
Auf dem Rückflug zum Sonnensystem überkam Joschka das Bedürfnis, sich die Füße ein wenig zu vertreten, und Fränki steuerte den nächsten am Wege liegenden Planeten an. Die beiden Freunde hatten die Rakete kaum verlassen, als sie, selbst ungesehen, einen Trupp von zwei oder drei Dutzend Menschen vorbeihasten sahen.
»Die rennen ja«, rief Joschka, »als ob der Teufel hinter ihnen her wäre!«
»Da werden wir ihnen mal hinterdrein rennen«,
meinte Fränki. »Anders können wir nicht erfahren, ob du recht hast.«
Also nahmen die beiden ihre Beine unter die Arme und machten sich an die Verfolgung. Und sobald sie auf Hörweite an die Leute herangekommen waren, rief Fränki ihnen zu, doch mal Pause zu machen, um auf vernünftige Art ein Wort miteinander reden zu können. Einige wandten sich auch um, liefen jedoch, nachdem sie eine ebenso kurze wie verzweifelte Geste gemacht hatten, nur um so schneller weiter. Die beiden Freunde legten ebenfalls ein Schrittchen zu, und als sie die Leute eingeholt hatten, ließ sich einer von ihnen etwas zurückfallen.
»Seid ihr gekommen, um uns zu retten?«, fragte er, ohne im Laufen innezuhalten.
»Nein«, entgegnete Fränki, »und ich habe auch keine Lust dazu, wenn ihr weiterhin wie die Hasen davonlauft.«
»Aber das ist es gerade«, erklärte der Mann, »wir müssen laufen, was die Beine hergeben, sonst sind wir des Todes.«
»Und vor wem lauft ihr davon?«, wollte Fränki wissen.
»Vor dem Tag«, erklärte der Mann, »oder vor der Nacht. Auf diesem vermaledeiten Planeten ist es nachts so kalt, wie es tagsüber heiß ist, in jedem Falle aber ist es nicht zum Aushalten. Daher rennen wir der Grenze zwischen Tag und Nacht hinterher, denn das ist der einzige Punkt, wo eine erträgliche Temperatur herrscht.«
»Weshalb seid ihr dann auf diesen Planeten gekommen?«, fragte Joschka.
»Aus Versehen«, erklärte der Mann. »Wir waren zu einer dreiwöchigen Kur auf einem heilkräftigen Stern unterwegs. Da bockte plötzlich die Rakete, und wir mussten hier notlanden. Das war vor acht Tagen. So lange rennen wir schon um unser Leben.«
»Ohne zu essen und zu schlafen?«, erkundigte sich Fränki.
Der Mann riss im Vorbeirennen eine melonengroße Frucht von einem Baum. »Dem Himmel sei Dank«, erklärte er, »wächst hier genügend essbares Obst. Mit dem Schlafen ist es schon schwieriger. Wir laufen, soweit die Hitze es uns erlaubt, in den Tag hinein und legen uns nieder, bis uns die Kälte der nachkommenden Nacht wieder aufscheucht. Da sich dieser Planet ungewöhnlich langsam dreht, können wir die verschlafene Zeit wieder einholen, und je schneller wir laufen, desto öfter können wir uns schlafen legen.«
Mit diesen Worten beschleunigte der Mann das Tempo und setzte sich an die Spitze des Trupps. Die beiden Freunde hielten Anschluss, haschten ab und zu nach einer Melone, legten sich, sobald sie in die Hitze gekommen waren, mit den übrigen zum Schlafen nieder und rannten, sobald die Kälte sie überfiel, der untergegangenen Sonne hinterher.
»Wenn das noch lange so geht«, keuchte Joschka, »werde ich noch ganz blödsinnig von der Rennerei.«
Fränki feixte. »Ich dachte, du wolltest dir ein wenig die Füße vertreten.«
»Ein wenig schon«, jammerte Joschka, »aber doch nicht ganz und gar. Und wenn du dir nicht bald etwas einfallen lässt, hat sich’s für immer ausgetreten.«
»Das ist nur die übliche Krise«, erwiderte Fränki, »danach fühlst du dich wie neugeboren.«
»Neugeboren«, rief Joschka entsetzt, »auf diesem Planeten! Da möchte ich lieber auf der Stelle tot umfallen!«
Doch Fränki behielt recht. Und als Joschka sich wie neugeboren fühlte, sagte sein Freund: »Nach meiner Rechnung sind unsere Mitläufer jetzt drei Wochen hier. Ich glaube nicht, dass man ihnen eine Überschreitung der Kurzeit gestattet.«
Eben da tauchte auch schon ein Raumschiff am Horizont auf, kam schnell näher und landete unmittelbar vor der rennenden Gesellschaft.
