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Gisela Pekrul – Von der Mathematik zur Literatur

Ein Leben zwischen Büchern und Computern

Bücher haben mich mein ganzes Leben begleitet. Aufgewachsen bin ich in Wolteritz, einem kleinen Dorf bei Leipzig, das heute zu Schkeuditz gehört. Ich las alles, was ich in die Finger bekam. Irgendwann hatte ich sämtliche für mich geeigneten Bücher unserer Dorfbibliothek gelesen.

Schon damals träumte ich davon, eines Tages selbst Bücher zu schreiben. Doch zunächst führte mich mein Weg in eine ganz andere Richtung.

Mein erstes Computerprogramm schrieb ich 1966

Nach einer Berufsausbildung mit Abitur in den Chemischen Werken Buna studierte ich Mathematik an der Karl-Marx-Universität Leipzig.

1966 schrieb ich mein erstes Computerprogramm. Damals waren Computer noch riesige Maschinen, die ganze Räume beanspruchten. An die heutigen Möglichkeiten war nicht einmal zu denken.

Nach dem Studium arbeitete ich viele Jahre als Problemanalytikerin, Programmiererin und Leiterin eines EDV-Bereichs. Mich faszinierte nicht nur, was Computer bereits konnten, sondern vor allem, welche neuen Aufgaben sich mit ihnen lösen ließen.

Diese Begeisterung hat mich nie verlassen.

1994 begann ein neues Kapitel

Nach der deutschen Wiedervereinigung veränderte sich auch mein Berufsleben grundlegend. Ich unterrichtete Arbeitslose im Umgang mit Computern, musste aber selbst erleben, wie schwierig ein beruflicher Neuanfang sein konnte.

Am 16. Oktober 1994 gründete ich gemeinsam mit meinem Sohn Sören in Schwerin EDITION digital.

Wir wollten die neuen technischen Möglichkeiten nutzen, um Bücher und Informationen elektronisch zugänglich zu machen. Aus den ersten Veröffentlichungen auf CD-ROM entwickelte sich ein Unternehmen, das sich bald auch mit der Entwicklung eigener Software beschäftigte.

1999 wurde die Softwareentwicklung in die EasyBrowse EP-Service GmbH ausgegliedert. Das Unternehmen arbeitete später mit großen Fachverlagen zusammen und wurde 2008 verkauft.

Damit konnte ich mich wieder stärker dem widmen, was mir besonders am Herzen lag: den Büchern.

Literatur vor dem Vergessen bewahren

Mit EDITION digital habe ich mich zunehmend auf E-Books konzentriert.

Besonders wichtig wurde mir, Werke von Autorinnen und Autoren wieder zugänglich zu machen, deren Bücher in der DDR viele Leser gefunden hatten, später aber häufig aus dem Buchhandel verschwunden waren.

Es wäre schade, wenn diese Literatur allein deshalb in Vergessenheit geriete, weil die gedruckten Ausgaben längst vergriffen sind.

Neue technische Möglichkeiten helfen uns dabei, solche Bücher erneut zu veröffentlichen und Leserinnen und Leser dafür zu gewinnen.

Und dann begann ich selbst zu schreiben

Meinen Kindheitstraum vom eigenen Schreiben hatte ich nie vergessen. Aber lange fehlte mir die Zeit, ihn zu verwirklichen.

Als ich schließlich selbst Bücher schrieb, entdeckte ich, wie viel Freude es mir macht, Wissen und Geschichten miteinander zu verbinden.

Viele meiner Ideen entstehen aus Fragen, die Kinder stellen.

Wie lebten Menschen vor 10.000 Jahren? Wie sah Schwerin im Jahr 1650 aus? Warum sind Wespen nützlich? Was geschieht im Netz einer Spinne?

Ich möchte solche Fragen nicht mit trockenem Schulwissen beantworten, sondern mit Geschichten, in denen Kinder Abenteuer erleben, Entdeckungen machen und ganz nebenbei etwas lernen.

Besonders gern schreibe ich für und mit meinen Enkeln. Noah, Joshua und Ilijan haben deshalb in mehreren meiner Bücher ihren Platz gefunden.

Mit den Comics über das Schweriner Petermännchen kam eine weitere Möglichkeit hinzu, Kindern die Geschichte ihrer Heimat näherzubringen. Alte Sagen und historische Ereignisse lassen sich schließlich auch in Bildern spannend erzählen.

Neugierig geblieben

Wenn ich heute zurückblicke, liegen zwischen meinem ersten Computerprogramm und der Arbeit mit künstlicher Intelligenz sechs Jahrzehnte.

In dieser Zeit habe ich erlebt, wie aus raumfüllenden Rechnern persönliche Computer wurden, wie elektronische Bücher auf CD-ROM entstanden, wie das Internet den Buchhandel veränderte und wie E-Books und Hörbücher neue Leser und Hörer erreichten.

Heute nutze ich auch künstliche Intelligenz bei meiner Arbeit – für Illustrationen, die Buchproduktion, die Erschließung unseres Verlagsprogramms und die Weiterentwicklung unserer Internetseiten.

Dabei ist mir eines besonders wichtig: Neue Technik soll nicht Selbstzweck sein. Sie soll helfen, Ideen zu verwirklichen, Wissen zugänglich zu machen und Geschichten zu erzählen.

Ich hoffe, dass ich mir meine Begeisterung für neue technische Möglichkeiten noch lange bewahren kann.

Und vielleicht ist das die schönste Verbindung zwischen der Mathematikerin, der Verlegerin und der Kinderbuchautorin: Die Freude daran, immer wieder etwas Neues zu entdecken.