
In tausend Jahren
wird der Mond aufgehn,
in deinen Haaren
wird der Nachtwind wehn.
In tausend Jahren sind wir längst allein, ein Schiff wird fahren und verschollen sein.
In tausend Städten gibt's ein Feiern dann, das sich an uns vielleicht noch erinnern kann.
In tausend Jahren wird der Mond aufgehn, doch wir beide waren schon heute zu sehn.
Und immer wird ein Lieben sein,
bis an meins Leben Ende.
Ich fühl in mir, du bist noch mein,
als wenn uns nichts zertrennte.
Und immer wird ein Lieben sein,
wie einst vom Anbeginne.
Dich löscht kein Tod in mir und kein
Vergessen meine Sinne.
Und immer wird ein Lieben sein,
als ob nur dich ich sähe.
Bist du auch fern und ich allein,
stets spür ich deine Nähe.
Die Liebe und der Tod. Gedichte
Nein, so kennt man den Schriftsteller Erik Neutsch nicht unbedingt. Sondern eher als einen harten und Konflikten nicht ausweichenden Schreiber wie zum Beispiel seine berühmten Bücher wie „Spur der Steine“ und „Auf der Suche nach Gatt“ beweisen – oder auch sein unvollendet gebliebenes Hauptwerk, die fünf Bände „Der Friede im Osten“. Ein abschließender sechster Band war nicht mehr geschrieben worden.Aber Neutsch hatte von Anfang an auch eine gefühlvollere und lyrische Seite, wie die in diesem Band vorgestellten Gedichte zeigen. Sie wurden zu unterschiedlichen Zeiten geschrieben.Im ersten Teil finden sich frühe Gedichte des jungen Autors, Jahrgang 1931, in denen sich Neutsch in den vierziger und fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in jungen Jahren mit der Liebe und der Vorfreude auf ein Mädchen und auf gemeinsames Glück auseinandergesetzt hat wie in NÄCHTLICHE GEDANKEN (17.8. 1948), dessen letzte Zeilen lauten:Ich habe an dich gedacht,als der Mond in die …
Beschreibung
Nein, so kennt man den Schriftsteller Erik Neutsch nicht unbedingt. Sondern eher als einen harten und Konflikten nicht ausweichenden Schreiber wie zum Beispiel seine berühmten Bücher wie „Spur der Steine“ und „Auf der Suche nach Gatt“ beweisen – oder auch sein unvollendet gebliebenes Hauptwerk, die fünf Bände „Der Friede im Osten“. Ein abschließender sechster Band war nicht mehr geschrieben worden.
Aber Neutsch hatte von Anfang an auch eine gefühlvollere und lyrische Seite, wie die in diesem Band vorgestellten Gedichte zeigen. Sie wurden zu unterschiedlichen Zeiten geschrieben.
Im ersten Teil finden sich frühe Gedichte des jungen Autors, Jahrgang 1931, in denen sich Neutsch in den vierziger und fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in jungen Jahren mit der Liebe und der Vorfreude auf ein Mädchen und auf gemeinsames Glück auseinandergesetzt hat wie in NÄCHTLICHE GEDANKEN (17.8. 1948), dessen letzte Zeilen lauten:
Ich habe an dich gedacht,
als der Mond in die Wolken stieg.
Ich habe gebangt die Nacht
und gebetet um unser Glück
Oder in
WIDMUNG
Ein leises Ja von deinen Lippen,
es gibt mir Mut, tilgt alle Schmerzen.
Ein stummes Nicken deiner Augen
ist Balsam meinem wunden Herzen.
Ein leises Ja auf meine Bitten,
ein Liebeshauch wie blühend Flieder,
es tut mir gut, löscht alle Leiden
und gibt mir meinen Frieden wieder.
(23. 1. 49)
Auch wenn diese jugendlichen Texte noch sehr schwärmerisch klingen, so lässt sich aus ihnen dennoch die ganz eigene Stimme eines künftigen Literaten heraushören.
