
Raubald wusste nicht, was ein Zelt war, er hielt das graue Ding für einen spitzen Felsen und wunderte sich nur, wie er hierher kam. Auf die Stadt zusegelnd, rief er laut den Namen Telwinas, denn er dachte sich schon, dass sie dort zu finden war.
Telwina hörte seinen Ruf und schloss schnell alle Fenster. Sie wollte nicht mehr mit dem Ungeheuer sprechen.
Auch der Scheuch und seine Gäste vernahmen die laute krächzende Stimme. Sie sahen den Drachen heranschweben und sprangen auf. Doch selbst der Herrscher der Smaragdenstadt, der fast die Höhe seines Palastes erreichte, musste den Kopf in den Nacken legen. Raubald dachte nämlich an den Tritt gegen seinen Unterkiefer und hütete sich, tiefer herabzukommen.
"Lass Telwina in Ruhe", rief der Scheuch. "Sie feiert nächste Woche Hochzeit. Was willst du noch von ihr?"
Der Drachenkönig schrie wütend:
"Halte du dich da raus, Riese. Es gibt keine Hochzeit. Komm aus deiner Höhle, Telwina, damit ich dich mitnehmen kann."
"Was Telwina tut, entscheidet allein sie. Scher dich fort aus unserem Land, sonst müssen wir dich mit Gewalt vertreiben." Der Scheuch wurde langsam ärgerlich.
"Mit Gewalt? Was kannst du mit deinem am Boden kriechenden Zwergenvolk schon gegen einen wie mich ausrichten?"
Der Tapfere Löwe mischte sich ein. Er brüllte, so laut er konnte:
"Zwergenvolk? Komm herunter, du Angeber, und stell dich, damit ich dir meine Zähne in die Kehle schlage."
Der Eiserne Holzfäller trat neben den Löwen und zog seine Axt aus dem Gürtel.
"Du solltest dich schämen, so mit uns zu sprechen", erklärte er. "Jeder, der ein bisschen Herz hat, weiß, dass Liebe nicht zu erzwingen ist. Ob nun Zwerg oder Riese, das trifft auf alle zu."
Doch die Worte der beiden beeindruckten den Drachen wenig. Erst als sich der Scheuch nach einem Findling bückte, der im Park zu einer Grottenlandschaft gehörte, fauchte er wütend:
"Ich sehe schon, ihr wollt nicht gehorchen. Dann wisst, dass ich einen Fluch über eure Stadt bringen kann, der euch in Not und Verzweiflung stürzt. Auf Knien werdet ihr zu meiner königlichen Höhle gekrochen kommen und mich unterwürfig um Vergebung bitten."
Der Scheuch konnte nicht mehr an sich halten. Er nahm den Stein und warf ihn nach dem Drachen. Besonders geschickt stellte er sich dabei freilich nicht an. Nicht nur, dass er sein Ziel um Längen verfehlte - der herabfallende Findling hätte beinahe noch die Stadtmauer beschädigt.
Trotzdem schrie Raubald:
"Das wirst du mir büßen, Riese, alles werdet ihr mir büßen. Ihr sollt zum Leiden verdammt sein, bis ihr euch meinem Willen unterwerft!" Und er fügte, heftig mit den Flügeln schlagend, den Bannspruch hinzu, der sich ihm eingeprägt hatte:
"Fluch über euch, Blitz und Gewitter! Wasserfluten, solange ihr mir nicht gehorcht! Hagel über das Land, Tod und Verwüstung! Nacht über euch in Gingemas Namen."
