
Mein Gott, Willi, wie siehst du denn aus, alter Junge? Also auch schon fertig gemacht, ich meine natürlich reisefertig! Schön siehst du aus in der neuen Uniform, frisch wie von der Stange, der reinste Kreuzritter … nee, nee, Spaß beiseite, ich meine das nicht wegen dem Stück Eisen im Kreuz, das kommt ja da draußen von ganz alleine, ich meine, weil du an dem Kreuzzug im Osten jetzt teilnehmen darfst: Willi aus den Siemens-Schuckert-Werken oder der jüngste Kreuzritter!
Sag mal, Willi, du warst doch eigentlich als Eisendreher in eurer Abteilung u. k., hochgradig unabkömmlich die ganzen Kriegsjahre, und jetzt haben sie auch dich geangelt? Muss ja ein ziemlicher Materialmangel da auf den Schlachtfeldern im Osten sein, an Menschenmaterial, dass sie hier daheim schon den eisernen Bestand angreifen. Oder hast du dir hier vielleicht die Schnauze verbrannt, Willi? Bist doch sonst so ’n stilles Wässerchen! Nichts passiert, gar nichts … konnt ich mir auch nicht denken.
Vom U. K. zum H. K.
Die Geschichte von Willi, einem Arbeiter in den Berliner Siemens-Schuckert-Werken, der vom kriegswichtigen Status (u. k. – unabkömmlich) zur Ostfront geschickt wird. In einem bitteren Dialog mit seinem Kollegen Paul werden die Schrecken des Krieges und der Zynismus des militärischen Apparats entlarvt. In dieser kurzen, aber eindringlichen Erzählung von 1942 wird das Schicksal einfacher Arbeiter im Krieg beleuchtet – eine Mahnung an die Menschlichkeit in unmenschlichen Zeiten. Pauls Warnung vor dem "Himmelfahrtskommando" (H. K.) lässt den Leser nachdenklich zurück.
Beschreibung
Die Geschichte von Willi, einem Arbeiter in den Berliner Siemens-Schuckert-Werken, der vom kriegswichtigen Status (u. k. – unabkömmlich) zur Ostfront geschickt wird. In einem bitteren Dialog mit seinem Kollegen Paul werden die Schrecken des Krieges und der Zynismus des militärischen Apparats entlarvt. In dieser kurzen, aber eindringlichen Erzählung von 1942 wird das Schicksal einfacher Arbeiter im Krieg beleuchtet – eine Mahnung an die Menschlichkeit in unmenschlichen Zeiten. Pauls Warnung vor dem "Himmelfahrtskommando" (H. K.) lässt den Leser nachdenklich zurück.
Bibliografische Angaben
| Erstveröffentlichung | 15342 |
|---|---|
| E-Book-Ausgabe | 04.10.2024 |
| Seiten | 11 |
| ISBN (EPUB) | 978-3-68912-305-5 |
| ISBN (PDF) | 978-3-68912-306-2 |
| ASIN (Kindle) | B0DJ7M7W2W |
| Verlag | EDITION digital |
| Sprache | deutsch |
Schlagwörter
ArbeiterklasseBerliner ArbeiterFrankreichFrontsoldatenHeimatfrontHimmelfahrtskommandoIronie des KriegesKameradschaftKreuzzugKriegKriegsdienstKriegspropagandaKriegstraumaMenschenschicksalOstfrontPariser ArbeiterSiemens-SchuckertUnabkömmlichZwangsarbeitZynismusWilliPaulu. k.H. K.Leseprobe
Mein Gott, Willi, wie siehst du denn aus, alter Junge? Also auch schon fertig gemacht, ich meine natürlich reisefertig! Schön siehst du aus in der neuen Uniform, frisch wie von der Stange, der reinste Kreuzritter … nee, nee, Spaß beiseite, ich meine das nicht wegen dem Stück Eisen im Kreuz, das kommt ja da draußen von ganz alleine, ich meine, weil du an dem Kreuzzug im Osten jetzt teilnehmen darfst: Willi aus den Siemens-Schuckert-Werken oder der jüngste Kreuzritter!
Sag mal, Willi, du warst doch eigentlich als Eisendreher in eurer Abteilung u. k., hochgradig unabkömmlich die ganzen Kriegsjahre, und jetzt haben sie auch dich geangelt? Muss ja ein ziemlicher Materialmangel da auf den Schlachtfeldern im Osten sein, an Menschenmaterial, dass sie hier daheim schon den eisernen Bestand angreifen. Oder hast du dir hier vielleicht die Schnauze verbrannt, Willi? Bist doch sonst so ’n stilles Wässerchen! Nichts passiert, gar nichts … konnt ich mir auch nicht denken.
Friedrich Wolf
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