
Der Angriff der Ganduren
„Wach auf!“ Nadja schreckte hoch. Prutorius hatte sie mit seiner Schnauze unsanft angetippt. Sie war ratlos um und begriff erst langsam, wo sie war. Es war inzwischen hell. Am Horizont sah das Mädchen einen gigantischen Gebirgszug und über den ging gerade die Sonne auf. Hier unten waren die Sonnenstrahlen noch nicht angekommen. Auf dem Käfig hockte Reikosch, seinen Kopf unter den Flügeln. Der Hund gähnte herzhaft. Dann kratzte er sich mit einer Hinterpfote am Kopf.
„Ich habe gar nicht bemerkt, dass ich so tief geschlafen habe.“ Nadja streckte ihre Arme und stand dann auf.
„Nein. Das hast du nicht!“ Prutorius klang gutmütig.
„Wie kommen die denn hierher?“ Nadja betrachtete die Decken um sie herum.
„Die habe ich aus dem Käfig geholt und dich damit zugedeckt.“
Nadja sah Prutorius an. „Ich hätte nicht gedacht, dass du so fürsorglich bist!“
„Weil ich ihm das gesagt habe. Allein wäre er nicht darauf gekommen“, sagte Reikosch, seinen Kopf unter dem Flügel.
„Das glaubst auch nur du!“ Prutorius und Reikosch hatten sich wieder aufeinander eingeschossen.
Nadja öffnete die Tasche und holte ein Brötchen hervor. Sie wendete sich an den ehemaligen Dämonenhund. „Willst du auch etwas essen?“
„Danke, nein.“
Nadja begann zu essen. Ein Pfeifton unterbrach ihr Frühstück. Dicht vor ihrem Gesicht tauchte etwas auf, das aussah wie eine gelbliche Kugel von der Größe eines Golfballes mit Flügeln und kleinen Beinchen. Auch Augen konnte sie erkennen. Die Flügel sirrten sehr schnell. Sie musste unwillkürlich lächeln und überlegte, ob sie so etwas schon einmal gesehen hatte. Als Nadja sich diese vor ihrem Gesicht verharrende Erscheinung näher betrachtete, wurden winzige Zähne sichtbar. Im nächsten Augenblick wurde das Wesen von einem riesigen Flügel weggeschlagen.
„Was war das?“ Nadja hatte sich vor den Flügelschlag des Geiers mehr erschrocken als vor dem Wesen.
„Eine Gandure.“ Der Geier klang angespannt.
Prutorius sprang blitzschnell auf. „Was war das?“
„Eine Gandure!“
„Das hat uns gerade noch gefehlt!“ Der Hund klang entsetzt.
„Du sagst es.“ Reikosch schüttelte seinen Flügel aus und gab einen angewiderten Laut von sich.
„Ich habe noch nie eine Gandure in Wirklichkeit gesehen.“ Prutorius sah sich um, noch während er diese Worte sprach.
„Jetzt ja“, sagte der Geier.
„Gehört habe ich nichts Gutes von denen. Das könnte gefährlich werden.“ Prutorius sah sich weiterhin um.
„Ich weiß.“ Reikosch schien noch unruhiger zu sein als der Hund.
„Was sind Ganduren?“ Nadja sah beide fragend an.
„Keine Zeit, dir das jetzt zu erklären. Besser, wir brechen auf. Wo eine Gandure ist, sind noch mehr. Nimm schnell die Decken und dann in den Käfig. Ich schaue mir inzwischen die Sache mal von oben an.“ Damit erhob der Geier sich in die Lüfte. Nadja wollte in den Käfig klettern, aber Prutorius hielt sie auf.
„Besser, wir warten noch.“
„Reikosch hat aber etwas anderes gesagt!“
„Es ist möglich, dass wir uns verteidigen müssen. Das geht außerhalb des Käfigs besser.“ Sichernd sah sich der Hund um.
„Was sind Ganduren?“
„Ich habe von ihnen nichts Gutes gehört. Sie sind eine Kreation von Kaduro. Er hat alle möglichen Wesen seiner Welt durcheinander gekreuzt, bis er glaubte, ein gutes Resultat erzielt zu haben.“
„So gefährlich sah dieses Wesen gar nicht aus!“
„Täusch dich nicht! Sie sollen das Gefährlichste sein, das uns momentan bedroht. Darum hat Kaduro die ja auch geschaffen!“
„Was wollte er damit erreichen?“
„Er wollte sie als Angriffsarmee heranziehen, aber sie waren auch für ihn nicht mehr händelbar. Sie haben in seiner Welt alles angegriffen, was ihnen vor ihre winzigen Zähne kam. Darum hat er sie schnell wieder vernichtet. Leider vermehren sie sich rasant und ein paar von denen haben überlebt und sind geflohen. Sie haben sich außerhalb dieser Welt vermehrt und sollen jetzt in einem riesigen Schwarm in der Grenzregion leben und alles überfallen, was sie essen können.“ Nun begann Prutorius die Festigkeit des Käfigbodens zu prüfen.