»Das grenzt an Zauberei!«, rief Joschka. »Keiner konnte wissen, dass die Patienten hier gestrandet sind. Sie sollten doch zu einem heilkräftigen Planeten fahren.«
»Und«, fragte Fränki, »sind sie das etwa nicht? Du selbst fühlst dich doch wie neugeboren, und dabei fehlen dir noch acht Tage an der vollen Kur.«
»Dann war die Notlandung«, vergewisserte sich Joschka, »gar keine Notlandung, sondern ein Trick, um die Leute auf diesen Planeten zu lotsen.«
»Aus freien Stücken wären sie wohl nicht hierhergekommen«, meinte Fränki. »Wer läuft schon um sein Leben, wenn der Tod noch fern ist.«
Der astronomische Dieb. Utopische Anekdoten um den erfindungsreichen Mechanikus Fränki und seinen ihm anhängenden Freund Joschka
Hier werden utopische Spiele geboten. Hauptakteur Fränki, dessen Auftritte kauzig, töricht oder gönnerhaft sein können, kennt kein Faulbett. Mit seinem Freund Joschka knüpft er Einfälle und Begebenheiten zu Anekdoten. Schelmischer Eigensinn rückt dabei manches Abenteuer in die Nähe eines skurrilen Spaßes. Einmal jagen sie durchs Weltall und narren mit listigen Manövern unangemessene Ansprüche ferner Sternenbewohner, dann wieder sind sie in heimischer Umgebung und probieren die halbe Unsterblichkeit aus. Das Inventar ihrer Spiele sorgt für Abwechslungen: Energieprobleme scheint ein Sonnenmobil vergessen zu machen, eine Ehrenkompanie lässt sich auf ganz andere Art abschreiten, Ärgernisse des Alltags werden durch schrille Signaltöne unüberhörbar gemacht.Der Roboter stellt sich in gelungener Vervollkommnung vor. Schreibern von Kriminalromanen wird ein guter Rat für alle Zeiten und Gelegenheiten gegeben.Das alles geschieht mit astronomischer Sicherheit. Also pünktlich und fast immer reibungslos. Und haben Fränki und Joschka mal ein etwas problematisches Abenteuer zu bestehen, gelingt ihnen …
Beschreibung
Hier werden utopische Spiele geboten. Hauptakteur Fränki, dessen Auftritte kauzig, töricht oder gönnerhaft sein können, kennt kein Faulbett. Mit seinem Freund Joschka knüpft er Einfälle und Begebenheiten zu Anekdoten. Schelmischer Eigensinn rückt dabei manches Abenteuer in die Nähe eines skurrilen Spaßes. Einmal jagen sie durchs Weltall und narren mit listigen Manövern unangemessene Ansprüche ferner Sternenbewohner, dann wieder sind sie in heimischer Umgebung und probieren die halbe Unsterblichkeit aus. Das Inventar ihrer Spiele sorgt für Abwechslungen: Energieprobleme scheint ein Sonnenmobil vergessen zu machen, eine Ehrenkompanie lässt sich auf ganz andere Art abschreiten, Ärgernisse des Alltags werden durch schrille Signaltöne unüberhörbar gemacht.
Der Roboter stellt sich in gelungener Vervollkommnung vor. Schreibern von Kriminalromanen wird ein guter Rat für alle Zeiten und Gelegenheiten gegeben.
