
Es war nicht ganz einfach, bei dem Kerzenstummel, den ein Rotarmist hielt, diese komplizierte Wunde in der engen, mit Soldaten überfüllten Hütte zu verbinden. Ich musste daran denken, wie ich im ersten Weltkrieg als Bataillonsarzt deutsche Soldaten an der Somme und bei Langemarck versorgt hatte. Als ich die zweite Binde verlangte, sah ich das vom Kerzenschein beleuchtete Gesicht eines deutschen Gefangenen, er schaute in geradezu hilflosem Erstaunen auf mich. Offenbar konnte er es nicht fassen, dass der Rotarmist während der Kampfhandlungen einem deutschen Verwundeten sein Verbandpäckchen gab.
*
Der Verwundete bittet um Wasser.
Wir geben es ihm mit etwas Wodka. Er ist sehr erschöpft und stöhnt. Ich lasse ihn auf eine Bank legen und die andern Soldaten etwas beiseite treten.
Der Verwundete – es ist der Artilleriefunker Hans Schmidt von der 19. Panzerdivision – fragt mich, was ich von seiner Wunde halte und ob er sterben müsse? Und ohne meine Antwort abzuwarten, nennt er mir die Feldpostnummer seines Bruders, der schon seit Oktober bei Stalingrad stehe, er selbst habe in seinem Funkgerät alle Meldungen über Stalingrad abgehört, auch die russischen. Und nun quäle er sich die ganzen letzten Tage, ob sein Bruder unter den Toten oder unter den Gefangenen sei?
Das Verbandpäckchen
„Das Verbandpäckchen“ ist eine packende Erzählung, die den Leser mitten in die frostige Januarnacht des Jahres 1943 entführt, inmitten des Zweiten Weltkriegs. In einer kleinen Bauernhütte, fernab der Heimat, treffen deutsche Kriegsgefangene und sowjetische Soldaten aufeinander. Die Feindschaft zwischen den Nationen weicht in einem Moment der Menschlichkeit, als ein russischer Soldat dem verwundeten deutschen Artilleristen Hans Schmidt sein eigenes Verbandpäckchen überlässt. Diese Geschichte berührt durch ihre eindringliche Schilderung von Mitgefühl und die schmale Grenze zwischen Feind und Mensch im Angesicht des Krieges. Es ist ein zeitloses Werk, das uns erinnert, dass Menschlichkeit selbst im dunkelsten Moment existieren kann.
Beschreibung
„Das Verbandpäckchen“ ist eine packende Erzählung, die den Leser mitten in die frostige Januarnacht des Jahres 1943 entführt, inmitten des Zweiten Weltkriegs. In einer kleinen Bauernhütte, fernab der Heimat, treffen deutsche Kriegsgefangene und sowjetische Soldaten aufeinander. Die Feindschaft zwischen den Nationen weicht in einem Moment der Menschlichkeit, als ein russischer Soldat dem verwundeten deutschen Artilleristen Hans Schmidt sein eigenes Verbandpäckchen überlässt. Diese Geschichte berührt durch ihre eindringliche Schilderung von Mitgefühl und die schmale Grenze zwischen Feind und Mensch im Angesicht des Krieges. Es ist ein zeitloses Werk, das uns erinnert, dass Menschlichkeit selbst im dunkelsten Moment existieren kann.
Bibliografische Angaben
| Erstveröffentlichung | 17168 |
|---|---|
| E-Book-Ausgabe | 06.09.2024 |
| Seiten | 14 |
| ISBN (EPUB) | 978-3-68912-204-1 |
| ISBN (PDF) | 978-3-68912-205-8 |
| ASIN (Kindle) | B0DFZR1BFQ |
| Verlag | EDITION digital |
| Sprache | deutsch |
Schlagwörter
BrüderlichkeitErzählkunstFeindbilderFeldlazarettFrontgeschehenHoffnungKriegserfahrungKriegsgefangeneKriegsrealitätMenschlichkeitMitgefühlOstfrontRusslandfeldzugSchicksalSoldatenlebenSoldatenschicksalÜberlebenVerwundungWinterkriegZweiter Weltkrieg1943JanuarnachtRotarmistVerbandpäckchenLeseprobe
Es war nicht ganz einfach, bei dem Kerzenstummel, den ein Rotarmist hielt, diese komplizierte Wunde in der engen, mit Soldaten überfüllten Hütte zu verbinden. Ich musste daran denken, wie ich im ersten Weltkrieg als Bataillonsarzt deutsche Soldaten an der Somme und bei Langemarck versorgt hatte. Als ich die zweite Binde verlangte, sah ich das vom Kerzenschein beleuchtete Gesicht eines deutschen Gefangenen, er schaute in geradezu hilflosem Erstaunen auf mich. Offenbar konnte er es nicht fassen, dass der Rotarmist während der Kampfhandlungen einem deutschen Verwundeten sein Verbandpäckchen gab.
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Der Verwundete bittet um Wasser.
Wir geben es ihm mit etwas Wodka. Er ist sehr erschöpft und stöhnt. Ich lasse ihn auf eine Bank legen und die andern Soldaten etwas beiseite treten.
Der Verwundete – es ist der Artilleriefunker Hans Schmidt von der 19. Panzerdivision – fragt mich, was ich von seiner Wunde halte und ob er sterben müsse? Und ohne meine Antwort abzuwarten, nennt er mir die Feldpostnummer seines Bruders, der schon seit Oktober bei Stalingrad stehe, er selbst habe in seinem Funkgerät alle Meldungen über Stalingrad abgehört, auch die russischen. Und nun quäle er sich die ganzen letzten Tage, ob sein Bruder unter den Toten oder unter den Gefangenen sei?
Friedrich Wolf
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