
Unter Anleitung von Mister Brown hat Eddy Finger eine Liste geführt und zusammengerechnet. Die Summe steht fest: zwei Millionen fünfhundertfünfundsechzigtausend Deutsche Mark.
In Hemdsärmeln sitzen die Männer um den Tisch und starren schweigend auf das Geld. Niemand von ihnen hat je zuvor eine so ungeheure Summe auf einem Haufen gesehen. Was sie gehofft hatten, was sie sich in ihren Wachträumen ausgemalt und doch nicht geglaubt hatten, es ist eingetreten. Sie haben es geschafft. Sie sind reich. Sie können sich jeden Wunsch erfüllen. All dieses Geld, ausgebreitet auf dem Tisch, direkt vor ihrer Nase, gehört ihnen.
Sie brauchen Zeit, um sich an diesen wunderbaren Gedanken zu gewöhnen. Sie rauchen hastig, sie trinken in gierigen Zügen. Sie würden sich jetzt hemmungslos besaufen, doch Mister Brown hat in kluger Voraussicht dafür gesorgt, dass sich kein Tropfen Alkohol in der Wohnung befindet.
Brown sitzt nicht mit am Tisch. Im Hintergrund, die Hände in den Taschen, lehnt er an einem Wandschrank und beobachtet seine Männer. Er kennt ihre Gefühle, er weiß genau, was in ihnen vorgeht. Was er selbst denkt, ist ihm nicht anzusehen. Mit unbewegtem Gesicht steht er da, die Augen hinter der dunklen Brille verborgen, zeigt weder Erregung noch Triumph, nicht einmal Anzeichen von Freude.
Nachdem er einige Zeit reglos gewartet hat, geht er ins Nebenzimmer und kehrt mit zwei stabilen Lederkoffern zurück.
„So, meine Herren, nun wollen wir auch noch den Rest der Arbeit erledigen. Mister Finger und Herr Zwiesel packen das Geld in die Koffer. Herr Werlowiak und ich fangen inzwischen an aufzuräumen. Die Weihnachtsmannkostüme, das Werkzeug und alles, was wir sonst benutzt haben und was nicht zur Wohnung gehört, kommt in die Leinensäcke. Auch die Kippen und die leeren Flaschen. Dann wird das Geschirr gespült. Auf geht's, Kameraden.“
Die Männer erheben sich ohne Widerspruch. Nichts festigt Autorität mehr als Erfolg.
Nach einer knappen halben Stunde ist das Notwendige getan. Die Küche, der Flur und die beiden Wohnräume blitzen vor Sauberkeit. Mister Brown führt eine abschließende Kontrolle durch und zeigt sich zufrieden.
„Nehmen Sie noch einmal Platz, meine Herren“, sagt er. „Ich möchte mit Ihnen die Geschäftsbedingungen erörtern, über die wir uns in groben Zügen bereits geeinigt haben. Der Erlös des Unternehmens wird in fünf gleiche Teile geteilt, das sind pro Mann fünfhunderttausend. Jeder von Ihnen erhält einen Teil, ich bekommen zwei Teile. Die gesamte Summe wird nach dem Zweischlüsselsystem in dem von Herrn Werlowiak gemieteten Safe bei der Commerzbank hinterlegt. Ein Schlüssel bleibt bei der Bank. Er kann nur eingelöst werden gegen das Codewort, das Herr Werlowiak festlegt und das außer ihm niemand von uns kennt. Seinen zweiten Schlüssel übergibt er an Herrn Finger. Dieser Schlüssel wird nach der gleichen Methode ebenfalls in einem Safe bei einer anderen Bank deponiert. Herr Finger reicht seinen zweiten Schlüssel an Herrn Zwiesel weiter, Herr Zwiesel verfährt genauso und übergibt den zweiten Schlüssel an mich. Damit ist gewährleistet, dass keiner von uns ohne die Zustimmung und Mitwirkung der anderen an das Geld herankommt. Wenn sich die Wogen der öffentlichen Erregung geglättet haben und die polizeilichen Ermittlungen im Sande verlaufen sind - das wird nach meiner Schätzung in etwa fünf bis sechs Monaten der Fall sein - erhalten Sie von mir eine Information. Wir werden dann gemeinsam das Geld aus dem Safe der Commerzbank holen und es verteilen. Bis zu diesem Zeitpunkt verhalten Sie sich absolut ruhig. Ab morgen kehrt jeder vor Ihnen an seinen Arbeitsplatz zurück und setzt sein gewohntes Leben ohne die geringste Auffälligkeit fort. Zu niemandem auch nur die geringste Andeutung über zukünftigen Reichtum. Keine Partys, keine alkoholischen Exzesse. Keine Geldausgaben, die Sie nicht mit Ihren normalen Einkünften erklären können, und auch keine Anschaffungen auf Kredit.“
Mister Brown macht eine Pause und schaut jeden eindringlich an.
