
Geigenmäxle war der einzige, der Kerzenstummel besaß und hinter einer aufgespannten Decke mit einem fünfzehnjährigen polnischen Jungen – nennen wir ihn Jan – Schach spielte, weil er den Jungen leicht besiegen konnte. Jan war gleich in den ersten Tagen des Krieges vor den Deutschen geflohen und über Konstanza auf einem französischen Schiff nach Marseille gelangt. Dort hatte die Sureté ihn aufgegriffen und wie alles, was aus dem Osten kam, als „suspect“ in unser Lager geschickt. Der fünfzehnjährige Junge hatte nichts am Leibe als eine dünne Kniehose, eine alte zerrissene Sommerjacke und ein Paar Leinenschuhe. Die Kameraden der Dombrowski-Brigade nahmen sich sofort des Jungen an, gaben ihm ein Kochgeschirr, einen Holzlöffel, Fußlappen und ein Paar „Sabots“, riesige bretonische Holzschuhe. Wir alle sammelten für Jan Brot und Zucker, da der Fünfzehnjährige essen konnte wie ein Stier. Mitek von den Dombrowski-Leuten, ein früherer Ingenieur, der aber jetzt mit seinem riesigen schwarzen Bart wie ein Urmensch aus der Steinzeit aussah, Mitek hatte sich Jan in der Mittagspause vorgenommen und gab ihm Unterricht in Lesen und Schreiben. Jan behagte das nicht sehr. Er spielte lieber mit Kiki, unserm Barackenhund, oder ließ sich die verschiedenen spanischen, polnischen, italienischen Lieder der Interbrigadisten vorsingen. Geigenmäxle suchte auf seine Weise den Jungen mit Zigaretten, Apfelsinen und mit Geld einzufangen und auszunutzen. Es begann ein regulärer Kampf um den Jungen. Aber Mitek und die Polen ließen nicht nach. Jan blieb in der polnischen Koje. Oft sah ich, wie Mitek mit seinem schwarzen Märchenbart in der Mittagspause dem Jungen ernst und ruhig etwas erklärte, während Bolek ihm aus altem Papier und Schnur ein Schreibheft gemacht hatte. Was aber Jan besonders fesselte, das waren die Abzeichen der Interbrigadisten an ihren alten, verblichenen Waffenröcken und die Erzählungen über die Kämpfe der 11. Brigade am Ebro und des Tschapajew-Bataillons an der Gebirgsfront von Córdoba.
Im KZ des Pétain-Frankreichs
November 1939: Inmitten der eisigen Winde der Pyrenäen kämpfen politische Gefangene in einem abgelegenen Konzentrationslager ums Überleben. Trotz des täglichen Terrors der faschistischen Garde mobile und der unerträglichen Lebensbedingungen glimmt ein Funken Hoffnung in den Herzen der Insassen. Unter ihnen sind alte Spanienkämpfer der Internationalen Brigaden, die trotz ihrer Niederlage in Spanien ihren Glauben an eine bessere Welt nicht verloren haben.Doch wie kann man einen besonderen Tag inmitten dieses Grauens feiern? Ein kleiner polnischer Junge namens Jan hat einen mutigen Plan, der nicht nur seine Loyalität beweisen, sondern auch das Lager in einem Akt der Rebellion erhellen soll.Friedrich Wolf erzählt eine packende Geschichte von Mut, Zusammenhalt und der unerschütterlichen Hoffnung auf Freiheit. Ein bewegendes E-Book, das den Leser tief in die dunklen Tage des Zweiten Weltkriegs entführt und zeigt, dass selbst im tiefsten Dunkel ein Licht der Menschlichkeit brennen kann.
Beschreibung
November 1939: Inmitten der eisigen Winde der Pyrenäen kämpfen politische Gefangene in einem abgelegenen Konzentrationslager ums Überleben. Trotz des täglichen Terrors der faschistischen Garde mobile und der unerträglichen Lebensbedingungen glimmt ein Funken Hoffnung in den Herzen der Insassen. Unter ihnen sind alte Spanienkämpfer der Internationalen Brigaden, die trotz ihrer Niederlage in Spanien ihren Glauben an eine bessere Welt nicht verloren haben.
