
Einige dringende Arbeiten gab es noch an Deck, auch einige Vorbereitungen für die Umseglung des Kap Hoorn waren zu treffen. Das wollte der Kapitän und noch mehr der erste Steuermann bei der Knappheit der an Deck arbeitenden Hände hinter sich haben, ehe mit Atschasso abgerechnet werden konnte. Das war so gedacht, dass die alten Lebensmittelrationen wieder ausgegeben würden, und ein Anlass zum Einschreiten würde sich dann schon finden, meinte der Kapitän.
Und eines Abends tauchte das Fleisch aus dem angebrochenen Salzfleischfass wieder auf dem Mannschaftstisch auf, nur war es inzwischen noch ungenießbarer geworden. Selbst Lindnäs ging der Gestank des Fleisches diesmal in die Nase.
Gegessen wurde an diesem Abend nichts.
Am nächsten Morgen und am folgenden Mittag wurde die Hälfte des Essens ins Meer geworfen. Aber auch die Rufe an Deck nach anderem Fleisch blieben aus; dazu war kaum Gelegenheit. Unter dem gleichmäßig wehenden Wind standen die Segel so fest, dass keine Hand sie anzurühren brauchte, und das konnte noch Wochen so weiter gehen.
Ein schwüler Nachmittag war es.
Lindnäs stand am Ruder. Atschasso saß auf dem Vordeck beim Segelflicken, und Klaus, der zur Freiwache gehörte, hatte sich zu ihm gesetzt. Martin und die beiden Schweden, die auch Freiwache hatten, hockten ein Stück weiter auf der Spier, dem Reservemast, der an der Verschanzung festgelegt war.
„Auf dem zehnten Breitengrad sind wir“, sagte Atschasso, „hast du die Karte im Kopf, Sonny, weißt du, wo das ist?“
„Am Amazonenstrom.“
„Nein, den haben wir hinter uns, auf der Höhe vom Amazonas waren wir in der Mallung.“
Jaap kam aus dem Logis heraus und setzte sich zu den anderen auf die Spier. Seine Ziehharmonika hatte er mitgebracht. Wenn unter diesen fest belegten Schooten schon nichts ,zu holen’ war und man nichts aussingen konnte, so gab es doch noch andere Möglichkeiten, dem Alten beizubringen, was man von ihm und von dem Fraß, den er der Mannschaft vorsetzte, dachte.
Jaap spielte die Ziehharmonika und sang dazu:
Was ist ein Seemann wert
Zweimal am Tage Madenbrot
Mittags verfaultes Pferd
Und alle wiederholten:
Salzpferd
Salzpferd
Das ist der Seemann wert.
Der Kapitän wanderte auf dem Hüttendeck auf und ab, von Steuerbord nach Backbord und wieder zurück. Dabei rauchte seine Tabakspfeife wie der Schlot eines kleinen Dampfers. Jaap variierte seine Strophe, doch immer ging es auf denselben Kehrreim aus.
Das große Abenteuer. Zwischen Sturm und Freiheit
Ein Junge verlässt heimlich sein Zuhause – und läuft direkt in die große, gefährliche Welt hinein.Der junge Klaus träumt von Freiheit, von fernen Ländern und von den Schiffen, die im Hafen zu unbekannten Küsten aufbrechen. Als er sich heimlich an Bord eines Segelschiffs schmuggelt, beginnt für ihn eine Reise, die ihn weit über seine Träume hinausführt: über die Weltmeere, durch Stürme und über Kontinente hinweg bis nach Südamerika.Unter rauen Seeleuten, politischen Aktivisten und Abenteurern entdeckt Klaus eine Wirklichkeit, die größer und härter ist als jede Vorstellung. Auf der Fahrt lernt er nicht nur die Gefahren der See kennen, sondern auch die Konflikte einer Welt im Umbruch – Ausbeutung, Macht, Solidarität und den Kampf um Freiheit.Mit großer erzählerischer Kraft schildert Theodor Plievier eine abenteuerliche Reise, die zugleich ein Roman des Erwachsenwerdens ist. Das große Abenteuer verbindet Seefahrerromantik, politische Spannung und historische Realität zu einer packenden Geschichte …
Beschreibung
Ein Junge verlässt heimlich sein Zuhause – und läuft direkt in die große, gefährliche Welt hinein.
Der junge Klaus träumt von Freiheit, von fernen Ländern und von den Schiffen, die im Hafen zu unbekannten Küsten aufbrechen. Als er sich heimlich an Bord eines Segelschiffs schmuggelt, beginnt für ihn eine Reise, die ihn weit über seine Träume hinausführt: über die Weltmeere, durch Stürme und über Kontinente hinweg bis nach Südamerika.
Unter rauen Seeleuten, politischen Aktivisten und Abenteurern entdeckt Klaus eine Wirklichkeit, die größer und härter ist als jede Vorstellung. Auf der Fahrt lernt er nicht nur die Gefahren der See kennen, sondern auch die Konflikte einer Welt im Umbruch – Ausbeutung, Macht, Solidarität und den Kampf um Freiheit.
