
Meine Linke suchte jetzt krampfhaft Halt, damit ich mehr Widerstand leisten konnte. Die Scham, die mir Hände und Knie bereiteten, aktivierte noch einmal alle Muskeln. Eher zufällig drückte ich den Zigarettenanzünder nach unten. Ich krümmte meinen Rücken, um das Schwein nach Möglichkeit gegen das Wagendach zu drücken. Als ich annehmen konnte, dass der Zigarettenanzünder seine Betriebstemperatur erreicht hatte, ließ ich mich ruckartig fallen. Der über mir verlor sein Gleichgewicht und stützte sich impulsiv neben meinen Kopf ab. Mit allerletzter Kraft drückte ich die rotglühende Heizwendel auf die tätowierte Rückhand. Es stank nach verbranntem Fleisch. Als ich spürte, dass der Kerl vor Schmerzen brüllend wegtaumelte, kam ich hoch, um ihm nachzusetzen.
Während meiner Kriminalistenausbildung war ich Trägerin eines Schwarzen Gürtels – das Knirschen beim Brechen seines Nasenbeins registrierte ich wie nebenbei. Der ausgekugelte Arm hing Sekunden später als überflüssiges Pendel herab. Mein Knie stieß absichtsvoll dorthinein, womit man es mir, um im Jargon solcher Dreckstypen zu reden, hatte besorgen wollen. Seinen ausgestreckten Hals vor den Augen, schlugen beide Handkanten jetzt parallel mit aller Kraft zu. Die Blutversorgung zum Kopf war kurzzeitig unterbrochen und sein Körper sackte lautlos in sich zusammen. Hilflos am Boden liegend, begann er zu kotzen. Es kostete mich viel Überwindung, nicht mit der Schuhspitze kräftig nachzutreten.
Ich wandte mich voller Ekel ab. Den Fehler von vorhin vermeidend, ging ich schwer atmend und auf leicht zittrigen Beinen zur Beifahrerseite, um mein Handy aus dem Handschuhfach zu holen. Nachdem ich Biersichlers Nummer gewählt hatte und auf eine Verbindung wartete, schaute ich übers Wagendach.
„Verdammter Scheiß!“
Der Sauhund war nicht mehr da! Er hatte seinen K.o. nur simuliert. Warum hatte ich ihn nicht krankenhausreif geschlagen! Mein Gespräch mit der Meyer-Eggersdorf über Denkert kam mir in den Sinn: Hatte sie nicht auch davon gesprochen, dass es in unserer Zivilisation durchaus Menschen gäbe, die diese Bezeichnung nicht verdienten? Die nichts als Unkraut seien und mit der Wurzel ausgerottet werden müssten? Zumindest hier und jetzt würde ich das unbesehen unterschreiben!
Biersichler meldete sich nicht. Vielleicht war es auch besser, sich Erklärungen und Details zu ersparen. Mir blieb ja noch genügend Zeit, ihn in Kenntnis zu setzen. Meine Zigarette in der einen Hand und den Zigarettenanzünder in der anderen, versuchte ich logisch zu denken. Als erstes würde ich meinen Zigarettenanzünder vergolden lassen. Weil mich dieser Einfall belustigte, nahm ich an, psychisch das Gröbste überstanden zu haben. Die wichtigste Frage war, wer trug die Verantwortung für diese Eskalation?
Ein mörderischer Dreh. Detektei Rote Socke, Band 2
Gestatten Sie: Mein Name ist Mildred Sox, Diplom-Kriminalistin. Ich bin also diejenige, die aufgrund besonderer Lebensumstände aus dem Polizeidienst gefeuert wurde und demzufolge geradezu eine Privatdetektei gründen musste …Ich war sichtlich irritiert, als die Frau meines Ex-Geliebten KHK Edwin Roeder um Beistand für ihren Schwiegersohn bat. Kay Denkert besitzt eine Anlage-Firma. Unbekannte haben den Mittdreißiger überfallen, zwei Tage später wird er Opfer eines Mordanschlages. Rechtsmediziner können zwar den komplizierten Tatvorgang klären, Hinweise zum Täter haben auch sie nicht. Ich ermittelte also gegen einen Gläubiger, befragte alle drei Geschäftspartner des Denkert. Ich werde mehrmals bedroht, weil ich nichtsdestoweniger diesen kniffligen Fall weiter verfolge. Eine heiße Spur führt in die USA und ich muss klären, was die angebliche Lebensmittelvergiftung eines aidskranken ehemaligen Sheriffs in Lyme mit Denkerts Firma zu tun hat. Schließlich gelingt es mir, bereits geplante Morde zu verhindern bzw. dass ein millionenschwerer Coup auffliegt. Bleibt …
Beschreibung
Gestatten Sie: Mein Name ist Mildred Sox, Diplom-Kriminalistin. Ich bin also diejenige, die aufgrund besonderer Lebensumstände aus dem Polizeidienst gefeuert wurde und demzufolge geradezu eine Privatdetektei gründen musste …
Ich war sichtlich irritiert, als die Frau meines Ex-Geliebten KHK Edwin Roeder um Beistand für ihren Schwiegersohn bat. Kay Denkert besitzt eine Anlage-Firma. Unbekannte haben den Mittdreißiger überfallen, zwei Tage später wird er Opfer eines Mordanschlages. Rechtsmediziner können zwar den komplizierten Tatvorgang klären, Hinweise zum Täter haben auch sie nicht. Ich ermittelte also gegen einen Gläubiger, befragte alle drei Geschäftspartner des Denkert. Ich werde mehrmals bedroht, weil ich nichtsdestoweniger diesen kniffligen Fall weiter verfolge. Eine heiße Spur führt in die USA und ich muss klären, was die angebliche Lebensmittelvergiftung eines aidskranken ehemaligen Sheriffs in Lyme mit Denkerts Firma zu tun hat. Schließlich gelingt es mir, bereits geplante Morde zu verhindern bzw. dass ein millionenschwerer Coup auffliegt. Bleibt aber dennoch die Frage – wer hat Kay Denkert ermordet? Des Rätsels überraschende Lösung findet sich buchstäblich erst auf den letzten Seiten ...
