aufgrund besonderer Lebensumstände (mein Ex-Lebenskamerad war IM und hatte mich als Quelle gegen meine Genossen in der MUK missbraucht) aus dem Polizeidienst gefeuert wurde und demzufolge geradezu als Überlebensstrategie eine Privatdetektei in Potsdam gründen musste ...Niemand hatte mir in der Wiege gesungen, dass ich als illegitime Tochter einer blaublütigen Amalia von Hohenheim und dem in Deutschland stationierten GI James Fenimore Sox, später bei Nacht und Nebel in die USA verschwunden und seinerzeit millionenschwerer Eigentümer des Baseball-Teams Boston Red Sox, als diplomierte Kriminalistin in der DDR (Abschluss an der Humboldt Universität Berlin) Karriere machen sollte. Die übrigen fünfzehn Geschichten in "JANUSGESICHTER" beschreiben in der Regel Fälle aus dem deutschen Osten wie sie mir entweder in der eigenen MUK, von früheren Genossen anderer Mord-Untersuchungs-Kommissionen oder von späteren Kollegen in verschiedenen Sokos bekannt wurden. Zumeist handelt es sich …
Beschreibung
"Mein Name ist Mildred Sox, Diplom-Kriminalistin. Ich bin diejenige, die aufgrund besonderer Lebensumstände (mein Ex-Lebenskamerad war IM und hatte mich als Quelle gegen meine Genossen in der MUK missbraucht) aus dem Polizeidienst gefeuert wurde und demzufolge geradezu als Überlebensstrategie eine Privatdetektei in Potsdam gründen musste ...
Niemand hatte mir in der Wiege gesungen, dass ich als illegitime Tochter einer blaublütigen Amalia von Hohenheim und dem in Deutschland stationierten GI James Fenimore Sox, später bei Nacht und Nebel in die USA verschwunden und seinerzeit millionenschwerer Eigentümer des Baseball-Teams Boston Red Sox, als diplomierte Kriminalistin in der DDR (Abschluss an der Humboldt Universität Berlin) Karriere machen sollte. Die übrigen fünfzehn Geschichten in "JANUSGESICHTER" beschreiben in der Regel Fälle aus dem deutschen Osten wie sie mir entweder in der eigenen MUK, von früheren Genossen anderer Mord-Untersuchungs-Kommissionen oder von späteren Kollegen in verschiedenen Sokos bekannt wurden. Zumeist handelt es sich um eine Kriminalität, wie sie vor 1990 im Osten nicht vorhanden war.
Ich war sichtlich irritiert, als die Frau meines Ex-Geliebten KHK Edwin Roeder um Beistand für ihren Schwiegersohn bat. Kay Denkert besitzt eine Anlage-Firma. Unbekannte haben den Mittdreißiger überfallen, zwei Tage später wird er Opfer eines Mordanschlages. Rechtsmediziner können zwar den komplizierten Tatvorgang klären, Hinweise zum Täter haben auch sie nicht. Ich ermittelte also gegen einen Gläubiger, befragte alle drei Geschäftspartner des Denkert. Ich werde mehrmals bedroht, weil ich nichtsdestoweniger diesen kniffligen Fall weiter verfolge. Eine heiße Spur führt in die USA und ich muss klären, was die angebliche Lebensmittelvergiftung eines aidskranken ehemaligen Sheriffs in Lyme mit Denkerts Firma zu tun hat. Schließlich gelingt es mir, bereits geplante Morde zu verhindern bzw. dass ein millionenschwerer Coup auffliegt. Bleibt aber dennoch die Frage – wer hat Kay Denkert ermordet? Des Rätsels überraschende Lösung findet sich buchstäblich erst ganz am Ende ...