Goldener Sonntag
Werlowiak hat eine Pistole in der Hand. Der Schuss ist ein sanftes Geräusch, als hätte jemand den Korken aus einer Flasche gezogen.Der Mann ist stehengeblieben, mit ungläubig aufgerissenen Augen. Auf seiner linken Brust ist ein kleiner Fleck. Der Mann schwankt ein wenig, dann fällt er auf den Rücken. Der weiße Kimono beginnt sich rings um den dunklen Fleck rot zu färben. Eddy Finger steht in der Tür des Zimmers, schüttelt den Kopf. »Warum hast du das gemacht?«, stöhnt er.Werlowiak antwortet nicht. Er schiebt die Pistole unter die Kutte in den Gürtel seiner Hose. Er hebt die Maske auf.»Los, raus hier«, sagt Werlowiak, verlässt den Raum, schnappt seine Maschinenpistole und läuft in Richtung Aufzug. Finger folgt ihm zögernd, mit weichen Knien. So hatte er sich das Unternehmen nicht vorgestellt.Werlowiak wendet sich um. »Nun komm schon, Kumpel«, sagt er. »jetzt holen wir uns bloß noch die Knete, …
Beschreibung
Werlowiak hat eine Pistole in der Hand. Der Schuss ist ein sanftes Geräusch, als hätte jemand den Korken aus einer Flasche gezogen.
Der Mann ist stehengeblieben, mit ungläubig aufgerissenen Augen. Auf seiner linken Brust ist ein kleiner Fleck. Der Mann schwankt ein wenig, dann fällt er auf den Rücken. Der weiße Kimono beginnt sich rings um den dunklen Fleck rot zu färben. Eddy Finger steht in der Tür des Zimmers, schüttelt den Kopf. »Warum hast du das gemacht?«, stöhnt er.
Werlowiak antwortet nicht. Er schiebt die Pistole unter die Kutte in den Gürtel seiner Hose. Er hebt die Maske auf.
»Los, raus hier«, sagt Werlowiak, verlässt den Raum, schnappt seine Maschinenpistole und läuft in Richtung Aufzug. Finger folgt ihm zögernd, mit weichen Knien. So hatte er sich das Unternehmen nicht vorgestellt.
Werlowiak wendet sich um. »Nun komm schon, Kumpel«, sagt er. »jetzt holen wir uns bloß noch die Knete, und dann ist alles vorbei.«
Weil er sich weigert, dem zukünftigen Schwiegersohn des Innensenators eine glänzende Beurteilung zu schreiben, verliert Kriminalkommissar Paul Fennek seinen Job bei der Berliner Kripo.
Kurze Zeit nach seiner Entlassung rauben bewaffnete Gangster die Tageseinnahmen eines Kaufhauses und töten einen Mann. Die Ermittlungen der ehemaligen Kollegen Paul Fenneks ziehen sich über Monate hin, kommen aber nicht von der Stelle. Auch ein Räuber verliert sein Leben, offenbar von seinesgleichen ermordet.
Fennek, der immer noch über gute Verbindungen zur Unterwelt verfügt, wird aus dem vorzeitigen Ruhestand zurückgeholt. Er soll die Ermittlungen übernehmen.
Bibliografische Angaben
| Erstveröffentlichung | 01.01.1993 |
|---|---|
| E-Book-Ausgabe | 06.06.2015 |
| Seiten | 226 |
| ISBN (EPUB) | 978-3-95655-402-5 |
| ISBN (PDF) | 978-3-95655-403-2 |
| ASIN (Kindle) | B00Z0J25K4 |
| Verlag | EDITION digital |
| Sprache | deutsch |
Schlagwörter
MordRaubmordRaubüberfallJuwelierWarenhausWeihnachtenErmittlungKriminalpolizeiKrimiSpannungThrillerBerlinPaul FennekKriminalkommissarRaubKaufhausüberfallGangsterMister BrownEddy FingerWerlowiakUnterweltKorruptionErmittlungenLeseprobe
Unter Anleitung von Mister Brown hat Eddy Finger eine Liste geführt und zusammengerechnet. Die Summe steht fest: zwei Millionen fünfhundertfünfundsechzigtausend Deutsche Mark.
