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Folge 1

Ihren Kaffee müssen sie sich jetzt selbst kochen

Ihren Kaffee müssen Sie sich jetzt selbst kochen

Wie alles begann – Erinnerungen aus der Geschichte von EDITION digital

Manchmal beginnt eine neue Lebensphase mit einem Satz, den man nie wieder vergisst.

Es war 1993. Die deutsche Wiedervereinigung lag gerade drei Jahre zurück, und in Ostdeutschland veränderte sich die Arbeitswelt mit atemberaubender Geschwindigkeit. Berufe verschwanden, Betriebe wurden geschlossen, neue Kenntnisse waren gefragt.

Ich hatte nach der Wende Computerlehrgänge für Arbeitslose organisiert und selbst unterrichtet. Der Bedarf war riesig. Wir konnten gar nicht so viele Lehrgänge anbieten, wie es Interessenten gab. Zusätzlich unterrichtete ich sogar sonnabends in berufsbegleitenden Kursen.

Computerkenntnisse eröffneten vielen Menschen damals die Chance auf einen beruflichen Neuanfang. Ich war überzeugt, dass unsere Arbeit gebraucht wurde.

Doch eines Tages wurde entschieden, dass diese Lehrgänge nicht mehr notwendig seien. Das Arbeitsamt stellte die Förderung ein. Von einem Tag auf den anderen war damit die Grundlage unserer bisherigen Tätigkeit entfallen.

Und dann kam das Gespräch mit meinem Chef.

Er überreichte mir die Kündigung und sagte einen Satz, der sich unauslöschlich in mein Gedächtnis eingeprägt hat:

„Wir leben in einer Männergesellschaft, Frauen können wir nicht gebrauchen.“

Ich war keineswegs bereit, mich von dieser Bemerkung entmutigen zu lassen. Lächelnd verließ ich sein Zimmer.

Draußen traf ich die einzige andere Frau, die außer mir noch in diesem Unternehmen arbeitete.

„Ein Problem haben sie, wenn sie alle Frauen rauswerfen“, sagte ich zu ihr. „Ihren Kaffee müssen sie sich jetzt selbst kochen.“

Ich war damals voller Zuversicht: Ich kann etwas. Ich habe bisher immer Erfolg gehabt. Ich werde schon wieder Arbeit finden.

Dass es nicht so einfach werden würde, ahnte ich nicht.

Es folgte ein Jahr der Arbeitslosigkeit.

Aber ich war nicht bereit, dieses Jahr ungenutzt verstreichen zu lassen. Ich begann, meine berufliche Zukunft selbst in die Hand zu nehmen, und bereitete die Gründung eines eigenen Unternehmens vor.

1994 entstand EDITION digital.

Dass daraus einmal ein Verlag mit fast 2.000 E-Books werden würde, konnte ich damals nicht wissen.

Aber eines wusste ich: Ich wollte selbst entscheiden, was ich mit meinen Fähigkeiten anfangen konnte.

Und meinen Tee konnte ich mir ohnehin schon immer selbst kochen.

Illustration zur Verlagsgeschichte