Der zweite Teil präsentiert eine Auswahl von Texten aus den 1990er Jahren. Sie sind der liebevollen Erinnerung und dem Andenken an seine, nach tapferer Gegenwehr an einer schweren Krankheit verstorbene ersten Ehefrau Helga gewidmet. Besonders eindrucksvoll in seinem Schmerz ist
IM FROST
Die Rosen sind erfroren,
die ich zum ersten Januar,
dem Tag, als du geboren,
dir blühend in den Schnee gelegt.
Ich habe dich verloren,
und nichts wird sein, wie's einmal war:
Wir beide, fest verschworen,
ein Miteinander unentwegt.
Wie soll ich mich denn fassen,
für immer ohne dich, allein?
Ich fühle mich verlassen,
den Rosen gleich vor deinem Stein.
(14. 1. 97)
Bibliografische Angaben
| Erstveröffentlichung | 01.01.1999 |
|---|---|
| E-Book-Ausgabe | 09.08.2014 |
| Seiten | 88 |
| ISBN (EPUB) | 978-3-95655-006-5 |
| ISBN (PDF) | 978-3-96521-336-4 |
| ASIN (Kindle) | B00WXLHRWS |
| Verlag | EDITION digital |
| Sprache | deutsch |
Schlagwörter
LiebeTodTrauerKrankheitAbschiedEinsamkeitVerlustGedichteLyrikErinnerungEhefrauHelgaErik NeutschMondRosenNachtAlleinsein1990er1940erLeseprobe
In tausend Jahren
wird der Mond aufgehn,
in deinen Haaren
wird der Nachtwind wehn.
In tausend Jahren sind wir längst allein, ein Schiff wird fahren und verschollen sein.
In tausend Städten gibt's ein Feiern dann, das sich an uns vielleicht noch erinnern kann.
In tausend Jahren wird der Mond aufgehn, doch wir beide waren schon heute zu sehn.
Und immer wird ein Lieben sein,
bis an meins Leben Ende.
Ich fühl in mir, du bist noch mein,
als wenn uns nichts zertrennte.
Und immer wird ein Lieben sein,
wie einst vom Anbeginne.
Dich löscht kein Tod in mir und kein
Vergessen meine Sinne.
Und immer wird ein Lieben sein,
als ob nur dich ich sähe.
Bist du auch fern und ich allein,
stets spür ich deine Nähe.
Inhaltsverzeichnis
ICH SEHE DICH KOMMEN, SEHE DICH GEHEN,
DU LIESSEST MICH WARTEN
NÄCHTLICHE GEDANKEN
ERWACHEN
VIELLEICHT EIN ABSCHIED
ICH BLEIBE
WIDMUNG
UNFASSBAR
KEIN TRAUM
ANKLAGE
NIEMALS
NACHTS IM PARK
FLIEDERBUSCH
WIEDERKEHR
NACH DEINER KRANKHEIT
DER WEG VON DIR
ÜBERSCHWELLEN
BLATT IM WIND
LACHENDE TRÄNEN
MANUSKRIPT
LIEBESZEILEN
SONETT
TAG UND NACHT
STIMMUNG
SECHZEHN
TROST?
ZWISCHENFRAGE
VISION
SAG JA
IN TAUSEND JAHREN
ADRESSE
JULIA
AN DICH
UNSER ZIMMER
DENKEN
ENDE
WARTEN
WIEDERBEGEGNUNG
WEIT WAR IHR SINN, IHR HERZ VOLL LIEBE,
AN IHREM BETT
AN IHRER STÄTTE
ZUHAUS
ALLEIN
GEDENKEN
VOR MIR IHR BILD
IM FROST
TRUGBILDER
UNVERSTANDEN, EINSAM
DAS BOOT
EXTRASYSTOLEN
SCHWÄNE
WIDERSICHT
IM TIEFSTEN
UND KEIN ENDE
FRÜHLING ÜBERM GRAB
GESTERN
DU BIST IN MIR
DAS LETZTE PHOTO