Das alles geschieht mit astronomischer Sicherheit. Also pünktlich und fast immer reibungslos. Und haben Fränki und Joschka mal ein etwas problematisches Abenteuer zu bestehen, gelingt ihnen ein witziger und das heißt hier rettender Einfall. Die utopische Anekdote stellt sich als Spiel mit fantastischen Apparaturen und gedanklichen Verstiegenheiten vor. Bei aller Kuriosität, die auch von singenden Blumen und einem Dirigenten, dem selbst bei größter Hitze kein Stirnschweiß perlt, zu berichten weiß, gehen in Branstners Anekdoten Gemütlichkeit und stimmungsvolle Heiterkeit nicht verloren.
Bibliografische Angaben
| Erstveröffentlichung | 01.01.1973 |
|---|---|
| E-Book-Ausgabe | 02.09.2016 |
| Seiten | 103 |
| ISBN (EPUB) | 978-3-95655-714-9 |
| ISBN (PDF) | 978-3-95655-715-6 |
| ASIN (Kindle) | B01LG1LPJ6 |
| Verlag | EDITION digital |
| Sprache | deutsch |
Schlagwörter
Science FictionHumorKurzgeschichtenWeltallAußerirdischeErfinderutopische AnekdotenFränkiJoschkaScience-FictionSatireRoboterSonnensystemPlanetenErfindungenUtopieAlltagskomikfantastische ApparaturenLeseprobe
Auf dem Rückflug zum Sonnensystem überkam Joschka das Bedürfnis, sich die Füße ein wenig zu vertreten, und Fränki steuerte den nächsten am Wege liegenden Planeten an. Die beiden Freunde hatten die Rakete kaum verlassen, als sie, selbst ungesehen, einen Trupp von zwei oder drei Dutzend Menschen vorbeihasten sahen.
»Die rennen ja«, rief Joschka, »als ob der Teufel hinter ihnen her wäre!«
»Da werden wir ihnen mal hinterdrein rennen«,
meinte Fränki. »Anders können wir nicht erfahren, ob du recht hast.«
Also nahmen die beiden ihre Beine unter die Arme und machten sich an die Verfolgung. Und sobald sie auf Hörweite an die Leute herangekommen waren, rief Fränki ihnen zu, doch mal Pause zu machen, um auf vernünftige Art ein Wort miteinander reden zu können. Einige wandten sich auch um, liefen jedoch, nachdem sie eine ebenso kurze wie verzweifelte Geste gemacht hatten, nur um so schneller weiter. Die beiden Freunde legten ebenfalls ein Schrittchen zu, und als sie die Leute eingeholt hatten, ließ sich einer von ihnen etwas zurückfallen.
»Seid ihr gekommen, um uns zu retten?«, fragte er, ohne im Laufen innezuhalten.
»Nein«, entgegnete Fränki, »und ich habe auch keine Lust dazu, wenn ihr weiterhin wie die Hasen davonlauft.«
»Aber das ist es gerade«, erklärte der Mann, »wir müssen laufen, was die Beine hergeben, sonst sind wir des Todes.«
»Und vor wem lauft ihr davon?«, wollte Fränki wissen.
»Vor dem Tag«, erklärte der Mann, »oder vor der Nacht. Auf diesem vermaledeiten Planeten ist es nachts so kalt, wie es tagsüber heiß ist, in jedem Falle aber ist es nicht zum Aushalten. Daher rennen wir der Grenze zwischen Tag und Nacht hinterher, denn das ist der einzige Punkt, wo eine erträgliche Temperatur herrscht.«
»Weshalb seid ihr dann auf diesen Planeten gekommen?«, fragte Joschka.
»Aus Versehen«, erklärte der Mann. »Wir waren zu einer dreiwöchigen Kur auf einem heilkräftigen Stern unterwegs. Da bockte plötzlich die Rakete, und wir mussten hier notlanden. Das war vor acht Tagen. So lange rennen wir schon um unser Leben.«
»Ohne zu essen und zu schlafen?«, erkundigte sich Fränki.