Das Buch erschien erstmals 2001 in der DIE-Reihe (Delikte, Indizien, Ermittlungen) im Verlag DAS NEUE BERLIN.
Bibliografische Angaben
| Erstveröffentlichung | 01.01.1990 |
|---|---|
| E-Book-Ausgabe | 31.10.2012 |
| Seiten | 258 |
| ISBN (EPUB) | 978-3-86394-860-3 |
| ISBN (PDF) | 978-3-86394-861-0 |
| ASIN (Kindle) | B00WXMXS0C |
| Verlag | EDITION digital |
| Sprache | deutsch |
Schlagwörter
MordKorruptionBetrugMafiaDetektivMildred SoxPrivatdetektivinDDRBerlinKrimiPrivatdetekteiKay DenkertUSALymeAIDSErmittlungenLüdemannLeseprobe
Meine Linke suchte jetzt krampfhaft Halt, damit ich mehr Widerstand leisten konnte. Die Scham, die mir Hände und Knie bereiteten, aktivierte noch einmal alle Muskeln. Eher zufällig drückte ich den Zigarettenanzünder nach unten. Ich krümmte meinen Rücken, um das Schwein nach Möglichkeit gegen das Wagendach zu drücken. Als ich annehmen konnte, dass der Zigarettenanzünder seine Betriebstemperatur erreicht hatte, ließ ich mich ruckartig fallen. Der über mir verlor sein Gleichgewicht und stützte sich impulsiv neben meinen Kopf ab. Mit allerletzter Kraft drückte ich die rotglühende Heizwendel auf die tätowierte Rückhand. Es stank nach verbranntem Fleisch. Als ich spürte, dass der Kerl vor Schmerzen brüllend wegtaumelte, kam ich hoch, um ihm nachzusetzen.
Während meiner Kriminalistenausbildung war ich Trägerin eines Schwarzen Gürtels – das Knirschen beim Brechen seines Nasenbeins registrierte ich wie nebenbei. Der ausgekugelte Arm hing Sekunden später als überflüssiges Pendel herab. Mein Knie stieß absichtsvoll dorthinein, womit man es mir, um im Jargon solcher Dreckstypen zu reden, hatte besorgen wollen. Seinen ausgestreckten Hals vor den Augen, schlugen beide Handkanten jetzt parallel mit aller Kraft zu. Die Blutversorgung zum Kopf war kurzzeitig unterbrochen und sein Körper sackte lautlos in sich zusammen. Hilflos am Boden liegend, begann er zu kotzen. Es kostete mich viel Überwindung, nicht mit der Schuhspitze kräftig nachzutreten.
Ich wandte mich voller Ekel ab. Den Fehler von vorhin vermeidend, ging ich schwer atmend und auf leicht zittrigen Beinen zur Beifahrerseite, um mein Handy aus dem Handschuhfach zu holen. Nachdem ich Biersichlers Nummer gewählt hatte und auf eine Verbindung wartete, schaute ich übers Wagendach.
„Verdammter Scheiß!“
Der Sauhund war nicht mehr da! Er hatte seinen K.o. nur simuliert. Warum hatte ich ihn nicht krankenhausreif geschlagen! Mein Gespräch mit der Meyer-Eggersdorf über Denkert kam mir in den Sinn: Hatte sie nicht auch davon gesprochen, dass es in unserer Zivilisation durchaus Menschen gäbe, die diese Bezeichnung nicht verdienten? Die nichts als Unkraut seien und mit der Wurzel ausgerottet werden müssten? Zumindest hier und jetzt würde ich das unbesehen unterschreiben!
Biersichler meldete sich nicht. Vielleicht war es auch besser, sich Erklärungen und Details zu ersparen. Mir blieb ja noch genügend Zeit, ihn in Kenntnis zu setzen. Meine Zigarette in der einen Hand und den Zigarettenanzünder in der anderen, versuchte ich logisch zu denken. Als erstes würde ich meinen Zigarettenanzünder vergolden lassen. Weil mich dieser Einfall belustigte, nahm ich an, psychisch das Gröbste überstanden zu haben. Die wichtigste Frage war, wer trug die Verantwortung für diese Eskalation?
Hans-Ulrich Lüdemann
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