Der Fluch des Drachenkönigs. Band 4 der Nikolai-Bachnow-Bücher
Ein Mädchen aus dem Zauberland, Telwina Wunderschön, wird zu ihrem Entsetzen und dem ihres Onkels Din Gior von einem hässlichen Drachen zur Frau begehrt. Raubald versetzt mit seinen Raubzügen nicht nur Menschen und Tiere in Angst und Schrecken, er besitzt auch magische Kräfte. Als der Scheuch, Prinzessin Betty, der Löwe und andere sich gegen ihn stellen, spricht er einen schrecklichen Fluch aus. Feuersbrünste und Überschwemmungen verwüsten von nun an das Zauberland.Wie sollen der Herrscher der Smaragdenstadt und seine Freunde mit dem Untier fertig werden und Telwina retten? Gewiss, es gibt Pet Riva, der sich ein bisschen aufs Zaubern versteht, aber er verwechselt die Formeln und bewirkt oft das Gegenteil von dem, was er erreichen will – soll man etwa ihn um Hilfe bitten? Ein verzweifelter Kampf beginnt, und obwohl der Scheuch und Din Gior vorübergehend in Riesen verwandelt werden, ist das Ende völlig ungewiss.Im "Fluch …
Beschreibung
Ein Mädchen aus dem Zauberland, Telwina Wunderschön, wird zu ihrem Entsetzen und dem ihres Onkels Din Gior von einem hässlichen Drachen zur Frau begehrt. Raubald versetzt mit seinen Raubzügen nicht nur Menschen und Tiere in Angst und Schrecken, er besitzt auch magische Kräfte. Als der Scheuch, Prinzessin Betty, der Löwe und andere sich gegen ihn stellen, spricht er einen schrecklichen Fluch aus. Feuersbrünste und Überschwemmungen verwüsten von nun an das Zauberland.
Wie sollen der Herrscher der Smaragdenstadt und seine Freunde mit dem Untier fertig werden und Telwina retten? Gewiss, es gibt Pet Riva, der sich ein bisschen aufs Zaubern versteht, aber er verwechselt die Formeln und bewirkt oft das Gegenteil von dem, was er erreichen will – soll man etwa ihn um Hilfe bitten? Ein verzweifelter Kampf beginnt, und obwohl der Scheuch und Din Gior vorübergehend in Riesen verwandelt werden, ist das Ende völlig ungewiss.
Im "Fluch des Drachenkönigs", dem vierten Band der Reihe von Aljonna und Klaus Möckel, geraten die bekannten Helden erneut in beklemmende Situationen, die sie jedoch, wie gewohnt, mit Witz und Tatkraft zu bewältigen wissen.
Dieses Buch, 1999 bei LeiV (Leipzig) mit Illustrationen von Hans-Eberhard Ernst unter dem Pseudonym „Nikolai Bachnow“ erschienen, ist das vierte von mehreren Büchern, die an die bekannte Reihe des Russen Alexander Wolkow anschließen. "Endlich befindet man sich wieder in Gefilden, die nicht mehr futuristisch oder abstrakt anmuten", hieß es damals in Karolin Kullmanns Rezension.
Bibliografische Angaben
| Erstveröffentlichung | 01.01.1999 |
|---|---|
| E-Book-Ausgabe | 14.07.2013 |
| Seiten | 247 |
| ISBN (EPUB) | 978-3-86394-122-2 |
| ISBN (PDF) | 978-3-86394-123-9 |
| ASIN (Kindle) | B00WXLGLK2 |
| Verlag | EDITION digital |
| Sprache | deutsch |
Schlagwörter
SmaragdenstadtZauberlandScheuchGoodwinHexe GingemaLöweHolzfällerDrachenkönigRaubaldTelwinaDin GiorPet RivaRiesenFluchRaupenFlutAlexander WolkowNikolai BachnowLeseprobe
Raubald wusste nicht, was ein Zelt war, er hielt das graue Ding für einen spitzen Felsen und wunderte sich nur, wie er hierher kam. Auf die Stadt zusegelnd, rief er laut den Namen Telwinas, denn er dachte sich schon, dass sie dort zu finden war.
Telwina hörte seinen Ruf und schloss schnell alle Fenster. Sie wollte nicht mehr mit dem Ungeheuer sprechen.