Der Mann riss im Vorbeirennen eine melonengroße Frucht von einem Baum. »Dem Himmel sei Dank«, erklärte er, »wächst hier genügend essbares Obst. Mit dem Schlafen ist es schon schwieriger. Wir laufen, soweit die Hitze es uns erlaubt, in den Tag hinein und legen uns nieder, bis uns die Kälte der nachkommenden Nacht wieder aufscheucht. Da sich dieser Planet ungewöhnlich langsam dreht, können wir die verschlafene Zeit wieder einholen, und je schneller wir laufen, desto öfter können wir uns schlafen legen.«
Mit diesen Worten beschleunigte der Mann das Tempo und setzte sich an die Spitze des Trupps. Die beiden Freunde hielten Anschluss, haschten ab und zu nach einer Melone, legten sich, sobald sie in die Hitze gekommen waren, mit den übrigen zum Schlafen nieder und rannten, sobald die Kälte sie überfiel, der untergegangenen Sonne hinterher.
»Wenn das noch lange so geht«, keuchte Joschka, »werde ich noch ganz blödsinnig von der Rennerei.«
Fränki feixte. »Ich dachte, du wolltest dir ein wenig die Füße vertreten.«
»Ein wenig schon«, jammerte Joschka, »aber doch nicht ganz und gar. Und wenn du dir nicht bald etwas einfallen lässt, hat sich’s für immer ausgetreten.«
»Das ist nur die übliche Krise«, erwiderte Fränki, »danach fühlst du dich wie neugeboren.«
»Neugeboren«, rief Joschka entsetzt, »auf diesem Planeten! Da möchte ich lieber auf der Stelle tot umfallen!«
Doch Fränki behielt recht. Und als Joschka sich wie neugeboren fühlte, sagte sein Freund: »Nach meiner Rechnung sind unsere Mitläufer jetzt drei Wochen hier. Ich glaube nicht, dass man ihnen eine Überschreitung der Kurzeit gestattet.«
Eben da tauchte auch schon ein Raumschiff am Horizont auf, kam schnell näher und landete unmittelbar vor der rennenden Gesellschaft.
»Das grenzt an Zauberei!«, rief Joschka. »Keiner konnte wissen, dass die Patienten hier gestrandet sind. Sie sollten doch zu einem heilkräftigen Planeten fahren.«
»Und«, fragte Fränki, »sind sie das etwa nicht? Du selbst fühlst dich doch wie neugeboren, und dabei fehlen dir noch acht Tage an der vollen Kur.«
»Dann war die Notlandung«, vergewisserte sich Joschka, »gar keine Notlandung, sondern ein Trick, um die Leute auf diesen Planeten zu lotsen.«
»Aus freien Stücken wären sie wohl nicht hierhergekommen«, meinte Fränki. »Wer läuft schon um sein Leben, wenn der Tod noch fern ist.«
Inhaltsverzeichnis
Der gravierende Unterschied
Schattenspiele
Das Sonnenmobil
Ohne Kontakt kein Takt
Die umgekehrte Utopie
SOS im Rasierwasser
Die unberechenbare Größe
Die idiotensichere Erfindung
Die Defekthexen
Großer Tanz um einen kleinen Zeh
Die Katastrophe ohne Schönheitsfehler
Die halbe Unsterblichkeit
Der Behelfsmensch
Das entblätterte Buch
Die Macht der kleinen Reibungen
Der verblümte Stern
Geometrische Theologie
Jedem seinen eigenen Kammerdiener
Das Wunder der Arglosigkeit
Der Schüttelkrimi
Der ehrenvolle Empfang
Der sprechende Hut
Eine nicht buchstäbliche Geschichte
Die humoristische Klausel
Schach dem Roboter
Die fundamentale Idee
Die formalistische Quelle
Der Bekehrungsapparat
Das medizinische Marionettentheater
Das durchnässte Gedächtnis
Der Umkehrspray
Der astronomische Dieb
Die sinnverkehrte Welt
Die Kur wider Willen
Der Streitvermeider
Die absonderliche Sprachpflege
Der Auto-Effekt
Der Geist der Gemütlichkeit
Die Idee auf Rollschuhen
Die weibstollen Automaten
Nichts ist vollkommen
Der unlösbare Fall
Des Lebens Überfluss
Wie es euch gefällt
Die Zeitkrankheit
Was braucht der Mensch?
Die Verfreundungsmaschine
Gerhard Branstner
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Plebejade oder die wundersamen Verrichtungen eines Riesen. Eine kreuz und quer wahrhaftige und ungelogen sehr frei in der Art des Francois Rabelais verfasste Historie
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