„Du meinst doch nicht etwa?“ Nadja war das erste Mal erschrocken.
„Das meine ich! Rontur vermutet, dass auch Menschen in dieser Gegend spurlos verschwanden.“
„Das glaube ich jetzt nicht!“
„Solltest du aber. Sie sind gefährlich und wer von ihnen gebissen wird, hat schlechte Chancen zu überleben. Sie sollen verdammt giftig sein. Deshalb hat Reikosch wohl auch so schnell reagiert, als eine vor deinen Augen auftauchte.“
„Kann man gegen die denn nichts unternehmen?“
„Man hat versucht, sie zu vernichten, aber sie sind schlau und verstecken sich.“ Plötzlich hörten sie hinter sich ein schrilles Pfeifen. Mehrere von diesen Bällen mit Flügeln schossen auf die beiden zu. Nadja hob blitzschnell die Hände und die ballartigen Wesen prallten an ihrer Zugbannumkehr ab und flogen in Richtung Gebirgszug davon. Prutorius sah ihnen hinterher.
„Die werden jetzt zu den anderen fliegen, um mit ihnen zurückzukommen. Sie sollen ziemlich intelligent sein.“ Dann landete Reikosch.
„Wir kommen nicht mehr weg. Es ist ein riesiger Gandurenschwarm, der sich gerade hinter dem Gebirge erhebt und in unsere Richtung kommt. Kippt schnell den Käfig um und geht in Deckung. Sie sind gleich da.“ Nadja und der Hund hatten sich gerade hinter die Holzwand des umgekippten Käfigs begeben, als sie in der Ferne ein Pfeifen hörten. Prutorius schaute an der Wand vorbei und gab einen Laut des Entsetzens von sich. Dann schwoll das Pfeifen zu einem ohrenbetäubenden Heulen an. Der Hund wendete sich an das Mädchen.
„Bleib ja da, wo du bist.“ Dann schossen grüne Funken aus seinem Maul über die Holzwand hinweg und Nadja hörte es links und rechts sowie über sich vorbei heulen und pfeifen. Dann waren alle vorbeigeflogen. Erleichtert atmete sie auf, aber der Hund ließ ihr keine Zeit.
„Sie drehen um. Wir müssen auf die andere Seite. Mach schnell!“ Damit war Prutorius schon um den liegenden Käfig herumgelaufen. Nadja folgte. Dann sah sie an der Wand vorbei und erkannte nun, wie der Schwarm, der den Himmel verdunkelte, oben in der Luft eine Kehrtwende machte. Es sah aus, als ob sich eine riesige, unendlich lange und dicke Schlange umdrehte und dann zur Erde niederstürzte. Nadja hob ihre Hände neben der Holzwand und dann kamen die Bälle angeflogen und teilten sich vor Nadja. Sie waren erneut vorbeigeschossen und machten pfeifende Geräusche. Nadja sah, wie sie abermals eine Kehrtwende machten.
„Schnell! Zurück auf die andere Seite.“ Dieses Mal hatten sie kaum noch Zeit. Die Wesen hatten die Wende dieses Mal blitzschnell vollzogen und schossen erneut vorbei. Dann war Reikosch zur Stelle. Er schoss nach oben an die Spitze der Gandurenschlange und flog vor ihnen her. Nadja sah, wie sie ihm folgten.
„Hoffentlich weiß er, was er tut“, knurrte Prutorius. Nadja sah, dass die Ganduren ebenso schnell waren wie der Geier, der vor ihnen immer weiter nach oben schoss. Dann drehte er sich blitzschnell um und bewegte sich im Sturzflug zur Erde. Der gesamte Schwarm folgte ihm. Nadja hielt den Atem an. Knapp vor der Erdoberfläche, etwa einhundert Meter vom Käfig entfernt, flog der Geier nur wenige Zentimeter über dem Boden waagerecht weiter. Die Ganduren konnten dieser Bewegung nicht mehr folgen und prallten alle auf die Erde. Es dauerte eine Minute, dann waren sie alle unten aufgeschlagen und hatte einen gigantischen Berg aus ihren ballförmigen Leibern aufgetürmt. Es war totenstill. Reikosch war auf der Wiese in der Nähe des Käfigs gelandet.
„Leider kriegt er diese Kreaturen damit nicht vernichtet. Die Dinger haben sieben Leben“, sagt Rontur. Der Hund hatte Panik in der Stimme.
„Sie sind nicht tot?“ Nadja war entsetzt.
„Leider nicht“, sagte Prutorius, der den Gandurenhaufen mit Abscheu begutachtete.