Doch wie kann man einen besonderen Tag inmitten dieses Grauens feiern? Ein kleiner polnischer Junge namens Jan hat einen mutigen Plan, der nicht nur seine Loyalität beweisen, sondern auch das Lager in einem Akt der Rebellion erhellen soll.
Friedrich Wolf erzählt eine packende Geschichte von Mut, Zusammenhalt und der unerschütterlichen Hoffnung auf Freiheit. Ein bewegendes E-Book, das den Leser tief in die dunklen Tage des Zweiten Weltkriegs entführt und zeigt, dass selbst im tiefsten Dunkel ein Licht der Menschlichkeit brennen kann.
Bibliografische Angaben
| Erstveröffentlichung | 15342 |
|---|---|
| E-Book-Ausgabe | 01.08.2024 |
| Seiten | 15 |
| ISBN (EPUB) | 978-3-68912-152-5 |
| ISBN (PDF) | 978-3-68912-153-2 |
| ASIN (Kindle) | B0DBJ8GC8M |
| Verlag | EDITION digital |
| Sprache | deutsch |
Schlagwörter
BesatzungszeitDunkelheit und LichtFaschistische GardeFlucht und FreiheitHistorisches DramaHoffnungsschimmerInternationale BrigadenKonzentrationslagerMenschlichkeitMut und RebellionPétain-FrankreichPolitische GefangenePyrenäenPyrenäenwindSolidaritätSowjetunionSpanienkämpferÜberlebenskampfWiderstandskämpferZweiter WeltkriegSpanischer BürgerkriegMarseilleFluchtFriedrich WolfLeseprobe
Geigenmäxle war der einzige, der Kerzenstummel besaß und hinter einer aufgespannten Decke mit einem fünfzehnjährigen polnischen Jungen – nennen wir ihn Jan – Schach spielte, weil er den Jungen leicht besiegen konnte. Jan war gleich in den ersten Tagen des Krieges vor den Deutschen geflohen und über Konstanza auf einem französischen Schiff nach Marseille gelangt. Dort hatte die Sureté ihn aufgegriffen und wie alles, was aus dem Osten kam, als „suspect“ in unser Lager geschickt. Der fünfzehnjährige Junge hatte nichts am Leibe als eine dünne Kniehose, eine alte zerrissene Sommerjacke und ein Paar Leinenschuhe. Die Kameraden der Dombrowski-Brigade nahmen sich sofort des Jungen an, gaben ihm ein Kochgeschirr, einen Holzlöffel, Fußlappen und ein Paar „Sabots“, riesige bretonische Holzschuhe. Wir alle sammelten für Jan Brot und Zucker, da der Fünfzehnjährige essen konnte wie ein Stier. Mitek von den Dombrowski-Leuten, ein früherer Ingenieur, der aber jetzt mit seinem riesigen schwarzen Bart wie ein Urmensch aus der Steinzeit aussah, Mitek hatte sich Jan in der Mittagspause vorgenommen und gab ihm Unterricht in Lesen und Schreiben. Jan behagte das nicht sehr. Er spielte lieber mit Kiki, unserm Barackenhund, oder ließ sich die verschiedenen spanischen, polnischen, italienischen Lieder der Interbrigadisten vorsingen. Geigenmäxle suchte auf seine Weise den Jungen mit Zigaretten, Apfelsinen und mit Geld einzufangen und auszunutzen. Es begann ein regulärer Kampf um den Jungen. Aber Mitek und die Polen ließen nicht nach. Jan blieb in der polnischen Koje. Oft sah ich, wie Mitek mit seinem schwarzen Märchenbart in der Mittagspause dem Jungen ernst und ruhig etwas erklärte, während Bolek ihm aus altem Papier und Schnur ein Schreibheft gemacht hatte. Was aber Jan besonders fesselte, das waren die Abzeichen der Interbrigadisten an ihren alten, verblichenen Waffenröcken und die Erzählungen über die Kämpfe der 11. Brigade am Ebro und des Tschapajew-Bataillons an der Gebirgsfront von Córdoba.
Friedrich Wolf
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