Auch der Scheuch und seine Gäste vernahmen die laute krächzende Stimme. Sie sahen den Drachen heranschweben und sprangen auf. Doch selbst der Herrscher der Smaragdenstadt, der fast die Höhe seines Palastes erreichte, musste den Kopf in den Nacken legen. Raubald dachte nämlich an den Tritt gegen seinen Unterkiefer und hütete sich, tiefer herabzukommen.
"Lass Telwina in Ruhe", rief der Scheuch. "Sie feiert nächste Woche Hochzeit. Was willst du noch von ihr?"
Der Drachenkönig schrie wütend:
"Halte du dich da raus, Riese. Es gibt keine Hochzeit. Komm aus deiner Höhle, Telwina, damit ich dich mitnehmen kann."
"Was Telwina tut, entscheidet allein sie. Scher dich fort aus unserem Land, sonst müssen wir dich mit Gewalt vertreiben." Der Scheuch wurde langsam ärgerlich.
"Mit Gewalt? Was kannst du mit deinem am Boden kriechenden Zwergenvolk schon gegen einen wie mich ausrichten?"
Der Tapfere Löwe mischte sich ein. Er brüllte, so laut er konnte:
"Zwergenvolk? Komm herunter, du Angeber, und stell dich, damit ich dir meine Zähne in die Kehle schlage."
Der Eiserne Holzfäller trat neben den Löwen und zog seine Axt aus dem Gürtel.
"Du solltest dich schämen, so mit uns zu sprechen", erklärte er. "Jeder, der ein bisschen Herz hat, weiß, dass Liebe nicht zu erzwingen ist. Ob nun Zwerg oder Riese, das trifft auf alle zu."
Doch die Worte der beiden beeindruckten den Drachen wenig. Erst als sich der Scheuch nach einem Findling bückte, der im Park zu einer Grottenlandschaft gehörte, fauchte er wütend:
"Ich sehe schon, ihr wollt nicht gehorchen. Dann wisst, dass ich einen Fluch über eure Stadt bringen kann, der euch in Not und Verzweiflung stürzt. Auf Knien werdet ihr zu meiner königlichen Höhle gekrochen kommen und mich unterwürfig um Vergebung bitten."
Der Scheuch konnte nicht mehr an sich halten. Er nahm den Stein und warf ihn nach dem Drachen. Besonders geschickt stellte er sich dabei freilich nicht an. Nicht nur, dass er sein Ziel um Längen verfehlte - der herabfallende Findling hätte beinahe noch die Stadtmauer beschädigt.
Trotzdem schrie Raubald:
"Das wirst du mir büßen, Riese, alles werdet ihr mir büßen. Ihr sollt zum Leiden verdammt sein, bis ihr euch meinem Willen unterwerft!" Und er fügte, heftig mit den Flügeln schlagend, den Bannspruch hinzu, der sich ihm eingeprägt hatte:
"Fluch über euch, Blitz und Gewitter! Wasserfluten, solange ihr mir nicht gehorcht! Hagel über das Land, Tod und Verwüstung! Nacht über euch in Gingemas Namen."
Inhaltsverzeichnis
Erster Teil: Gingemas Erbe
Die unheimliche Schlucht
Die Begegnung mit Dickhaut
Telwina Wunderschön
Pet Riva greift ein
Zwei traurige Riesen
Betty weiß Rat
Gingemas Stimme
Zweiter Teil: Die Smaragdenstadt in Not
Der Sturm
Das erste Opfer
Das sonderbare Schutzdach
Eine Begegnung im Regen
Der Angriff der Raupen
Die Flut
Aufregung im Palast
Telwinas Entschluss
Din Gior wird geheilt
Eine Entführung
Dritter Teil: Der Feldzug gegen den Drachen
Wo ist die Rettung?
Eine Rast mit Überraschungen
Klapp gerät in eine Falle
In der Drachenhöhle
Die beiden Eulen
Die Grüne Lagune
Raubalds Zorn
Auf Dickhaut ist Verlass
Telwinas Sorgen
Der Kampf mit dem Drachen
Telwinas wird befreit
Hurra, sie sind geschrumpft!
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