„Jedenfalls muss jetzt schnell etwas geschehen“, rief Reikosch, der inzwischen wieder bei ihnen war. Da sprang Nadja hinter der Holzwand hervor und machte einen weiten Sprung zu den Wesen. Die ballartigen Wesen rührten sich tatsächlich schon wieder. Takesch und Reikosch stöhnten entsetzt auf und setzten ihr sofort nach. Ehe sie aber etwas unternehmen konnten, riss sie die Arme mit ausgestreckten Zeigefingern ruckartig hoch. Die Erde tat sich auf und dann riss sie die Arme nach unten. Die Ganduren waren in der Erde verschwunden und die Erde hatte sich über ihnen verschlossen. Dann sprang sie zum Käfig zurück. Reikosch und Takesch folgten ihr.
„Nicht schlecht, Mädchen. Wer hat dir das beigebracht?“ Reikosch war gerade neben ihr am Käfig gelandet.
„Die Sprünge? Das weißt du doch!“
„Das meine ich natürlich nicht! Das andere. Das kannte ich nämlich noch nicht!“
„Iri.“
Prutorius stieß einen Laut des Erstaunens aus. Reikosch tippte den Käfig so an, dass der Holzfußboden unten war.
„Rein da. Wir müssen schnellstens weg. Die kommen ganz schnell wieder aus der Erde heraus.“
„Also los!“ Prutorius zwängte sich durch die Käfigtür, die Nadja aufgehalten hatte.
„Es wird langsam Zeit, dass Raskara und Rontur etwas gegen diese abscheulichen Wesen unternehmen.“ Damit ergriff Reikosch den Käfig mit seinen Greifkrallen.
Nadja-Kirchner-Fantasy-Reihe
Ein zwölfjähriges Mädchen, das keine Eltern mehr hat, wächst in einem Dorf bei ihren Großeltern auf. Auch wegen ihrer guten Leistungen in der Schule wird die kleine und stille Nadja von anderen Jungen aus dem Dorf angefeindet und sogar angegriffen. Doch niemand scheint ihr zu helfen. Da findet sie eines Tages einen jungen Raben, den sie mit nach Hause bringt. Gemeinsam mit ihren Großeltern pflegt sie ihn gesund. Und dann wird das Tier offensichtlich von seinen Raben-Eltern abgeholt. Einer der beiden Raben ist riesig. Als Nadja kurze Zeit später wieder von einigen Jungen angegriffen wird, kommen ihr die Raben zu Hilfe und vertreiben die Angreifer. Kurz darauf wird Nadja in die Senke gelockt, die früher mal ein kleiner See war und die schon lange kein Mensch mehr betreten konnte. Dort gibt sich ihr der riesige Rabe Rontur zu erkennen. Er ist der Anführer der Raben …
Beschreibung
Ein zwölfjähriges Mädchen, das keine Eltern mehr hat, wächst in einem Dorf bei ihren Großeltern auf. Auch wegen ihrer guten Leistungen in der Schule wird die kleine und stille Nadja von anderen Jungen aus dem Dorf angefeindet und sogar angegriffen. Doch niemand scheint ihr zu helfen. Da findet sie eines Tages einen jungen Raben, den sie mit nach Hause bringt. Gemeinsam mit ihren Großeltern pflegt sie ihn gesund. Und dann wird das Tier offensichtlich von seinen Raben-Eltern abgeholt. Einer der beiden Raben ist riesig. Als Nadja kurze Zeit später wieder von einigen Jungen angegriffen wird, kommen ihr die Raben zu Hilfe und vertreiben die Angreifer. Kurz darauf wird Nadja in die Senke gelockt, die früher mal ein kleiner See war und die schon lange kein Mensch mehr betreten konnte. Dort gibt sich ihr der riesige Rabe Rontur zu erkennen. Er ist der Anführer der Raben und kann sprechen.
Ab sofort steht das Mädchen unter dem Schutz dieser Vögel. Und Nadja lernt sich zu wehren – auch mit übernatürlichen Mitteln. Die braucht sie aber auch, da das Mädchen von übernatürlichen Gestalten angegriffen wird. Zu ihrem Schutz wird der riesige ehemalige Dämonenhund Takesch abgestellt. In diesem Zusammenhang lernt Nadja auch eine ihr bisher unbekannte Seite ihrer bei einem mysteriösen Autounfall getöteten Mutter Manuela kennen. Sie war einst Bannherrin des Sees gewesen und hatte damit auch für den Schutz der Raben gesorgt. Und der Dämonenhund Takesch war damals Beschützer ihrer Mutter. Im weiteren Verlauf der Handlung, die mehr und mehr zwischen der Wirklichkeit und dem Reich der Fantasy changiert, muss sich Nadja auch noch ganz anderer Feinde erwehren, und sie lernt Dinge kennen und beherrschen, die kein Mensch leisten kann. Schließlich kommt es zu einem alles entscheidenden Kampf. Und Nadja trifft eine Entscheidung mit weitreichenden Folgen …
Seit einem Jahr haben die Raben ihren Frieden mit Korfylos geschlossen und auch Nadja kann wieder in Ruhe leben. Aber dann passiert etwas, dass man ihr unbedingt verheimlichen will. Nur durch Zufall erfährt sie davon.