Die vorliegende Story vom Rentner Fyerabend ist kein Kriminalfall im eigentlichen Sinne. Zugegeben – ich konnte diesen Fall nicht aus eigener Kraft beenden. Aber es handelte sich auch um eine Ausnahmesituation, die ich keinem Kollegen wünsche. Der Täter war auf einen Rollstuhl angewiesen, schwer bewaffnet und führte einen abgerichteten Schäferhund mit sich. Auf engstem Raum trafen der ehemalige ‘Küchenbulle’ (65), der aus Hamburg ‘geliehene’ Dr. Kruse (45) und eine etwas naive ’Sekretärin’ des Amtsleiters aufeinander. Letztere spielte ich ganz intuitiv, weil ich mir dadurch bessere Chancen für die Überwältigung des Erpressers erhoffte. Trotz des Ernstes einer Geiselnahme mit SEK u. a. Begleiterscheinungen, blieben komische Momente nicht ausgespart - der Schluss hielt auch für mich eine überraschende Wendung bereit.“
Bibliografische Angaben
| Erstveröffentlichung | 01.01.1999 |
|---|---|
| E-Book-Ausgabe | 20.08.2020 |
| Seiten | 720 |
| ISBN (EPUB) | 978-3-96521-085-1 |
| ISBN (PDF) | 978-3-96521-091-2 |
| ASIN (Kindle) | B08G5DGR73 |
| Verlag | EDITION digital |
| Sprache | deutsch |
Schlagwörter
MordBankraubEinbruchDetektivErpressungStasiDDRKorruptionBetrugMafiaGeiselnahmeRollstuhlfahrerPolizeiarbeitMildred SoxPrivatdetekteiPotsdamMUKKrimiKurzgeschichtenJanusgesichterKay DenkertTV-SerieBoston Red SoxHamburgLeseprobe
”Sie hätten nicht zu Landowski gehen sollen, Teuerste. Dieser polnische Galan hat bei mir danach angerufen, um sich für seine Belästigung auf dem Rastplatz zu entschuldigen und von der Police erzählt. Sie sind eine akute Gefahr für uns, Allerwerteste. Und ich werde jetzt ...”
Bienen-Karli schimpfte in diesem Augenblick wie ein Rohrspatz über die schlechten Sitten im Funkverkehr und forderte ultimativ jenen Schweiger auf, sich an die Regeln zu halten oder das CB zu verlassen.
”Schalten Sie sofort dieses Gerät ab!” Liane Loreni unterstrich ihren Befehl mit einer MAKAROW in der Hand. Sie sagte, diese sei ein Zwilling zu der Waffe, die Campnagels Fingerabdrücke trug. Sogenannte Duellpistolen - preiswert auf einem Russenmarkt in Polen gekauft. Von einem russischen Ex-Offizier. ”Tut mir leid, meine Liebe. Wie der Philosoph einst sinngemäß gesagt hat: Sie stören meine Kreise. Und wie es wohl diesem Weisen auch geschah ...”
Mildred Sox sah in die Mündung der Armeepistole. Ihre Knie wurden weich. Irgendetwas musste sie tun. Aber was? Taktik tat not. Und die hieß: Reden, reden und nochmals reden: ”Wie haben Sie es nur angestellt, Frau Loreni, dass ihr Mann alles stehen und liegen ließ, um eiligst nach Hause zu fahren?”
Das Folgende brachte Zeitgewinn, war aber beim Mitansehen und Mitanhören mehr als peinlich. Die Loreni führte vor, wie sie nach dem ersten Klingelzeichen per Raumüberwachung dem Professor eine Liebesszene zwischen Schnittomeit und ihr bühnenreif zu Gehör brachte. Schnittomeits Stimme wurde von der Schauspielerin täuschend echt imitiert. Die Loreni schloss:
”Als der Alte dann angehetzt kam, hat Schnittomeit ihn erschossen. Schließlich ging es um Alles oder Nichts! Der Alte wollte alle Verträge für die TV-Serie rückgängig machen! Mein Leben als Protagonistin wäre zerstört gewesen! Niemals und niemandem lasse ich das durchgehen!”
Mildred Sox begriff, dass die Frau zumindest in diesem Moment etwas daneben war: ”Aber wenn Sie jetzt schießen, Frau Loreni, dann fällt der Verdacht auf Ihren Geliebten. Schnittomeit hat mich hierher bestellt. Das ist noch auf meinem Anrufbeantworter drauf!”
Inhaltsverzeichnis
DETEKTEI ROTE SOCKE
ORDNUNG IST DAS HALBE STERBEN
EINE DAME IN LEDER
LETTOWS LETZTER FALL
BRIEF AN OTTILIE
TATORT F-SEXUNDNEUNZIG
AUGE UM AUGE
DER GOLDENE SCHUSS
EINE SELTENE FORM DER RACHE
ALLES ODER NICHTS
DER SENSENMANN IST EINE WAAGE
DIE WINCHESTER-FALLE
DER MIT DEM WITZ KILLT
EIN MORD UNTER MÄNNERN
DER ANFANG VOM ENDE
SCHREIB WIE DU SPRICHST
Ein mörderischer Dreh
Zahltag
Hans-Ulrich Lüdemann
Weitere Bücher von Hans-Ulrich Lüdemann
Der weiße Stuhl. Zweiter Versuch einer Rehabilitation
Alfred Jude Dreyfus. Der nicht vollendete Justizmord
Mördermord. Dokumente und Dialoge
Das Mecklenburgisch-Vorpommersche Schimpfwörterbuch. Bannich deftige Wörter
Patenjäger.
Das verflixte Rollenspiel.





