
„Seit 1921. Da hab ich mir das Haus gebaut, sechzehn Hektar Land gab mir der Dorfsowjet.“
„Aufgeteiltes Land?“
„Natürlich. Dafür haben wir doch die Sowjets!“
Er merkt, dass er gelobt hat, wo er tadeln wollte; dafür schimpft er jetzt: „Aber es kommen immer mehr in unsern Kolchos, wie Bienen auf den Zucker kommen sie seit dem letzten Jahr, dreißig Aufnahmegesuche in einer einzigen Sitzung; bald wird kein Platz mehr sein.“
„Wird man die Gesuche abweisen?“
„Wie kann man das?“ Er kommt jetzt ganz nahe heran und flüstert mir wie ein süßes Geheimnis ins Ohr: „Wissen Sie, wenn ich meinen Plan erst hier durchgedrückt habe; Baum- und Beerenobst in jeden Garten, auf die Felder, an die Straßen … ein Paradies wird das hier, Nahrung für noch einige Schock Menschen!“ Aber sofort fällt er wieder in sein Knurren: „Ach was, das erlebe ich ja doch nicht, das verdammte Ischias, meine achtundfünfzig Jahre …“ Er hopst zwischen den blühenden Apfelkulturen umher, bricht die überzähligen Triebe und Blüten der Zweijährigen, bindet die Fünfjährigen, knurrend, schimpfend, arbeitend, mit erregtem, glücklichem Gesicht, uns von den kommenden Obstkulturen – seinen Plänen während der nächsten zehn Jahre im Kollektiv erzählend. Das ist der Papa Schmidt.
Im Haus treffen wir seine ältere Tochter, Nina Kober. Sie ist fünfundzwanzig Jahre alt, eine kräftige blonde Frau, rein deutscher Typ. Sie hat zwei Kinder. Ein Bündelchen strampelt im Bettchen.
Papa Schmidt und seine Töchter
Der Autor erzählt eine Geschichte aus den frühen Tagen der sowjetischen Kollektivwirtschaft. Im Mittelpunkt steht der griesgrämige, aber unermüdliche Papa Schmidt, ein deutscher Mennonit, der als Gärtner und Pionier für den Aufbau eines neuen Waldes kämpft. Doch inmitten seines Tatendrangs steht er oft im Konflikt mit den bürokratischen Strukturen und den neuen Kollektivisten. Mit seiner schroffen Art, aber visionären Plänen, verkörpert Papa Schmidt den schwierigen Übergang von der alten, ländlichen Lebensweise zur neuen sozialistischen Ordnung. Diese kraftvolle Erzählung ist ein faszinierendes Porträt der frühen sowjetischen Kolchosen und zeigt die Herausforderungen und Hoffnungen einer Generation, die zwischen Tradition und Moderne steht. Eine zeitlose Geschichte über den Konflikt zwischen Idealismus, Realität und dem Wunsch, die Welt zu gestalten.
Beschreibung
Der Autor erzählt eine Geschichte aus den frühen Tagen der sowjetischen Kollektivwirtschaft. Im Mittelpunkt steht der griesgrämige, aber unermüdliche Papa Schmidt, ein deutscher Mennonit, der als Gärtner und Pionier für den Aufbau eines neuen Waldes kämpft. Doch inmitten seines Tatendrangs steht er oft im Konflikt mit den bürokratischen Strukturen und den neuen Kollektivisten. Mit seiner schroffen Art, aber visionären Plänen, verkörpert Papa Schmidt den schwierigen Übergang von der alten, ländlichen Lebensweise zur neuen sozialistischen Ordnung. Diese kraftvolle Erzählung ist ein faszinierendes Porträt der frühen sowjetischen Kolchosen und zeigt die Herausforderungen und Hoffnungen einer Generation, die zwischen Tradition und Moderne steht. Eine zeitlose Geschichte über den Konflikt zwischen Idealismus, Realität und dem Wunsch, die Welt zu gestalten.
Bibliografische Angaben
| Erstveröffentlichung | 12420 |
|---|---|
| E-Book-Ausgabe | 19.09.2024 |
| Seiten | 22 |
| ISBN (EPUB) | 978-3-68912-245-4 |
| ISBN (PDF) | 978-3-68912-246-1 |
| ASIN (Kindle) | B0DH93134X |
| Verlag | EDITION digital |
| Sprache | deutsch |
Schlagwörter
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„Seit 1921. Da hab ich mir das Haus gebaut, sechzehn Hektar Land gab mir der Dorfsowjet.“
„Aufgeteiltes Land?“
„Natürlich. Dafür haben wir doch die Sowjets!“
Er merkt, dass er gelobt hat, wo er tadeln wollte; dafür schimpft er jetzt: „Aber es kommen immer mehr in unsern Kolchos, wie Bienen auf den Zucker kommen sie seit dem letzten Jahr, dreißig Aufnahmegesuche in einer einzigen Sitzung; bald wird kein Platz mehr sein.“
„Wird man die Gesuche abweisen?“
„Wie kann man das?“ Er kommt jetzt ganz nahe heran und flüstert mir wie ein süßes Geheimnis ins Ohr: „Wissen Sie, wenn ich meinen Plan erst hier durchgedrückt habe; Baum- und Beerenobst in jeden Garten, auf die Felder, an die Straßen … ein Paradies wird das hier, Nahrung für noch einige Schock Menschen!“ Aber sofort fällt er wieder in sein Knurren: „Ach was, das erlebe ich ja doch nicht, das verdammte Ischias, meine achtundfünfzig Jahre …“ Er hopst zwischen den blühenden Apfelkulturen umher, bricht die überzähligen Triebe und Blüten der Zweijährigen, bindet die Fünfjährigen, knurrend, schimpfend, arbeitend, mit erregtem, glücklichem Gesicht, uns von den kommenden Obstkulturen – seinen Plänen während der nächsten zehn Jahre im Kollektiv erzählend. Das ist der Papa Schmidt.
Im Haus treffen wir seine ältere Tochter, Nina Kober. Sie ist fünfundzwanzig Jahre alt, eine kräftige blonde Frau, rein deutscher Typ. Sie hat zwei Kinder. Ein Bündelchen strampelt im Bettchen.
Friedrich Wolf
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