
Gewiss, dem Oberleutnant G. ist es nicht gerade hundertprozentig zum Lachen: Er ahnt sein Schicksal voraus. Er ahnt das Schicksal seines Kameraden. „Wir haben uns hier als Kulturdünger eingesetzt!“ Ein etwas anspruchsvoller und unbelehrbarer Dünger. Die russische Erde wird nicht viel nach diesen anspruchsvollen Worten fragen, Herr Oberleutnant. Die Herren werden in der russischen Erde, die sie nicht gerufen hat, ebenso spurlos verschwinden, wie bereits Tausende ihresgleichen in ihr verschwunden sind. Streichen wir das bei den Nazis nicht hoch im Kurs stehende Wörtlein Kultur, so bleibt der Dünger. Die deutschen Soldaten aber wollen nicht unbedingt Dünger der russischen Erde werden. Sie verzichten auf diese hohe Ehre!
Und dann: „Die ganze Welt“ wird nicht an diesem Hitlerabenteuer zusammenkrachen; es genügt vollständig, dass das Hitlerabenteuer zusammenkracht, damit die Welt und auch Deutschland gerettet werden.
Ja, der Oberleutnant Siegfried G. hat gewisse Vorahnungen. Er hat auch eine Ahnung, dass dieses ganze furchtbare Hitlerabenteuer schiefgehen könnte, dieses Hitlerabenteuer, bei dem Hunderttausende Söhne des deutschen Volks ihr Leben lassen müssen für eine schlechte und verderbliche Sache. Das spürt der Herr Oberleutnant sehr wohl als Frontsoldat. Doch wie beantwortet er diese furchtbare Schicksalsfrage des deutschen Volks? Er schreibt: „Und wenn die ganze Welt zusammenkracht, dann fahren wir im Luftballon!“
Der Luftballon. Wenn die Welt zerbricht
"Der Luftballon" ist eine eindringliche Erzählung über die moralische Verwüstung des Krieges und die Realitätsverweigerung jener, die ihn führten. Friedrich Wolf beleuchtet das Denken eines deutschen Offiziers im Zweiten Weltkrieg, dessen zynischer Optimismus und Verdrängung die Absurdität und Vergeblichkeit des Krieges aufzeigen. Mit scharfsinniger Ironie und tiefem Verständnis für die menschliche Psyche zeichnet Wolf ein düsteres Bild von einer Generation, die ihre eigenen Träume und Werte in den Trümmern der Welt verlor. Diese zeitlose Erzählung zwingt den Leser, sich den Abgründen des Krieges zu stellen und über die bleibenden Narben der Geschichte nachzudenken.
Beschreibung
"Der Luftballon" ist eine eindringliche Erzählung über die moralische Verwüstung des Krieges und die Realitätsverweigerung jener, die ihn führten. Friedrich Wolf beleuchtet das Denken eines deutschen Offiziers im Zweiten Weltkrieg, dessen zynischer Optimismus und Verdrängung die Absurdität und Vergeblichkeit des Krieges aufzeigen. Mit scharfsinniger Ironie und tiefem Verständnis für die menschliche Psyche zeichnet Wolf ein düsteres Bild von einer Generation, die ihre eigenen Träume und Werte in den Trümmern der Welt verlor. Diese zeitlose Erzählung zwingt den Leser, sich den Abgründen des Krieges zu stellen und über die bleibenden Narben der Geschichte nachzudenken.
Bibliografische Angaben
| Erstveröffentlichung | 15342 |
|---|---|
| E-Book-Ausgabe | 06.09.2024 |
| Seiten | 13 |
| ISBN (EPUB) | 978-3-68912-202-7 |
| ISBN (PDF) | 978-3-68912-203-4 |
| ASIN (Kindle) | B0DFZ3XN8M |
| Verlag | EDITION digital |
| Sprache | deutsch |
Schlagwörter
AbsurditätFrontsoldatenHitlerarmeeIronieKriegsdramaKriegserfahrungKriegsnarrativeKriegstraumaKulturdüngerMoralische VerwüstungNazi-PropagandaOffizierRealitätsfluchtSoldatenschicksalTragödieÜberlebensinstinktUntergangVerdrängungZweiter WeltkriegZynismusDer LuftballonFriedrich Wolfdeutscher OffizierOberleutnant Siegfried G.Leseprobe
Gewiss, dem Oberleutnant G. ist es nicht gerade hundertprozentig zum Lachen: Er ahnt sein Schicksal voraus. Er ahnt das Schicksal seines Kameraden. „Wir haben uns hier als Kulturdünger eingesetzt!“ Ein etwas anspruchsvoller und unbelehrbarer Dünger. Die russische Erde wird nicht viel nach diesen anspruchsvollen Worten fragen, Herr Oberleutnant. Die Herren werden in der russischen Erde, die sie nicht gerufen hat, ebenso spurlos verschwinden, wie bereits Tausende ihresgleichen in ihr verschwunden sind. Streichen wir das bei den Nazis nicht hoch im Kurs stehende Wörtlein Kultur, so bleibt der Dünger. Die deutschen Soldaten aber wollen nicht unbedingt Dünger der russischen Erde werden. Sie verzichten auf diese hohe Ehre!
Und dann: „Die ganze Welt“ wird nicht an diesem Hitlerabenteuer zusammenkrachen; es genügt vollständig, dass das Hitlerabenteuer zusammenkracht, damit die Welt und auch Deutschland gerettet werden.
Ja, der Oberleutnant Siegfried G. hat gewisse Vorahnungen. Er hat auch eine Ahnung, dass dieses ganze furchtbare Hitlerabenteuer schiefgehen könnte, dieses Hitlerabenteuer, bei dem Hunderttausende Söhne des deutschen Volks ihr Leben lassen müssen für eine schlechte und verderbliche Sache. Das spürt der Herr Oberleutnant sehr wohl als Frontsoldat. Doch wie beantwortet er diese furchtbare Schicksalsfrage des deutschen Volks? Er schreibt: „Und wenn die ganze Welt zusammenkracht, dann fahren wir im Luftballon!“
Friedrich Wolf
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