Kurz vor den Sommerferien erfährt sie, dass ihr einstiger Beschützer und Freund, der ehemalige Dämonenhund Takesch, bei der Verteidigung ihrer Welt und der der Geister und Raben in die Halbwelt entführt wurde. Er und seine Gefährtin Dinara lebten seit nunmehr einem Jahr an der Grenze dieser Welt und trugen zum Schutz der Welten bei, in der die Menschen, die Raben, Geister und alle anderen Gestalten leben. Niemand kann Takesch dort, wo er jetzt ist, noch helfen.
Die Gefahr ist groß, dass er in der Halbwelt beeinflusst und als Waffe gegen die Raben und die Geister eingesetzt wird. Kaduro, der Herrscher der Halbwelt, will auch diese Welten einverleiben und beherrschen. Nadja beschließt, Takesch aus den Fängen des Herrschers der Halbwelt zu befreien. Dabei zieht sie sich den Zorn von Rontur, dem Anführer der Raben, zu.
Heimlich bricht sie auf. Am Anfang begleitet sie der Hund Prutorius, der seinen Dämon abgeschüttelt hat. Nach und nach kommen immer mehr dazu, um ihr beizustehen. Auch in der Halbwelt findet sie Helfer. Sie erlernt weitere Strategien der Verteidigung und trotzdem ist sie am Ende froh, dass sie nicht allein in der Zwischenwelt ist. Es kommt zum entscheidenden Kampf, bei dem Geister, Raben und alle anderen Verbündeten zur Stelle sein müssen. Wird sie es schaffen, Takesch aus den Fängen des Kaduro zu befreien?
Nadja Kirchner hat es wieder einmal geschafft. Nur noch ein paar Tage und dann ist die Klasse 9 vorbei. Endlich Ferien! Aber es kommt wieder einmal anders. An einem der letzten Schultage wird die Bannherrin der Senke in der Nähe der Schule von mehreren Kapuzengestalten angegriffen. Das Mädchen kann sich zwar verteidigen, aber allein kommt sie nicht weiter. Nur der Einsatz der Raben, Kuriergeier, ehemaligen und aktiven Dämonenhunde sowie von Korfylos verhindern Schlimmeres.
Ihre tierischen und geisterhaften Freunde bringen Nadja zu den Großeltern, wo das elternlose Mädchen lebt, und auch hier wird sie sofort in der Scheune angegriffen. Nadja darf ab sofort das Gehöft nicht mehr verlassen, bis alle Palekopten wieder eingefangen sind. Sie kann ihre Ferien jetzt nur noch zum Training in der Scheune nutzen.
Es geschehen nun merkwürdige Dinge. Was haben der alte Mann und sein Enkel mit den Palekopten zu tun? Warum haben die Zyklopen versagt, die eigentlich diese gefährlichen Wesen auf ihren Inseln bewachen sollten und warum wollen die ausgebrochenen Palekopten mit dem Mädchen ausgerechnet in die Halbwelt?
Irgendwann kann und will Nadja nicht mehr auf dem Gehöft bleiben. Sie entschließt sich, durch ein gewagtes Unternehmen die Angelegenheit zu beenden. Aber es geht nicht alles gut und sie muss das Unmögliche wagen, um das Leben vieler Raben zu retten und die Sicherheit der Senke wieder zu gewährleisten!
Nadja Kirchner ist eigentlich, nachdem sie einen Tag in Berlin unterwegs war, auf dem Weg nach Hause. Aber sie wird im Zentrum der Stadt Zeugin eines Autounfalls, bei dem ein kleines Kind verletzt wird. Dabei hindert sie einen Jugendlichen daran, das bewusstlose Kind zu fotografieren und hilft dem kleinen Jungen heimlich mit ihren magischen Heilfähigkeiten. Auf dem Weg nach Hause wird sie von dem Jugendlichen und zwei seiner Kumpane verfolgt und auf einem verlassenen Hinterhof angegriffen. Mühelos gelingt es ihr, die drei Angreifer in die Flucht zu schlagen. Als sie meint, es sei vorbei, und den Hof wieder verlassen will, wird sie noch einmal von etwas angegriffen, das sie nicht identifizieren kann.