In Hemdsärmeln sitzen die Männer um den Tisch und starren schweigend auf das Geld. Niemand von ihnen hat je zuvor eine so ungeheure Summe auf einem Haufen gesehen. Was sie gehofft hatten, was sie sich in ihren Wachträumen ausgemalt und doch nicht geglaubt hatten, es ist eingetreten. Sie haben es geschafft. Sie sind reich. Sie können sich jeden Wunsch erfüllen. All dieses Geld, ausgebreitet auf dem Tisch, direkt vor ihrer Nase, gehört ihnen.
Sie brauchen Zeit, um sich an diesen wunderbaren Gedanken zu gewöhnen. Sie rauchen hastig, sie trinken in gierigen Zügen. Sie würden sich jetzt hemmungslos besaufen, doch Mister Brown hat in kluger Voraussicht dafür gesorgt, dass sich kein Tropfen Alkohol in der Wohnung befindet.
Brown sitzt nicht mit am Tisch. Im Hintergrund, die Hände in den Taschen, lehnt er an einem Wandschrank und beobachtet seine Männer. Er kennt ihre Gefühle, er weiß genau, was in ihnen vorgeht. Was er selbst denkt, ist ihm nicht anzusehen. Mit unbewegtem Gesicht steht er da, die Augen hinter der dunklen Brille verborgen, zeigt weder Erregung noch Triumph, nicht einmal Anzeichen von Freude.
Nachdem er einige Zeit reglos gewartet hat, geht er ins Nebenzimmer und kehrt mit zwei stabilen Lederkoffern zurück.
„So, meine Herren, nun wollen wir auch noch den Rest der Arbeit erledigen. Mister Finger und Herr Zwiesel packen das Geld in die Koffer. Herr Werlowiak und ich fangen inzwischen an aufzuräumen. Die Weihnachtsmannkostüme, das Werkzeug und alles, was wir sonst benutzt haben und was nicht zur Wohnung gehört, kommt in die Leinensäcke. Auch die Kippen und die leeren Flaschen. Dann wird das Geschirr gespült. Auf geht's, Kameraden.“
Die Männer erheben sich ohne Widerspruch. Nichts festigt Autorität mehr als Erfolg.
Nach einer knappen halben Stunde ist das Notwendige getan. Die Küche, der Flur und die beiden Wohnräume blitzen vor Sauberkeit. Mister Brown führt eine abschließende Kontrolle durch und zeigt sich zufrieden.
„Nehmen Sie noch einmal Platz, meine Herren“, sagt er. „Ich möchte mit Ihnen die Geschäftsbedingungen erörtern, über die wir uns in groben Zügen bereits geeinigt haben. Der Erlös des Unternehmens wird in fünf gleiche Teile geteilt, das sind pro Mann fünfhunderttausend. Jeder von Ihnen erhält einen Teil, ich bekommen zwei Teile. Die gesamte Summe wird nach dem Zweischlüsselsystem in dem von Herrn Werlowiak gemieteten Safe bei der Commerzbank hinterlegt. Ein Schlüssel bleibt bei der Bank. Er kann nur eingelöst werden gegen das Codewort, das Herr Werlowiak festlegt und das außer ihm niemand von uns kennt. Seinen zweiten Schlüssel übergibt er an Herrn Finger. Dieser Schlüssel wird nach der gleichen Methode ebenfalls in einem Safe bei einer anderen Bank deponiert. Herr Finger reicht seinen zweiten Schlüssel an Herrn Zwiesel weiter, Herr Zwiesel verfährt genauso und übergibt den zweiten Schlüssel an mich. Damit ist gewährleistet, dass keiner von uns ohne die Zustimmung und Mitwirkung der anderen an das Geld herankommt. Wenn sich die Wogen der öffentlichen Erregung geglättet haben und die polizeilichen Ermittlungen im Sande verlaufen sind - das wird nach meiner Schätzung in etwa fünf bis sechs Monaten der Fall sein - erhalten Sie von mir eine Information. Wir werden dann gemeinsam das Geld aus dem Safe der Commerzbank holen und es verteilen. Bis zu diesem Zeitpunkt verhalten Sie sich absolut ruhig. Ab morgen kehrt jeder vor Ihnen an seinen Arbeitsplatz zurück und setzt sein gewohntes Leben ohne die geringste Auffälligkeit fort. Zu niemandem auch nur die geringste Andeutung über zukünftigen Reichtum. Keine Partys, keine alkoholischen Exzesse. Keine Geldausgaben, die Sie nicht mit Ihren normalen Einkünften erklären können, und auch keine Anschaffungen auf Kredit.“
Mister Brown macht eine Pause und schaut jeden eindringlich an.
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