
An einem der nächsten Tage gab mir Onkel Julius eine praktische Probe seiner Theorie. Er nahm, nachdem er sich eine Havanna zwischen die Zähne geklemmt hatte, aus einer Streichholzschachtel ein abgebranntes Streichholz, ging zum Kamin, entzündete es dort und steckte so seine Zigarre an. Das sollte mir imponieren. Aber irgendetwas schien mir dabei nicht zu stimmen. Als Junge, der allem Zweifelhaften unbedingt auf die Spur zu kommen suchte, verbarg ich mich morgens in der dem Zimmer gegenüberliegenden Werkstatt. Gerade steckte der Onkel sich die Zigarre in den Mund, riss ohne Zögern ein frisches Streichhölzchen an der Zündfläche an und, als dieses nicht funkte, noch ein zweites und drittes. So also sah die Wahrheit der Entstehung von Rockefellers Millionen aus! Konnte man diesen Erwachsenen überhaupt noch glauben?
Eines Tages stellte der Onkel fest, dass meine Fingernägel „Trauer trügen“. Er machte auch daraus eine moralische Sache und erklärte mir düster, dass allmählich die ganzen Nägel schwarz würden, die „Monde“ am Nagelrand zuwüchsen und dann der Mensch sterben müsse. Eine Woche später packte mich der Polizeiwachtmeister Dönges, weil ein Stein, den ich gegen meinen Freund Schorsch geworfen hatte, gemeinerweise in eine große Spiegelfensterscheibe geflogen war. Während ich noch gegen das Schienbein der Polizeimacht trat, um freizukommen, sah ich plötzlich, dass die „Monde“ an den Fingernägeln des Wachtmeisters völlig zugewachsen waren und dass er dennoch lebte.
Alles Lüge! Alles Schwindel, was Onkel Julius mir vorgeredet hatte! Hier musste etwas geschehn!
Die Streichholzschachtel oder Weshalb ich nicht Millionär wurde
In der faszinierenden Welt von Fritz, einem wissbegierigen Jungen mit einer Leidenschaft für angewandte Chemie, beginnt eine abenteuerliche Geschichte voller Schabernack und wertvoller Lebenslektionen. Nach einem missglückten Experiment und zahlreichen Streichen wird Fritz in die strenge Obhut seines Onkels Julius gegeben – einem disziplinierten Tuchfabrikanten und Verfechter harter Arbeit und Sparsamkeit.Onkel Julius' Lebensweisheiten und sein unnachgiebiger Drang, aus allem das Beste zu machen, bringen Fritz oft in prekäre Situationen. Doch statt zu verzweifeln, nutzt Fritz seinen Einfallsreichtum, um sich aus der ein oder anderen Klemme zu befreien und seinem Onkel die Stirn zu bieten. Dabei entdeckt er, dass das Geheimnis zum Erfolg nicht immer in der Nachahmung von Vorbildern wie Rockefeller liegt, sondern in der Fähigkeit, die Welt mit eigenen Augen zu sehen und eigene Wege zu gehen.Mit einem Augenzwinkern erzählt Fritz von seinen Erlebnissen und den skurrilen Lektionen, die er von seinem Onkel gelernt …
Beschreibung
In der faszinierenden Welt von Fritz, einem wissbegierigen Jungen mit einer Leidenschaft für angewandte Chemie, beginnt eine abenteuerliche Geschichte voller Schabernack und wertvoller Lebenslektionen. Nach einem missglückten Experiment und zahlreichen Streichen wird Fritz in die strenge Obhut seines Onkels Julius gegeben – einem disziplinierten Tuchfabrikanten und Verfechter harter Arbeit und Sparsamkeit.
Onkel Julius' Lebensweisheiten und sein unnachgiebiger Drang, aus allem das Beste zu machen, bringen Fritz oft in prekäre Situationen. Doch statt zu verzweifeln, nutzt Fritz seinen Einfallsreichtum, um sich aus der ein oder anderen Klemme zu befreien und seinem Onkel die Stirn zu bieten. Dabei entdeckt er, dass das Geheimnis zum Erfolg nicht immer in der Nachahmung von Vorbildern wie Rockefeller liegt, sondern in der Fähigkeit, die Welt mit eigenen Augen zu sehen und eigene Wege zu gehen.
Mit einem Augenzwinkern erzählt Fritz von seinen Erlebnissen und den skurrilen Lektionen, die er von seinem Onkel gelernt hat. Eine humorvolle und herzerwärmende Geschichte über das Erwachsenwerden, die Suche nach dem eigenen Weg und den Wert von Kreativität und Mut.
Bibliografische Angaben
| Erstveröffentlichung | 17533 |
|---|---|
| E-Book-Ausgabe | 01.08.2024 |
| Seiten | 13 |
| ISBN (EPUB) | 978-3-68912-144-0 |
| ISBN (PDF) | 978-3-68912-145-7 |
| ASIN (Kindle) | B0D6P72ZFQ |
| Verlag | EDITION digital |
| Sprache | deutsch |
Schlagwörter
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An einem der nächsten Tage gab mir Onkel Julius eine praktische Probe seiner Theorie. Er nahm, nachdem er sich eine Havanna zwischen die Zähne geklemmt hatte, aus einer Streichholzschachtel ein abgebranntes Streichholz, ging zum Kamin, entzündete es dort und steckte so seine Zigarre an. Das sollte mir imponieren. Aber irgendetwas schien mir dabei nicht zu stimmen. Als Junge, der allem Zweifelhaften unbedingt auf die Spur zu kommen suchte, verbarg ich mich morgens in der dem Zimmer gegenüberliegenden Werkstatt. Gerade steckte der Onkel sich die Zigarre in den Mund, riss ohne Zögern ein frisches Streichhölzchen an der Zündfläche an und, als dieses nicht funkte, noch ein zweites und drittes. So also sah die Wahrheit der Entstehung von Rockefellers Millionen aus! Konnte man diesen Erwachsenen überhaupt noch glauben?
Eines Tages stellte der Onkel fest, dass meine Fingernägel „Trauer trügen“. Er machte auch daraus eine moralische Sache und erklärte mir düster, dass allmählich die ganzen Nägel schwarz würden, die „Monde“ am Nagelrand zuwüchsen und dann der Mensch sterben müsse. Eine Woche später packte mich der Polizeiwachtmeister Dönges, weil ein Stein, den ich gegen meinen Freund Schorsch geworfen hatte, gemeinerweise in eine große Spiegelfensterscheibe geflogen war. Während ich noch gegen das Schienbein der Polizeimacht trat, um freizukommen, sah ich plötzlich, dass die „Monde“ an den Fingernägeln des Wachtmeisters völlig zugewachsen waren und dass er dennoch lebte.
Alles Lüge! Alles Schwindel, was Onkel Julius mir vorgeredet hatte! Hier musste etwas geschehn!
Friedrich Wolf
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