Die jugendliche Nadja kann auch diesen Angriff abwehren, weiß aber sofort, dass es sich hier um kein natürliches Lebewesen handeln kann. Sie geht davon aus, dass dieser Angriff nur erfolgte, weil das Wesen gestört wurde, und verlässt den Hof. Einige Zeit später erfährt die inzwischen siebzehnjährige Schülerin, dass es sich um einen verirrten, jungen Zanura handelt und dass eine alte Unsterbliche auf der Suche nach ihm ist, um das Junge zu töten. Das darf ihr nicht gelingen, denn sonst sind wieder einmal die Welten der Raben, Geister und anderer Wesen in Gefahr, denn die versteckt lebenden Zanuren würden sich an jedem rächen, der ihnen über den Weg läuft. Mit ihnen ist nicht zu spaßen. Die Raben nehmen das Junge deshalb in Gewahrsam und verstecken es in der Senke.
Aber auch Nadja Kirchners Leben ist in unmittelbarer Gefahr, denn die alte Sumpfbewohnerin Iorla ist Nadja auf den Fersen, weil sie nicht daran glaubt, dass die Raben nicht wissen, wo sich der Zanura aufhält. Schließlich ist Nadja die Bannherrin der Senke, in der die Raben leben. Iorla sucht viele magische und nichtmagische Wesen auf und sammelt jede Information über Nadja, die sie bekommen kann. Allen in der Senke ist klar, dass der junge Zanura schnell wieder zu seinen Artgenossen zurück muss und sie setzen alles daran. Wird das gelingen und verschont die alte Iorla Nadja?
Bibliografische Angaben
| Erstveröffentlichung | 21.08.2020 |
|---|---|
| E-Book-Ausgabe | 21.08.2020 |
| Seiten | 1401 |
| ISBN (EPUB) | 978-3-96521-092-9 |
| ISBN (PDF) | 978-3-96521-093-6 |
| ASIN (Kindle) | B08GBK4TFN |
| Verlag | EDITION digital |
| Sprache | deutsch |
Schlagwörter
AffenAusdauerBärenDämonenhundDäumlingElfenFantasiegestaltenFantasyFleißFreundschaftGeierHalbweltHexeHundJugendbuchKampfKrötenMagieMobbingMutMythenRabeRiesenadlerRiesenechseLeseprobe
Der Angriff der Ganduren
„Wach auf!“ Nadja schreckte hoch. Prutorius hatte sie mit seiner Schnauze unsanft angetippt. Sie war ratlos um und begriff erst langsam, wo sie war. Es war inzwischen hell. Am Horizont sah das Mädchen einen gigantischen Gebirgszug und über den ging gerade die Sonne auf. Hier unten waren die Sonnenstrahlen noch nicht angekommen. Auf dem Käfig hockte Reikosch, seinen Kopf unter den Flügeln. Der Hund gähnte herzhaft. Dann kratzte er sich mit einer Hinterpfote am Kopf.
„Ich habe gar nicht bemerkt, dass ich so tief geschlafen habe.“ Nadja streckte ihre Arme und stand dann auf.
„Nein. Das hast du nicht!“ Prutorius klang gutmütig.
„Wie kommen die denn hierher?“ Nadja betrachtete die Decken um sie herum.
„Die habe ich aus dem Käfig geholt und dich damit zugedeckt.“
Nadja sah Prutorius an. „Ich hätte nicht gedacht, dass du so fürsorglich bist!“
„Weil ich ihm das gesagt habe. Allein wäre er nicht darauf gekommen“, sagte Reikosch, seinen Kopf unter dem Flügel.
„Das glaubst auch nur du!“ Prutorius und Reikosch hatten sich wieder aufeinander eingeschossen.
Nadja öffnete die Tasche und holte ein Brötchen hervor. Sie wendete sich an den ehemaligen Dämonenhund. „Willst du auch etwas essen?“
„Danke, nein.“
Nadja begann zu essen. Ein Pfeifton unterbrach ihr Frühstück. Dicht vor ihrem Gesicht tauchte etwas auf, das aussah wie eine gelbliche Kugel von der Größe eines Golfballes mit Flügeln und kleinen Beinchen. Auch Augen konnte sie erkennen. Die Flügel sirrten sehr schnell. Sie musste unwillkürlich lächeln und überlegte, ob sie so etwas schon einmal gesehen hatte. Als Nadja sich diese vor ihrem Gesicht verharrende Erscheinung näher betrachtete, wurden winzige Zähne sichtbar. Im nächsten Augenblick wurde das Wesen von einem riesigen Flügel weggeschlagen.
„Was war das?“ Nadja hatte sich vor den Flügelschlag des Geiers mehr erschrocken als vor dem Wesen.
„Eine Gandure.“ Der Geier klang angespannt.