Mit großer erzählerischer Kraft schildert Theodor Plievier eine abenteuerliche Reise, die zugleich ein Roman des Erwachsenwerdens ist. Das große Abenteuer verbindet Seefahrerromantik, politische Spannung und historische Realität zu einer packenden Geschichte über Mut, Neugier und den Traum von einem anderen Leben.
Ein Klassiker der Abenteuerliteratur – rau, bewegend und überraschend aktuell.
Bibliografische Angaben
| Erstveröffentlichung | 13150 |
|---|---|
| E-Book-Ausgabe | 09.03.2026 |
| Seiten | 1031 |
| ISBN (EPUB) | 978-3-68912-651-3 |
| ISBN (PDF) | 978-3-68912-652-0 |
| ASIN (Kindle) | B0GRJZWZW1 |
| Verlag | EDITION digital |
| Sprache | deutsch |
Schlagwörter
AbenteuerSeefahrtSegelschiffHafenJugendReiseFreiheitFernwehMatrosenMeerAtlantikSüdamerikaChileHafenstadtAusreißerSchiffSturmSeefahrerArbeiterkampfKapitalismusFaschismusPolitikSolidaritätRevolutionLeseprobe
Einige dringende Arbeiten gab es noch an Deck, auch einige Vorbereitungen für die Umseglung des Kap Hoorn waren zu treffen. Das wollte der Kapitän und noch mehr der erste Steuermann bei der Knappheit der an Deck arbeitenden Hände hinter sich haben, ehe mit Atschasso abgerechnet werden konnte. Das war so gedacht, dass die alten Lebensmittelrationen wieder ausgegeben würden, und ein Anlass zum Einschreiten würde sich dann schon finden, meinte der Kapitän.
Und eines Abends tauchte das Fleisch aus dem angebrochenen Salzfleischfass wieder auf dem Mannschaftstisch auf, nur war es inzwischen noch ungenießbarer geworden. Selbst Lindnäs ging der Gestank des Fleisches diesmal in die Nase.
Gegessen wurde an diesem Abend nichts.
Am nächsten Morgen und am folgenden Mittag wurde die Hälfte des Essens ins Meer geworfen. Aber auch die Rufe an Deck nach anderem Fleisch blieben aus; dazu war kaum Gelegenheit. Unter dem gleichmäßig wehenden Wind standen die Segel so fest, dass keine Hand sie anzurühren brauchte, und das konnte noch Wochen so weiter gehen.
Ein schwüler Nachmittag war es.
Lindnäs stand am Ruder. Atschasso saß auf dem Vordeck beim Segelflicken, und Klaus, der zur Freiwache gehörte, hatte sich zu ihm gesetzt. Martin und die beiden Schweden, die auch Freiwache hatten, hockten ein Stück weiter auf der Spier, dem Reservemast, der an der Verschanzung festgelegt war.
„Auf dem zehnten Breitengrad sind wir“, sagte Atschasso, „hast du die Karte im Kopf, Sonny, weißt du, wo das ist?“
„Am Amazonenstrom.“
„Nein, den haben wir hinter uns, auf der Höhe vom Amazonas waren wir in der Mallung.“
Jaap kam aus dem Logis heraus und setzte sich zu den anderen auf die Spier. Seine Ziehharmonika hatte er mitgebracht. Wenn unter diesen fest belegten Schooten schon nichts ,zu holen’ war und man nichts aussingen konnte, so gab es doch noch andere Möglichkeiten, dem Alten beizubringen, was man von ihm und von dem Fraß, den er der Mannschaft vorsetzte, dachte.
Jaap spielte die Ziehharmonika und sang dazu:
Was ist ein Seemann wert
Zweimal am Tage Madenbrot
Mittags verfaultes Pferd
Und alle wiederholten:
Salzpferd
Salzpferd
Das ist der Seemann wert.
Der Kapitän wanderte auf dem Hüttendeck auf und ab, von Steuerbord nach Backbord und wieder zurück. Dabei rauchte seine Tabakspfeife wie der Schlot eines kleinen Dampfers. Jaap variierte seine Strophe, doch immer ging es auf denselben Kehrreim aus.
Theodor Plievier
Weitere Bücher von Theodor Plievier
Des Kaisers Kuli. Roman der deutschen Kriegsflotte
Der Kaiser ging, die Generäle blieben
Berlin. Der große Krieg im Osten, 3. Buch
Das gefrorene Herz. Erzählungen
Moskau-Stalingrad-Berlin. Der große Krieg im Osten
Moskau. Der große Krieg im Osten, 1. BuchÄhnliche Bücher
Templer-Gold. Träume und Tod. Das Gold der Templer, Teile 1-3
Die Zeitreisende, 13. Teil. Neu Guinea: Die Suche nach den verborgenen Sendern geht weiter
Das Verhängnis oder Die Liebe des Paul Fleming.
Störtebekers Erben. Die abenteuerlichen Jugendjahre des Vitalienbruders und Likedeelers Johannes Engelbrecht
Das Goldland des Salomo. Roman
Der Turm des Todes. Historische Abenteuererzählungen über drei Kontinente und die Weltmeere