Prutorius sprang blitzschnell auf. „Was war das?“
„Eine Gandure!“
„Das hat uns gerade noch gefehlt!“ Der Hund klang entsetzt.
„Du sagst es.“ Reikosch schüttelte seinen Flügel aus und gab einen angewiderten Laut von sich.
„Ich habe noch nie eine Gandure in Wirklichkeit gesehen.“ Prutorius sah sich um, noch während er diese Worte sprach.
„Jetzt ja“, sagte der Geier.
„Gehört habe ich nichts Gutes von denen. Das könnte gefährlich werden.“ Prutorius sah sich weiterhin um.
„Ich weiß.“ Reikosch schien noch unruhiger zu sein als der Hund.
„Was sind Ganduren?“ Nadja sah beide fragend an.
„Keine Zeit, dir das jetzt zu erklären. Besser, wir brechen auf. Wo eine Gandure ist, sind noch mehr. Nimm schnell die Decken und dann in den Käfig. Ich schaue mir inzwischen die Sache mal von oben an.“ Damit erhob der Geier sich in die Lüfte. Nadja wollte in den Käfig klettern, aber Prutorius hielt sie auf.
„Besser, wir warten noch.“
„Reikosch hat aber etwas anderes gesagt!“
„Es ist möglich, dass wir uns verteidigen müssen. Das geht außerhalb des Käfigs besser.“ Sichernd sah sich der Hund um.
„Was sind Ganduren?“
„Ich habe von ihnen nichts Gutes gehört. Sie sind eine Kreation von Kaduro. Er hat alle möglichen Wesen seiner Welt durcheinander gekreuzt, bis er glaubte, ein gutes Resultat erzielt zu haben.“
„So gefährlich sah dieses Wesen gar nicht aus!“
„Täusch dich nicht! Sie sollen das Gefährlichste sein, das uns momentan bedroht. Darum hat Kaduro die ja auch geschaffen!“
„Was wollte er damit erreichen?“
„Er wollte sie als Angriffsarmee heranziehen, aber sie waren auch für ihn nicht mehr händelbar. Sie haben in seiner Welt alles angegriffen, was ihnen vor ihre winzigen Zähne kam. Darum hat er sie schnell wieder vernichtet. Leider vermehren sie sich rasant und ein paar von denen haben überlebt und sind geflohen. Sie haben sich außerhalb dieser Welt vermehrt und sollen jetzt in einem riesigen Schwarm in der Grenzregion leben und alles überfallen, was sie essen können.“ Nun begann Prutorius die Festigkeit des Käfigbodens zu prüfen.
„Du meinst doch nicht etwa?“ Nadja war das erste Mal erschrocken.
„Das meine ich! Rontur vermutet, dass auch Menschen in dieser Gegend spurlos verschwanden.“
„Das glaube ich jetzt nicht!“
„Solltest du aber. Sie sind gefährlich und wer von ihnen gebissen wird, hat schlechte Chancen zu überleben. Sie sollen verdammt giftig sein. Deshalb hat Reikosch wohl auch so schnell reagiert, als eine vor deinen Augen auftauchte.“
„Kann man gegen die denn nichts unternehmen?“
„Man hat versucht, sie zu vernichten, aber sie sind schlau und verstecken sich.“ Plötzlich hörten sie hinter sich ein schrilles Pfeifen. Mehrere von diesen Bällen mit Flügeln schossen auf die beiden zu. Nadja hob blitzschnell die Hände und die ballartigen Wesen prallten an ihrer Zugbannumkehr ab und flogen in Richtung Gebirgszug davon. Prutorius sah ihnen hinterher.
„Die werden jetzt zu den anderen fliegen, um mit ihnen zurückzukommen. Sie sollen ziemlich intelligent sein.“ Dann landete Reikosch.
„Wir kommen nicht mehr weg. Es ist ein riesiger Gandurenschwarm, der sich gerade hinter dem Gebirge erhebt und in unsere Richtung kommt. Kippt schnell den Käfig um und geht in Deckung. Sie sind gleich da.“ Nadja und der Hund hatten sich gerade hinter die Holzwand des umgekippten Käfigs begeben, als sie in der Ferne ein Pfeifen hörten. Prutorius schaute an der Wand vorbei und gab einen Laut des Entsetzens von sich. Dann schwoll das Pfeifen zu einem ohrenbetäubenden Heulen an. Der Hund wendete sich an das Mädchen.
„Bleib ja da, wo du bist.“ Dann schossen grüne Funken aus seinem Maul über die Holzwand hinweg und Nadja hörte es links und rechts sowie über sich vorbei heulen und pfeifen. Dann waren alle vorbeigeflogen. Erleichtert atmete sie auf, aber der Hund ließ ihr keine Zeit.
„Sie drehen um. Wir müssen auf die andere Seite. Mach schnell!“ Damit war Prutorius schon um den liegenden Käfig herumgelaufen. Nadja folgte. Dann sah sie an der Wand vorbei und erkannte nun, wie der Schwarm, der den Himmel verdunkelte, oben in der Luft eine Kehrtwende machte. Es sah aus, als ob sich eine riesige, unendlich lange und dicke Schlange umdrehte und dann zur Erde niederstürzte. Nadja hob ihre Hände neben der Holzwand und dann kamen die Bälle angeflogen und teilten sich vor Nadja. Sie waren erneut vorbeigeschossen und machten pfeifende Geräusche. Nadja sah, wie sie abermals eine Kehrtwende machten.
„Schnell! Zurück auf die andere Seite.“ Dieses Mal hatten sie kaum noch Zeit. Die Wesen hatten die Wende dieses Mal blitzschnell vollzogen und schossen erneut vorbei. Dann war Reikosch zur Stelle. Er schoss nach oben an die Spitze der Gandurenschlange und flog vor ihnen her. Nadja sah, wie sie ihm folgten.
„Hoffentlich weiß er, was er tut“, knurrte Prutorius. Nadja sah, dass die Ganduren ebenso schnell waren wie der Geier, der vor ihnen immer weiter nach oben schoss. Dann drehte er sich blitzschnell um und bewegte sich im Sturzflug zur Erde. Der gesamte Schwarm folgte ihm. Nadja hielt den Atem an. Knapp vor der Erdoberfläche, etwa einhundert Meter vom Käfig entfernt, flog der Geier nur wenige Zentimeter über dem Boden waagerecht weiter. Die Ganduren konnten dieser Bewegung nicht mehr folgen und prallten alle auf die Erde. Es dauerte eine Minute, dann waren sie alle unten aufgeschlagen und hatte einen gigantischen Berg aus ihren ballförmigen Leibern aufgetürmt. Es war totenstill. Reikosch war auf der Wiese in der Nähe des Käfigs gelandet.
„Leider kriegt er diese Kreaturen damit nicht vernichtet. Die Dinger haben sieben Leben“, sagt Rontur. Der Hund hatte Panik in der Stimme.
„Sie sind nicht tot?“ Nadja war entsetzt.
„Leider nicht“, sagte Prutorius, der den Gandurenhaufen mit Abscheu begutachtete.
„Jedenfalls muss jetzt schnell etwas geschehen“, rief Reikosch, der inzwischen wieder bei ihnen war. Da sprang Nadja hinter der Holzwand hervor und machte einen weiten Sprung zu den Wesen. Die ballartigen Wesen rührten sich tatsächlich schon wieder. Takesch und Reikosch stöhnten entsetzt auf und setzten ihr sofort nach. Ehe sie aber etwas unternehmen konnten, riss sie die Arme mit ausgestreckten Zeigefingern ruckartig hoch. Die Erde tat sich auf und dann riss sie die Arme nach unten. Die Ganduren waren in der Erde verschwunden und die Erde hatte sich über ihnen verschlossen. Dann sprang sie zum Käfig zurück. Reikosch und Takesch folgten ihr.
„Nicht schlecht, Mädchen. Wer hat dir das beigebracht?“ Reikosch war gerade neben ihr am Käfig gelandet.
„Die Sprünge? Das weißt du doch!“
„Das meine ich natürlich nicht! Das andere. Das kannte ich nämlich noch nicht!“
„Iri.“
Prutorius stieß einen Laut des Erstaunens aus. Reikosch tippte den Käfig so an, dass der Holzfußboden unten war.
„Rein da. Wir müssen schnellstens weg. Die kommen ganz schnell wieder aus der Erde heraus.“
„Also los!“ Prutorius zwängte sich durch die Käfigtür, die Nadja aufgehalten hatte.
„Es wird langsam Zeit, dass Raskara und Rontur etwas gegen diese abscheulichen Wesen unternehmen.“ Damit ergriff Reikosch den Käfig mit seinen Greifkrallen.
Inhaltsverzeichnis
Nadja Kirchner und die Raben aus der geheimnisvollen Senke
Der Tod der Bannherrin
Die Feier
Unterredung mit Raskara
Der Orkan
Die Legende von der Grafentochter
Das Rabenkind
Der Vogelschwarm
Der Rabenkönig
Die Forderung
Im Griseldis
Rontur gibt sich zu erkennen
Das Foto
Die Dämonenhunde
Die wahre Geschichte um Griseldis
Takesch kehrt zurück
Takesch greift ein
Der Grafenbesuch
Ronturs Entscheidung
Der rasende Traktor
Der Angriff der Zyklopen
Die Entscheidung
Die ersten Trainingstage
Taukius
Des Gutsverwalters Fehlgriff
Die ersten Prüfungen
Leukos wird verletzt
Schulbeginn
Erste Konfrontation mit Korfylos
In Raskaras Welt
Die Wasserhexe
Ein Gespräch in der Nacht
Der alte Weise
Die Invasion der Däumlinge
Der Korridor
Reikoschs Lektionen
Angriff auf dem Griseldis
Der Kampf mit Korfylos
Eine offene Rechnung
Veränderungen
Nadja Kirchner und die gefährlichen Wesen der Halbwelt
Der Tabubruch
Der Ruf der Großmutter
Dinaras Mission
Die Wahrheit um Takesch
Nadjas Angebot
Griseldis in der Scheune
Das Kraut des Vergessens
Aufbruch
Geiertransport
Der Angriff der Ganduren
Takeschs Bindung
Ankunft in der Halbwelt
Ronturs Warnung
Minra im Rucksack
Korfylos‘ Hinweis
Der Zeitreisende
Bunra
Griseldis‘ Ansinnen
Zusammentreffen mit Dinara
Pino, der Waldschrat
Stille Helfer
Kajik ist da
Kaduro taucht auf
Die Amperekröten
Der endlose Felsen
Griseldis‘ Führung
Kaduro und Korfylos
Geister melden sich
Die Wanderburg
Die Höhle der Dunkelelfen
Das Kraut
Der Echsenwächter
In der Burg
Die Schlangengrube
Der Stein des Zariaten
Die Wasser der Iri
Der Schleichabschnitt
Die Grenze
Der Kampf um die Lücke
Abschiede
Neuigkeiten
Die Entdämonisierung
Nadja Kirchner und das Kabinett der Überführung
Das Haus im Wald
Am Bahnhof
Der Schock im Haus der alten Margot
Der geworfene Ring
Angriff in der Scheune
Im Reich der Raskara
Der Auftrag des Geiers
Auf dem Friedhof
Raskaras Machtlosigkeit
Merlas Hinweis
Ein Gespräch in der Halbwelt
Auf einem Autobahnparkplatz
Ein weiterer Schock
Das Verhör
Raskara und Korfylos
Takesch in der Lupe
Das Los der Zariaten
Am Hauptbahnhof
Fensterflug
Die Nebelpferde
Der Rat der Griseldis
Im Reich des Donk
Zwischenfall an der Grenze
Das Grenzgefecht
Das Wasser des Lebens
Abreise
Die aussätzigen Raben
Die alte Fischerin
Auf der Insel
Wieder an der Grenze
Der Kampf auf dem Hinterhof
Der letzte Palekopt
Der Sohn des Gilades
Der Bannbruchstein
Ein neuer Kampf
Bahnhofsgespräch
Die Insel im Meer
Kräuternamen
Nadja Kirchner und der Sohn der Zanura
Das Sumpfgebiet
Berliner Aufruhr
Versuchte Rache
Ronturs Sorgen
Bernauer Spurensuche
Das Kind der Zanura
Die Geschichte der Zanuren
Griseldis‘ Idee
Die polnischen Schweine
Audienz der besonderen Art
Die Heilerinnen
Der Traum in der Klinik
Die Geister der von Dudenheims
Aufgabe für Bernadette
Roberto macht eine Bekanntschaft
Iorla an der Senke
Raskara gibt sich die Ehre
Besuch eines Zeitreisenden
Unterredungen mit dem alten Weisen
Reise zu Korfylos
Nebelpferde, der Donk und die Zanura
Die Schulung der Zyklopen
An der Grenze
Die Feuermuhmen
Der verletzte Vogel
Nadja wird gefunden
Konfrontationen
Die Welt der Zanuren
Die Staubkatze
Ansage in der Senke
Kampf an der Grenze
Ein Gespräch
Johan Nerholz
Weitere Bücher von Johan Nerholz
Nadja Kirchner und die Raben aus der geheimnisvollen Senke. Teil 1 der Nadja-Kirchner-Fantasy-Reihe
Nadja Kirchner und die gefährlichen Wesen der Halbwelt. Teil 2 der Nadja-Kirchner-Fantasy-Reihe
Nadja Kirchner und der Sohn der Zanura. Teil 4 der Nadja-Kirchner-Fantasy-Reihe
Nadja Kirchner und das Kabinett der Überführung. Teil 3 der Nadja-Kirchner-Fantasy-ReiheÄhnliche Bücher
Der Sohn des Adlers, des Müllmanns und der hässlichsten Frau der Welt. Ein Märchen vom Eis und vom Feuer
Nadja Kirchner und das Kabinett der Überführung. Teil 3 der Nadja-Kirchner-Fantasy-Reihe
Gelegenheiten, Verwirrung zu stiften. Klaus Möckel und seine Bücher
Rabenvater Schmidt
Allein über den Fluss.
Der Hund mit dem Zeugnis und andere Trompeterbücher.